Reinhard Grindel musste nicht wegen des Präsents eines ukrainischen Oligarchen zurücktreten. Vielmehr war das 6000-Euro-Schmuckstück der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. In seiner dreijährigen Amtszeit war Grindel, der einst als kleinster gemeinsamer Nenner im Sturm des Sommermärchen-Skandals mangels Alternativen ins Amt gezwungen worden war, mehr Tollpatsch denn Vorsteher von über sieben Millionen DFB-Mitgliedern.
Sei es seine desaströse Rolle in der Causa Özil, sein wegen kritischer Katar-Fragen abgebrochenes Interview mit der Deutschen Welle oder sein Schlingerkurs im Zuge der Löw'schen Ausbootung des Bayern-Trios Hummels, Boateng und Müller: Grindel war ein Fettnäpfchen-Magnet. Auf dem Papier ist der Posten des DFB-Präsidenten ein Ehrenamt. Grindel ließ sich mit 170 000 Euro an jährlichem DFB-Salär - je zur Hälfte "Aufwandsentschädigung" und "Verdienstausfall" - fürstlich entlohnen. Hinzu kommen jährlich 500 000 Euro für diverse Pöstchen bei Fifa und Uefa - für die Teilnahme an einer Handvoll Sitzungen pro Jahr. Da fallen verschwiegene 72 000 Euro per annum als Aufsichtsrat einer DFB-Tochtergesellschaft und eine geschenkte Uhr doch nicht weiter ins Gewicht, oder?
Wer glaubt, dass es in der Post-Grindel-Ära besser wird, irrt gewaltig. Die nächsten machtgeilen und geldgierigen Landesfürsten strampeln längst nach oben in Richtung DFB. Und die werden sich beim Vollstopfen der eigenen Taschen gewiss nicht so grindelig-tollpatschig anstellen.





















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