06.08.2019 - 10:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Hitzige Debatte um neue Trainer-Strafen

Wie gut, dass Werner Lorant nicht mehr als Trainer im Profifußball tätig ist: Ab dieser Saison können auch Trainer in den "Genuss" Gelber und Roter Karten kommen. Dafür müssen sie sich aber nicht einmal selbst daneben benehmen.

Pep Guardiola, Trainer von Manchester City, sah im englischen Supercup-Finale die Gelbe Karte wegen zu heftigen Reklamierens.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Der ehemalige Trainer des TSV 1860 München führte in seiner Hochphase gerne den Rumpelstilzchen-Tanz an der Seitenlinie auf. Ab dieser Saison würde es für "Werner Beinhart" vermutlich Gelbe und Rote Karten nur so hageln. Das hat das für Fußball-Regeln zuständige International Football Association Board (IFAB) beschlossen. Der Weltverband Fifa sieht bei einer Roten Karte eine Mindestsperre von einem Spiel vor. Vorgaben für Trainer-Sperren bei mehreren Gelben Karten gibt es aber nicht. In der Bundesliga könnte es auf ein Spiel Sperre nach vier Verwarnungen hinauslaufen. Die Deutsche Fußball Liga will am 21. August darüber diskutieren. Doch nicht nur Profitrainer sind von dieser Regeländerung betroffen, auch die Coaches bis hinunter in die B-Klassen können von nun an für allzu emotionales Gehabe und zu energisches Reklamieren sanktioniert werden. Damit nicht genug: Können Zurufe, Beschwerden oder Beleidigungen nicht zweifelsfrei zugeordnet werden, wird der ranghöchste "Bankangestellte" dafür zur Rechenschaft gezogen. Und das ist im Regelfall der Chefcoach.

Josef Dütsch, Trainer der SpVgg Schirmitz: "Ich werde mein Coaching nicht verändern. Und wenn die Geschichte von den Schiedsrichtern richtig und fair angewandt wird, habe ich dagegen nichts einzuwenden."

Was sagen die Trainer der Landes- und Bezirksligisten aus der Region dazu? Wie haben sie sich vorbereitet? "Für mich ist das keine negative Regel. Natürlich gehören Emotionen zum Spiel, aber ich fordere Disziplin in meiner Mannschaft sowie im Team ums Team ein. Der Fokus sollte ausschließlich aufs Spiel gerichtet sein", sagt Andreas Scheler, Trainer der SpVgg SV Weiden, zur Neuerung. Der Schiedsrichter-Obmann hatte vor der Saison die Änderung vor der versammelten Truppe dargestellt und erläutert. "Von daher weiß jeder Bescheid. Ich setze Disziplin voraus und rechne daher nicht mit Strafen für mich." Sein Kollege aus der Landesliga Mitte, Grafenwöhrs Trainer Roland Lang, hält nichts von der geänderten Auslegung. "Persönliche Strafen sind letztlich unnötig und vor allem im Amateurbereich ein Quatsch." Für Lang ändere sich ohnehin nicht viel. "Bislang gab es eben eine Ermahnung und anschließend den Verweis aus der Coaching Zone. Jetzt wird das halt durch Gelbe und Rote Karten unterlegt." Für den Grafenwöhrer Coach wäre es ohnehin wichtiger, dass "sich die Schiedsrichter wieder vermehrt auf das Sehen fokussieren und nicht immer alles hören. Das wäre oft gescheiter". In dieselbe Kerbe schlägt Andreas Lang, Trainer des Nordost-Landesligisten SV Mitterteich: "Emotionen gehören doch im Fußball einfach dazu. Dafür dann gleich die Gelbe Karte zu bekommen, halte ich für fragwürdig." Zudem sieht der Hochfranke das Problem, für Äußerung von der Bank "haftbar gemacht werden zu können. Das schränkt unsere Handlungsmöglichkeiten doch stark ein". Pragmatisch ordnet Josef Dütsch, Trainer des Bezirksligisten SpVgg Schirmitz das Aufregerthema ein: "Ich werde mein Coaching nicht verändern. Und wenn die Geschichte von den Schiedsrichtern richtig und fair angewandt wird, habe ich dagegen nichts einzuwenden."

Roland Lang, Trainer der SV Grafenwöhr: "Persönliche Strafen sind letztlich unnötig und vor allem im Amateurbereich ein Quatsch."

Dütschs Kollege Thomas Kaufmann vom SV Kulmain hat es in einem Vorbereitungsspiel schon einmal erlebt, dass ein gegnerischer Trainer mit Gelb verwarnt worden ist. "Im Anschluss war der Kollege selbst ruhiger, dann kamen die kritischen Stimmen allerdings von anderen auf der Bank." Kaufmann zählt sich selbst eher zu den "in der Regel ruhigeren Trainern", stört sich jedoch an der Auslegung, dass er der Leidtragende für Fehlverhalten anderer sein könnte. "Die Praxis wird zeigen, wie und ob die Trainer verwarnt werden und wie dann darauf reagiert wird." Christian Zechmann steht als Spielertrainer des Bezirksliga-Aufsteigers TSV Stulln zumeist selbst auf dem Platz, wenn ihn nicht – wie aktuell – eine Verletzung zum "Bankangestellten" macht. "Emotionen von außen gehören einfach dazu. Die Schiedsrichter sollten da schon mit dem nötigen Fingerspitzengefühl rangehen", hofft er. Wie es praktiziert werden könnte, erfuhr am Wochenende einer der prominentesten Vertreter der Trainerzunft. Pep Guardiola erhielt im englischen Supercup-Finale seines Clubs Manchester City gegen den FC Liverpool eine Gelbe Karte wegen zu energischer Reklamationen in Richtung des Schiedsrichters. Mal sehen, welchen Oberpfälzer Trainer es als ersten trifft.

Thomas Kaufmann, Trainer des Kulmain: "Die Praxis wird zeigen, wie und ob die Trainer verwarnt werden und wie dann darauf reagiert wird."

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