09.01.2019 - 15:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

"Minimum Halbfinale, vielleicht auch mehr"

Handball-Trainer Eichinger, Söllner und Rohrbach trauen Deutschland einiges zu - Fans aus der Region bei WM live in Berlin und München

Für Karl Söllner, Frauentrainer der HSG Nabburg/Schwarzenfeld sind die Franzosen der Favorit bei der WM.
von Armin Eger Kontakt Profil

Die Resonanz ist enorm. 500 000 Tickets sind bis jetzt schon verkauft, 800 000 sind angepeilt. Und wenn heute die deutsche Handballmannschaft in der Partie gegen Korea die Weltmeisterschaft eröffnet, fiebern auch die vielen Handballfans aus der Region mit.

"Wir drücken unseren Jungs die Daumen", sagt Thomas Eichinger, Frauen-Trainer der Bezirksliga-Mannschaft des HC Weiden. Gemeinsam geht das noch besser, dachte sich der Verein und hat am 17. Januar zum Public Viewing in das Weidener Jugendzentrum eingeladen. Im fünften Gruppenspiel geht es für das Team von Bundestrainer Christian Prokop ab 18 Uhr gegen Serbien. "Nachdem wir nach 2007 wieder eine Heim-WM haben, will eine Gruppe natürlich live dabeisein", sagt der 47-Jährige. Mit einem Bus starten am 12. Januar 50 Handballbegeisterte Richtung Berlin. Bei drei Spielen sind die Weidener in der Halle. Unter anderem schauen sie sich die Partie Deutschland gegen Brasilien an. "Wir haben die Tickets schon frühzeitig besorgt", erklärt Eichinger. "Zum Schnäppchenpreis von 24 Euro." Als Favoriten hat der HC-Trainer die Franzosen "auf dem Schirm". Den Deutschen traut er mindestens das Halbfinale zu. "Es kommt darauf an, wie sie ins Turnier starten und wenn das Glück mitspielt, ist vielleicht mehr drin."

"Ein toller Sport"

Als vor 12 Jahren Deutschland Weltmeister wurde, war das Interesse am Handball groß. "Wir hatten einen enormen Mitgliederzuwachs, viele Jugendliche kamen zum Ausprobieren zu uns." Eichinger hofft, dass es diesmal wieder so ist. "Handball ist einfach ein toller Sport. In 60 Minuten sehen die Zuschauer 60 bis 70 Tore", erklärt er euphorisch und hofft, dass die Begeisterung auch in der Bevölkerung groß ist.

Bis zum 27. Januar, dann ist das Endspiel im dänischen Herning, ist Karl Söllner öfters vor dem Fernseher anzutreffen. "Man kann sich da als Trainer einiges abschauen", sagt der Coach der Frauen der HSG Nabburg/Schwarzenfeld. Er rechnet aber nicht, dass die Deutschen bis ins Finale kommen. "Sie werden die Vorrunde überstehen und es ins Halbfinale schaffen", vermutet der 55-Jährige. "Man müsse sehen, wie die zusammengemischte Mannschaft und der neue Trainer zurechtkommen." Für Söllner sind die Franzosen ganz vorne dabei, vielleicht könnten auch die Norweger für eine Überraschung sorgen. Dänemark gehört für ihn noch zum erweiterten Favoritenkreis.

Auch eine Gruppe HSG-Spielerinnen nutzt die Möglichkeit, bei der Heim-WM live dabeizu sein. "Am 13. Januar fahren 12 Frauen nach München und sehen sich drei Spiele an", sagt Söllner. In der Olympiahalle treffen Mazedonien auf Bahrain, Kroatien auf Japan und Spanien auf Island. Auch die HSG hat sich die Karten schon vor Monaten besorgt. 81 Euro mussten sie für die drei Partien hinlegen. "Die Mädels wollen die Gelegenheit nutzen, wenn eine WM schon mal so nahe ist", sagt Söllner. "Das sind alles Vollbluthandballerinnen." Der 55-jährige hofft, dass die Euphorie so wie 2007 wieder auf die Bevölkerung und auf den Verein überschwappt. "Es entwickelt sich sicher wieder mehr Handballgeist. Die Aktiven sind stärker motiviert und es kommen sicher wieder einige Neue zu uns in den Verein."

Haus nicht dekoriert

Das Haus noch nicht mit Fähnchen dekoriert hat Christian Rohrbach, Interims-Trainer der Landesliga-Herren des HC Sulzbach und 1. Vorsitzender. "Es ist noch nicht der Überhype", gesteht der 49-Jährige. Aber das könne durchaus noch passieren, wenn das deutsche Team gut ins Turnier kommt. Auf jeden Fall wurde das Training in den nächsten Wochen so gelegt, dass alle Partien angeschaut werden können. Und wenn es für Deutschland am Dienstag, 15. Januar, gegen Frankreich geht, sitzen ein paar Dutzend Spieler gemeinsam in Schwandorf vor dem Fernseher. "Wir haben an diesem Tag ein Testspiel gegen die HSG Naabtal. Der Trainer hatte die Idee, dass wir danach alle zusammen die Partie ansehen. Ich freue mich sehr darauf."

Die "üblichen Verdächtigen" Dänemark, Frankreich, Spanien sind bei Rohrbach die Titel-Kandidaten. Auch Deutschland bringt er ins Gespräch. "2007 hat man gesehen, was bei einer Heim-WM möglich ist. Aber wir dürfen nicht tollpatschig in den wichtigen Partien die Punkte liegen lassen." Der 49-Jährige glaubt an die deutsche Mannschaft. "Wir haben gute Chancen, auch wenn der eine oder andere die Zusammenstellung des Kaders kritisiert. Aber der Bundestrainer wird sich seine Gedanken gemacht haben."

Zulauf nach jeder Handball-WM habe Rohrbach schon gemerkt. "Es war aber nicht so wie beim Tennis in den Zeiten von Boris Becker. Da wollte jeder Tennis spielen." Beim HC Sulzbach sei man insgesamt sowieso zufrieden. "Wir arbeiten gut mit den Schulen zusammen und haben eine gute Jugendarbeit." Sollte Deutschland den WM-Titel holen und sich der Überhype einstellen, dann hat Rohrbach aber auch nichts dagegen.

Thomas Eichinger, Trainer HC Weiden.
Christian Rohrbach, Trainer HC Sulzbach.
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