"It ain't over 'til the fat lady sings" – dieses beliebte Zitat aus der Opern-Welt wird auch gerne im Sport verwendet, um auszudrücken, dass ein Spiel noch nicht entschieden ist, so lange es noch läuft. Damit passt es treffend zur Partie der Blue Devils Weiden in der DEL2 am Sonntagabend gegen die Dresdner Eislöwen. Bis zur 50. Spielminute führte der Aufsteiger gegen das Star-Ensemble aus Sachsen in der Hans-Schröpf-Arena mit 1:0, ehe die Dresdner "fat ladys" noch ihren Beitrag leisten wollten und das Resultat noch zugunsten der Gäste drehten.
Tariq Hammond, letztjähriger Leistungsträger des DEL-2-Meisters Eisbären Regensburg, markierte zunächst den Ausgleich. Dane Fox, langjähriger Spieler der Nürnberg Ice Tigers in der DEL, traf im Penaltyschießen entscheidend für Dresden. Dort zeigte sich für die Gäste auch Travis Turnbull, der in der DEL bereits für Düsseldorf, Ingolstadt, Straubing, Köln, Iserlohn und Schwenningen auf dem Eis stand, eiskalt. Über die Qualität derartiger Unterschiedsspieler (Fachsprache: "fat ladys") verfügt der Liga-Neuling selbstredend noch nicht.
"Wir haben gegen einen sehr starken Gegner sehr gut gespielt. Dresden ist eine absolute Top-Mannschaft", rühmte Weidens Trainer Sebastian Buchwieser die Qualität des Kontrahenten wie auch die Leistung des eigenen Teams in einem Satz. Die Gastgeber bewiesen gegen Dresden, dass sie auch "dreckig" spielen können, was in diesem Fall ausschließlich positiv assoziiert ist. Leidenschaftlicher Kampf, großes Laufpensum, intensive Checks, selbstloses Blocken gegnerischer Schüsse – die Blue Devils legten eine Spielweise an den Tag, die nach der anstehenden Länderspielpause ein erfolgversprechender Ansatz sein könnte.
Defensive Disziplin
Bis dato spielten die Weidener offensiv, frech, mutig nach vorne, kreierten viele Chancen, kassierten auf der anderen Seite aber oftmals viel zu billige, naive Gegentore. Das war gegen Dresden anders, wie auch Buchwieser anerkennend hervorhob: "Dass so eine starke Mannschaft wie Dresden nach einem Rückstand zurückkommt, war klar. Wir haben aber lange Zeit sehr gut verteidigt, was wir in manchen Spielen zuvor nicht so geschafft haben. Wir haben keine Konter hergeschenkt und im eigenen Drittel geduldig gespielt. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, wie sie gegen ein Top-Team alles reingeschmissen und defensive Disziplin an den Tag gelegt hat", rühmte der Devils-Coach den leidenschaftlichen Auftritt seiner Truppe.
Dieser wurde immerhin mit einem Punkt belohnt, was im Vorfeld wohl jeder akzeptiert hätte. Und doch gab es auch gegen Dresden die Phasen, in denen mehr möglich gewesen wäre. Über fünf Minuten hatten die Weidener im zweiten Drittel einen oder sogar zwei Spieler mehr auf dem Eis, doch – wieder einmal – brachte das Überzahlspiel keinen Ertrag, mitunter fanden die Blue Devils erst gar nicht in die Formation. In dieser Phase machen gestandene Zweitliga-Top-Teams mindestens einen Treffer. Das wäre das 2:0 gewesen und damit eine größere Herausforderung für die Dresdner "fat ladys".
Wölfl ein starker Rückhalt
Doch nach der Führung der Gastgeber durch Vladislav Filin war Dresden schon das dominantere Team, drängte vehement auf den Ausgleich – den oftmals auch ein überragender Marco Wölfl im Weidener Tor verhinderte. War es in der Anfangsphase der Saison zumeist so, dass die Goalies nicht unbedingt die siegbringende Position im Weidener Kader waren, musste Wölfl wegen des krankheitsbedingten Fehlens Daniel Allavena zuletzt vier Mal in Folge ran – mit stets ansteigender Formkurve.
"Ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass es einem Torhüter keine Sicherheit geben würde, wenn er mehrere Spiele in Folge absolvieren darf", sagte Wölfl im Interview mit Sportdeutschland.tv, nachdem er zum "Spieler des Tages" auf Weidener Seite gekürt worden war. Marco Wölfl war damit so etwas wie die "fat lady" aufseiten der Blue Devils, wenngleich seine Dresdner Pendants an diesem Sonntagabend noch etwas lauter gesungen haben.
Das war am Wochenende in der DEL2 los
- Zuschauer-Ansturm: 7319 Zuschauern strömten am Sonntag zum Top-Spiel der Krefeld Pinguine gegen die Kassel Huskies. Krefeld gewann mit 2:1 nach Verlängerung durch einen Treffer von Jon Matsumoto
- Selber Talfahrt: Die Selber Wölfe legten in Kassel und daheim gegen Kaufbeuren ein Null-Punkte- und Null-Tore-Wochenende hin. Nach der siebten Niederlage in Folge liegen die Oberfranken nur mehr einen Zähler vor den Blue Devils
- Freiburg-Klatsche: Der EHC Freiburg, am Freitag noch knapper 2:1-Sieger gegen den Blue Devils, kassierte am Sonntag in Weißwasser bei den Lausitzer Füchsen gleich sieben Gegentore. 7:4 siegten die Gastgeber, wobei sich die Tore auf sechs verschiedene Spieler verteilten
- Teufelskerl Fießinger: Daniel Fießinger, Torhüter beim ESV Kaufbeuren, trieb auch schon die Blue Devils mit unzähligen Paraden in den Wahnsinn. Beim 3:0-Sieg in Selb wehrte der Schlussmann alle 42 Torschüsse der Wölfe ab.


































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