Acht Vorlagen hatte Michael Regush bereits gesammelt, nur die eigene Torbilanz stand nach sieben Saisonspielen noch bei null – das änderte sich am vergangenen Wochenende: Gegen Rosenheim traf der Center erstmals selbst, in Freiburg legte er zwei weitere Powerplay-Tore nach – und plötzlich sieht seine persönliche Statistik mit elf Punkten nach zehn Partien nicht nur deutlich kompletter aus, sondern steht auch beispielhaft für eine Weidener Offensive, bei der sich nach den ersten Wochen immer klarer zeigt, wie viele unterschiedliche Optionen Dave Matsos eigentlich zur Verfügung hat.
„In meiner Karriere war es oft so, dass ich meine Tore in Serien geschossen habe“, erklärt der Kanadier im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, der gleichzeitig betont, dass er sich mit Tempo, Rhythmus und den Eigenheiten der DEL2 von Woche zu Woche wohler fühlt. Dass ausgerechnet jetzt auch die Abschlüsse ins Tor fallen, dürfte dabei nicht nur mit zunehmender Eingewöhnung zu tun haben, sondern ebenso mit der Qualität seiner Nebenleute. Über Brayden Tracey und Jordan Knackstedt sagt Regush ziemlich offen: „Es ist relativ einfach zu treffen, wenn dich Brayden und Jordan mehrmals pro Spiel so bedienen.“
Lob für die Nebenleute
Ganz aus der Luft gegriffen ist diese Einschätzung nicht. Tracey besitzt die Fähigkeit, mit Scheibe Zeit zu gewinnen, obwohl eigentlich kaum Raum vorhanden ist, und erkennt Passfenster häufig einen Moment früher als der Gegenspieler. Regush spricht bei ihm von einer Kombination aus hohem technischen Niveau und „elite hockey IQ“, die dafür sorge, dass selbst schwierige Situationen gelegentlich beinahe unspektakulär aussehen. Knackstedt bringt einen anderen, aber mindestens ebenso wichtigen Teil ein: viel Erfahrung, Geduld im Scheibenbesitz und dieses Gespür dafür, wann eine defensive Box gerade einen Schritt zu weit auseinandergezogen wurde und sich eine Linie durch zwei Schläger hindurch öffnet.
Gerade im Powerplay war das zuletzt gut zu beobachten. Beim ersten Regush-Tor gegen Rosenheim liefen beide Assists über Knackstedt und Tracey, auch in Freiburg entstanden die beiden Überzahltreffer wieder aus sauber ausgespielten Sequenzen mit diesen Spielern als zentralen Figuren. Für Weiden ist diese Entwicklung auch deshalb interessant, weil die Offensive nicht ausschließlich an der ersten Formation hängt. Alex-Olivier Voyer produziert ebenfalls auf hohem Niveau, Charlie Jahnke bringt Geschwindigkeit, Forecheck und Zug zum Tor mit, während Maxim Golod seit seiner Ankunft bereits mehrfach gezeigt hat, dass er mit seiner Puckkontrolle und Kreativität eine weitere sehr gute Option für die Top Sechs sein kann. Dahinter bekommt ein Spieler wie Maximilian Brunner zunehmend Eiszeit und liefert genügend Aktionen, um Matsos weitere Argumente für zusätzliche Minuten zu geben.
Nicht mehr so abhängig
In den vergangenen Jahren war Weidens Offensivspiel stärker davon geprägt, dass eine Topformation einen sehr großen Teil der Produktion tragen musste. Das Duo Tomas Rubes und Tyler Ward ist dafür das naheliegendste Beispiel; beide kamen in der ersten DEL2-Saison auf jeweils 57 Hauptrundenpunkte und waren in vielen Spielen die erste Adresse, wenn aus wenig Raum etwas entstehen musste. Solche Unterschiedsspieler braucht Weiden auch heute, nur scheint die Last im aktuellen Kader etwas breiter verteilt zu sein.
Das nimmt Tracey, Regush und Knackstedt keineswegs aus der Verantwortung. Die erste Reihe soll gegnerische Top-Pairings beschäftigen, Zeit in der offensiven Zone erzeugen und im Powerplay den Unterschied machen. Nach zehn Spielen kommen die drei zusammen auf 34 Scorerpunkte, und gerade zuletzt sah man immer häufiger längere Sequenzen, in denen sie den Gegner tief hielten, Scheiben zurückeroberten und nicht sofort den ersten Abschluss nahmen, sondern auf die bessere Option warteten.
Verschiedene Varianten
Wie Matsos seine Reihen langfristig zusammensetzt, bleibt ohnehin interessant. Golod besitzt durchaus die Qualität, irgendwann weiter nach oben zu rutschen, zugleich gibt es momentan wenig Anlass, an einer Formation herumzuschrauben, die offensiv zunehmend funktioniert. Entscheidend ist ohnehin weniger, wer am Ende auf welchem Reihenblatt steht, sondern dass Weiden mehrere Kombinationen hat, die einem Gegner unterschiedliche Probleme stellen können.
Regush fasst den größeren Zusammenhang selbst ziemlich nüchtern zusammen: Seit Matsos zurück ist, gefalle ihm die Richtung, in die sich das Team entwickelt – gleichzeitig müsse die Mannschaft an ihrer Konstanz arbeiten und Woche für Woche kleine Details verbessern. Für die Offensive gilt dabei momentan vor allem eines: Sie ist noch nicht fertig, aber ihre Konturen sind inzwischen deutlich zu erkennen – und nach den ersten zehn Spielen spricht einiges dafür, dass die Blue Devils vorne mehr als nur eine funktionierende Lösung haben.























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