21.07.2021 - 16:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Oberpfälzer Ex-Olympioniken über die ersten Geisterspiele

Es waren die Höhepunkte ihrer sportlichen Karriere, Erlebnisse, die ihnen keiner nehmen kann. Petra Horneber, Bastian Steger und Philipp Wolf haben Olympia erlebt. Sie blicken zurück und erzählen, was die Tokio-Athleten verpassen werden.

Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Bastian Steger (von links), die Bronzemedaillengewinner im Tischtennis, winken 2016 ins Publikum. Die diesjährigen Medaillengewinner können sich das sparen. Es ist kein Publikum da.
von Josef Maier Kontakt Profil

Wen man da so alles in der Mensa trifft: "Auf einmal stand Usain Bolt neben mir." Bastian Steger vergewisserte sich nochmal. Ja, er war's. Der damals schnellste Mann der Welt stand brav in der Schlange am Büffet und schaufelte sich Essen auf den Teller. Das sind Erlebnisse, die auch zu Olympia gehören", sagt Tischtennisprofi Steger. Die ganze Sportwelt trifft sich bei Spaghetti, Schnitzel, Salat und Mineralwasser.

Der 40-Jährige aus Winklarn (Landkreis Amberg) nahm an drei Olympischen Spielen (2008 in Peking, 2012 in London und 2016 in Rio) teil. Und er weiß auch wie andere Ex-Olympioniken aus der Region, wie wichtig für einen nicht nur Ergebnisse und Zeiten sind, sondern auch das Erlebnis Olympia.

Bald raus aus dem Dorf

"Das sind alles immense Eindrücke, die man erst einmal verarbeiten muss", erklärt Steger und denkt da nur an eben diese Mensa im Olympischen Dorf von Rio de Janeiro: "Ich weiß nicht, wie viele Fußballfelder die groß war." Dieses Flair, diese besondere Atmosphäre, das alles werden die Olympiateilnehmer von Tokio nicht auskosten können. Corona hat die japanische Metropole immer noch im Griff. Erstmals gibt es olympische Geisterspiele, keine Zuschauer in den Stadien, strenge Hygieneregeln für Sportler und Funktionäre, die Kontakte sollen auf ein Minimum beschränkt werden. Tokio ist in den nächsten Wochen eine Welt voller Blasen. Es gibt zwar ein olympisches Dorf. Aber Abstand und Maske zu tragen sind hier das Wichtigste. Partyzonen gibt es ohnehin nicht. Und nach den Wettkämpfen gilt: Bitte bald wieder raus aus dem Dorf!

Bekannt aus der Bundesliga

"Es sind nun mal die speziellen Umstände, die man akzeptieren muss", aber Steger findet es trotzdem extrem schade: "Die meisten wollen doch gute Stimmung haben. " Mit seinen Tischtennis-Kollegen Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov, die wieder dabei sind und mit denen Steger 2012 und 2016 jeweils Bronze im Team-Wettbewerb gewann, habe er darüber gesprochen. Auch für sie sei es sicherlich ein ungutes Gefühl, wenngleich sie ja Spiele ohne Zuschauer schon aus der vergangenen Bundesliga-Saison kennen würden. Steger hat in diesem Jahr das Olympia-Ticket verpasst, für ihn spielt Patrick Franziska in Tokio.

Dieses Flair, die Stimmung, das ist auch das, was der Altenstädter Philipp Wolf in Rio vor fünf Jahren aufsog. Der lebenslustige Schwimmer genoss die zwei Wochen in vollen Zügen. Auch die Kulisse im Estádio Aquático Olímpico. Die Schwimmer, die jetzt in Tokio dabei sind, und von denen er noch einige kennt, bedauert er ein wenig: "Da hättest du einmal im Leben ein volles Stadion", sagt der 28-Jährige. Vor allem Sportarten wie Schwimmen, die bei anderen Titelkämpfen oft vor halbleeren Zuschauerrängen ihre Leistungen abliefern, hätten bei Olympia mal eine Plattform. Der Oberpfälzer, der nach Rio sein Studium intensivierte und jetzt als Bau-Ingenieur und Bauleiter in Ingolstadt arbeitet, weiß aber auch, dass sich die Sportler trotzdem voll motivieren können: "Es ist ja Olympia. Wenn es losgeht sind die Sportler in einem Tunnel." Was aber auch fehle, sei, auch mal andere Wettbewerbe zu besuchen, andere Sportler zu treffen. Corona erlaubt das nicht. Wolf, der 2016 in der Freistil-Staffel zum Einsatz kam, hatte nach wenigen Tagen schon sein letztes Rennen hinter sich. "Wir haben viel erlebt abseits der Schwimmbahn", blickt er begeistert zurück. Copacabana, die weltberühmte Christusstatue. "Wir haben uns Rio angeschaut." Dass er nach den Spielen in Brasilien nicht weitergemacht hat, bereut er nicht. Einige Zeit hatte er überlegt, ob er sich den Olympiazyklus noch einmal antun soll. "Aber das alles komplett abzuschließen, war schon das Richtige." Jetzt wäre es gar ein Fünf-Jahreszyklus gewesen - und dann hätte es nur sterile Spiele gegeben. "Nein, danke."

Als Petra Horneber Olympische Spiele genoss, war an Corona-Spiele nicht im entferntesten zu denken. Die Gewehrschützin aus Floß (Landkreis Neustadt/WN), deren Geburtsname Witzl ist, holte 1996 in Atlanta überraschend die Silbermedaille. "Den Athleten fehlt natürlich etwas", fühlt die 56-Jährige, die jetzt mit ihrer Familie im oberbayerischen Kranzberg wohnt, mit den Tokio-Athleten. Sie habe es genossen, Sportler anderer Nationen zu treffen, zu reden, zu lachen. In der Mensa seien alle zusammengekommen. "Ich habe mich dann immer auf den Stuhl gestellt, um zu schauen, wo meine Leute sind", erzählt sie. An der einheitlichen Kleidung habe man die Deutschen erkannt. Auch die Schützen bräuchten dieses besondere Flair, wenngleich ihr Sport ihnen absolute Konzentration abfordert. Da die Schützen meist zu Beginn der Spiele ihre Wettkämpfe absolvieren, hätte sie leider auch nicht an den Eröffnungsfeiern teilnehmen können. Nicht in Atlanta, und auch nicht vier Jahre später in Sydney. "Und bei der Schlussfeier auch nicht." In Australien hatte sie es besonders eilig heimzukommen. "Meine Tochter war damals erst zwei Jahre alt."

Es zählt nur der Sieg

Sie alle - Steger, Wolf und Horneber - werden so gut wie möglich die ersten Geisterspiele der olympischen Geschichte am Fernseher oder Computer verfolgen. Dass die Spiele stattfinden, damit können sich alle drei gut abfinden. Und für die Sportler ist dann eines am Ende doch am allerwichtigsten, wie Steger sagt: "Am Ende zählt nur der Erfolg, egal, ob Zuschauer da sind oder nicht."

Corinna Schwab und ihr Weg nach Tokio

Amberg
Hintergrund:

Daten und Erfolge

  • Petra Horneber (Schießsport) Geboren am 21. April 1965 in Floß (Landkreis Neustadt/WN); wohnt mit Mann und Tochter in Kranzberg (Landkreis Freising)
    1992 und 1993: Weltmeisterin Armbrust
    1994: Weltmeisterin KK-liegend
    1996: Olympische Sommerspiele in Atlanta, Silbermedaille Luftgewehr
    2000: Bronze EM Luftgewehr
    2001: Mannschaftseuropameisterin Luftgewehr
    2002: Weltmeisterin KK-Dreistellungsmatch mehrere deutsche Meistertitel
  • Bastian Steger (Tischtennis)
    Geboren am 19. März 1981 in Oberviechtach; wohnt mit seiner Frau in Düsseldorf
    2012 und 2016: Bronze mit dem Team bei Olympia in London und Rio; Ersatzmann Olympia 2008
    2006: WM-Bronze mit dem Team
    2007, 2008, 2009, 2011 und 2013: EM-Gold mit dem Team
    2012, 2013: Einzel: EM-Bronze
    mehrere deutsche Meistertitel
  • Philipp Wolf Schwimmen)
    Geboren am 15. August 1992 in Weiden; wohnt in Regensburg
    2010: Bronzemedaille bei der Jugend-EM in Helsinki
    2015: Platz 3 über die 100 Meter Freistil bei der Kurzbahn-EM in Israel (der ursprüngliche Dritte wurde wegen Dopings disqualifiziert)
    2016: Olympia in Rio, Platz 11 mit der deutschen 4x100-Meter-Freistilstaffel
Philipp Wolf (links) mit Kollegen der Schwimm-Nationalmannschaft 2016 auf der Christusstatue in Rio de Janeiro.
Petra Horneber 1996 mit ihrer Silbermedaille von Atlanta.

 

 

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