Es war am Sonntagabend eine der meistgestellten Fragen in Weiden. Nein, nicht, ob künftig Benjamin Zeitler oder Jens Meyer die Geschicke der Stadt als Oberbürgermeister lenken werden. „Warum nicht immer so?“ – hallte es aus Wohnzimmern, Kneipen und Büros. Bezogen war diese Frage auch nicht auf die Kommunalwahl, sondern auf die Leistung der Blue Devils Weiden beim überraschenden 4:3-Erfolg nach Verlängerung in Rosenheim am finalen Hauptrunden-Spieltag der DEL2. Mit einer konstant guten Leistung über die gesamte Spielzeit verdienten sich die Blue Devils zwei Zähler, die sich in der Endabrechnung nach 52 Spieltagen noch als Gold wert herausstellen könnten.
Dank dieses Auswärtssieges überholten die Weidener den EC Bad Nauheim auf den letzten Drücker in der Tabelle und gehen als Tabellen-Zwölfter nun mit dem vermeintlichen Vorteil des Heimrechts in die Play-downs-Serie um den Klassenerhalt. In der am kommenden Freitag beginnenden Best-of-7-Serie gegen die Hessen geht es nun darum, vier Siege zu landen, um den Klassenerhalt in der zweiten deutschen Eishockey-Liga über den Umweg Play-downs zu realisieren. „Wir werden alles daran setzen, so schnell wie möglich die ersten vier Spiele gegen Nauheim zu gewinnen“, verriet Luca Gläser im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, dass der Rosenheim-Coup der zuvor strauchelnden Weidener Mannschaft auch als Selbstvertrauen-Boost diente.
Die Hürde Bad Nauheim soll nun möglichst mit vier direkt hintereinander folgenden Sprüngen auf dem schnellsten Weg bewältigt werden – zumindest wenn es nach dem „Heimrecht-Held“ geht. Gläser hatte mit drei Toren im Rofa-Stadion erheblichen Anteil am positiven Hauptrunden-Abschluss. Der kam für viele Anhänger durchaus überraschend, weil sich die Blue Devils zwei Tage zuvor bei der 1:5-Heimniederlage gegen die Ravensburg Towerstars noch desaströs präsentiert hatten. Wehrlos ergaben sich die Schützlinge von Neu-Trainer Alan Letang in ihr Schicksal und schenkten diese Partie frühzeitig ab – und gaben damit eine fatale Außendarstellung ab.
Richtige Reaktion in Rosenheim
„Ich denke, unsere Leistung am Freitag hat uns allen auch noch einmal die Augen geöffnet, dass wir selbst in den Play-downs wenig Chancen haben, wenn wir so eine Leistung bringen. Ich denke, es hat uns gutgetan, noch einmal so einen Dämpfer zu bekommen, um jetzt zu wissen: Eine solche Leistung können wir in keinem einzigen Spiel mehr abrufen in dieser Saison, weil ansonsten sieht es ganz schlecht aus für uns“, zeigte sich Gläser selbstkritisch und freute sich über die „richtige Reaktion“ am Sonntag in Rosenheim.
Dass Team-Präsident Stephan Seeger von der Investorengruppe Birch-Group am Freitag ohne Trainer und sportlichen Leiter in der Kabine zur Mannschaft gesprochen hatte, hatte dagegen nichts mit der abrupten Leistungssteigerung zu tun – zumindest laut Gläser: „Wir wussten alle, dass das nicht unser bestes Spiel war. Keiner hat am Freitag die Leistung abgerufen, die sich jeder Einzelne vorstellt. Von daher glaube ich, hatte die Ansprache von Herrn Seeger nicht viel damit zu tun. Ich glaube vielmehr, dass wir das alle selber waren, die sich in den Arsch gebissen und gesagt haben: Okay, so geht’s nicht.“
In Rosenheim ließen sich die Weidener dann auch nicht von einem frühen Rückstand nach bereits 66 Sekunden aus der Ruhe bringen, als viele daheim vor den Bildschirmen schon dachten: Geht denn das schon wieder direkt so weiter? Stattdessen: Die Blue Devils glichen dreimal während der regulären Spielzeit aus, um dann selbst nach 27 Sekunden in der Verlängerung zuzuschlagen. Das lag vor allem am dieses Mal treffsicheren Luca Gläser und einem dieses Mal fehlerfreien Michael McNiven im Tor. „Ich habe nicht viel anders gemacht als sonst. Ich habe geschossen, und diesmal gingen die Schüsse rein“, verneinte Gläser die Vermutung, er habe nach seinen jüngst sehr durchwachsenen Leistungen plötzlich ein ganz spezielles Zielwasser für sich entdeckt.
Erster Sieg unter Letang
„Nach dem schlechten Ergebnis und Spiel vom Freitag war das eine sehr gute Reaktion von uns. Es war in der Mannschaft zu spüren, dass wir alle, wirklich jeder Einzelne, den Sieg holen wollten“, hoffte Gläser nun auf „noch mal mehr Ansporn, noch mal mehr Selbstvertrauen“ für die Play-downs. Diese Wiederentdeckung des Glaubens an die eigene Stärke begründet der Dreifach-Torschütze auch damit, dass der Sieg in Rosenheim mehrere mentale Blockaden auf einmal gelöst habe. Die Blue Devils holten sich nicht nur das erhoffte gute Gefühl zum Abschluss der Hauptrunde und vor dem Start der Play-downs, sondern feierten zwei weitere Erfolgserlebnisse: „Es war der erste Sieg unter Alan, und ich weiß nicht, wann wir zum letzten Mal einen Overtime-Sieg geholt haben.“
Die fünf Niederlagen seit dem Amtsantritt Letangs hatten die Mannschaft also trotz aller Dementis sehr wohl beschäftigt. Da kam dieser Erfolg gerade recht: Für die Mannschaft, weil sie erstmals auch am Ergebnis gemerkt hat, dass der pragmatische Ansatz des Kanadiers funktioniert. Zum anderen auch für Letang selbst, damit das Gerede über das Warten auf den ersten Sieg seiner Amtszeit verstummte und er erkannte, dass diese Weidener Mannschaft vielleicht doch imstande ist, seine Vorstellungen von Eishockey auf dem Eis umzusetzen.
Einziger Wermutstropfen an einem ansonsten rundum positiven Abend war die Spieldauerdisziplinarstrafe gegen den Weidener Goldhelm Alex-Olivier Voyer. Für einen harten Check in die Bande gegen Rosenheims Wyatt Schingoethe schickten die Unparteiischen den Kanadier vorzeitig zum Duschen. Da sich Voyer bereits während seiner Zeit in Ravensburg eine Spieldauerstrafe einhandelte, könnte dem „Wiederholungstäter“ dieses Mal eine Sperre drohen – zur Unzeit der Play-downs gegen Bad Nauheim. Und für Luca Gläser gibt es noch den kleinen Service: Der letzte Overtime-Sieg (6:5) der Blue Devils Weiden datiert vom 5. März 2025, Pre-Play-offs der Vorsaison, Spiel 1 daheim in der Hans-Schröpf-Arena, gegen – genau! – den EC Bad Nauheim. Wenn das kein gutes Omen ist.
































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