15.06.2018 - 16:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

SpVgg SV als Full-Time-Job: Kaufmann zieht sich zurück

Nach drei Jahren hört Philipp Kaufmann als Sportvorstand bei der SpVgg SV Weiden auf. Der Geschäftsführer des City-Centers will seine Schwerpunkte anders legen. Verbunden bleiben wird er dem Verein aber allemal, wie er im Interview erklärt.

Nach drei Jahren als Sportvorstand bei der SpVgg SV Weiden verzichtet Philipp Kaufmann auf eine weitere Kandidatur.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

ONETZ: Herr Kaufmann, am 28. Juni hält die SpVgg SV Weiden ihre Generalversammlung mit Neuwahlen ab. Sie kandidieren nicht mehr. Wieso?

Philipp Kaufmann: Ich habe im Dezember 2017 diese Entscheidung für mich persönlich getroffen und habe das auch den Vorstandskollegen bereits im Januar mitgeteilt. Das ist mir nicht leicht gefallen, aber nach Abwägung meiner privaten und beruflichen Situation, bin ich zu dieser Entscheidung gelangt. Die Aufgabe gleicht einem Full-Time-Job und wenn du diesen nicht zu 100 Prozent ausfüllen kannst, ist das allen anderen gegenüber nicht fair.

ONETZ: Sie waren im Juli 2015 angetreten, um im Verein Ihre wirtschaftliche und organisatorische Kompetenz einzubringen, den Klub mittel- bis langfristig nach vorne zu bringen. Welche Bilanz ziehen Sie? Rein sportlich gesehen kann sie nicht unbedingt positiv ausfallen?

Philipp Kaufmann: Wir sind stabil, was die sportliche als auch wirtschaftliche Basis betrifft. Mit Michael Kurz und dem Club 2021 ist der fehlende Mosaikstein dazugekommen, den wir dringend gebraucht haben – leider ein gutes halbes Jahr zu spät, um die sportlichen Ziele zu realisieren. In der Öffentlichkeit zählt leider nur der Auftritt der ersten Mannschaft. Die Erfolge nach der Insolvenz wurden teuer erkauft und haben dafür gesorgt, dass wir in den letzten beiden Jahren jeweils gut 50 000 Euro weniger Etat zur Verfügung hatten, um einen ausgeglichenen Haushalt zu haben. Wenn man mit 40 Punkten aus der Bayernliga absteigen muss und nach dem dritten Relegationsspiel im Elfmeterschießen verliert und somit den Aufstieg verpasst, dann ist das mehr als bitter und dafür übernehme ich die Verantwortung.

ONETZ: Und die Vereinsstrukturen? Sind Sie zufrieden wie diese sich entwickelt haben? Ist eine professionellere Ausrichtung, wie von Ihnen beim Amtsantritt gefordert, aktuell überhaupt möglich?

Philipp Kaufmann: Wir haben im Verein eine Menge an kleinen und wichtigen Strukturen geändert, haben vieles auf mehrere Schultern verteilt, sind weg von der One-Man-Show der letzten Jahre. Als ich angefangen habe, bin ich ziemlich naiv an viele Dinge rangegangen. Ich bin ein offener und positiver Mensch und brauche Vertrauen. Ich habe zu spät kapiert, dass es im Umfeld und auch im Verein Menschen gibt, die nur darauf aus sind, den Verein schlecht zu reden und durch Unwahrheiten Unruhe von außen in den Verein zu bringen, um sich damit zu profilieren. Eine professionelle Ausrichtung im eigentlichen Sinn ist im Amateurbereich, wie wir ihn leben, nicht möglich. Du musst froh sein um jede Person, die sich ehrenamtlich zur Verfügung stellt.

ONETZ: Ein Wort zum Abstieg aus der Bayernliga. Woran lag’s letztlich, dass die Mannschaft in die Relegation musste und dort scheiterte? War der Kader tatsächlich zu dünn aufgestellt, wie Interimstrainer Florian Schrepel zuletzt bemängelte?

Philipp Kaufmann: Ich hatte vor der Saison als Ziel den Klassenerhalt ausgegeben. Uns war bewusst, dass der Kader in der Breite nicht stark genug war. Dafür brauchen wir keinen von Außen, der uns das erklärt. Das Geld, das durch die Gründung des Clubs 2021 im Winter für die tschechischen Spieler zur Verfügung stand, hätten wir zu Beginn der Saison gebraucht. Dann hätten wir drei, vier erfahrene deutsche Spieler geholt oder gehalten und dann wären wir im oberen Tabellenbereich gelandet. Die Vorgabe vom Vorstand war, dass wir nicht mehr als 450 Euro im Monat an die Spieler zahlen, mehr ist finanziell nicht möglich gewesen.

ONETZ: Zuschauer und Beobachter hatten nicht den Eindruck, dass die Mannschaft über die gesamte Saison an einem Strang zog und alles in die Waagschale warf. War das auch ihre Wahrnehmung?

Philipp Kaufmann: Diesen Eindruck teile ich zu 100 Prozent. Wir hatten Charaktere die grundsätzlich die Schuld an anderen Menschen und Dingen gesucht haben, anstatt bei sich selber anzufangen. Wenn es gut läuft, sind es die Spieler – und wenn es negativ läuft, der Vorstand und der Trainer. Die Ansprüche, die einige Spieler an den Verein und auch finanziell haben und was sie dafür anbieten, klaffen teilweise weit auseinander. Ich betone ausdrücklich, dass es nicht alle Spieler betrifft, aber einige wenige, die dann auch eine Stimmung in einer Mannschaft verändern können. Auch hier übernehme ich die Verantwortung, denn wir haben diese Spieler ausgesucht.

ONETZ: Die zweite Mannschaft hätte durch den möglichen Bezirksligaaufstieg den positiven Gegenpol zur Bayernliga-Pleite schaffen können. Wir bitter ist es für den Verein, dass die jungen Spieler trotz einer tollen Saison weiter Kreisliga spielen müssen?

Philipp Kaufmann: Vor zwei Jahren hat der Kaufmann den Verein noch kaputt gemacht, weil es keine zweite Mannschaft hätte geben können und jetzt reden wir über den verpassten Aufstieg im dritten Relegationsspiel nach Elfmeterschießen – nach einer überragenden Saison. Wenn es am Ende nicht reicht, ist das mehr als bitter, weil hier auch zusammen mit den Eltern der Spieler eine wunderbare Truppe entstanden ist und das eigentlich meine Vorstellung von Teamgeist und Zusammenhalt ist.

ONETZ: Die 0:2-Wertung gegen die SV Grafenwöhr, bedingt durch den Einsatz eines nichtberechtigten Spielers, hat der „Zweiten“ die Meisterschaft gekostet. Der Gang durch die Instanzen hat nicht gefruchtet. Hand aufs Herz: Wer trägt mehr Schuld – der Verband aufgrund einer ungenau formulierten Spielordnung oder zu sorglos agierende SpVgg-SV-Funktionäre?

Philipp Kaufmann: Mit ein paar Wochen Abstand gesehen: Wir haben bei dem Spiel ja auch drei tschechische Spieler aus der ersten Mannschaft eingesetzt und diese haben die beiden Tore erzielt. Es ist schwer zu beurteilen, ob wir das Spiel auch ohne sie gewonnen hätten, Grafenwöhr hat eine überragende Saison gespielt und ist verdient Meister geworden. Die beiden Kader wurden grundsätzlich vom Trainer aufgestellt. Wir haben vor dem Spiel noch den Spielleiter angerufen und gefragt, auch nach dem Spiel war alles okay. Ich würde mir wünschen, dass der Verband eine Anpassung bei der Spielordnung vornimmt und einen ergänzenden Satz aufnimmt, damit es auch klar und ohne Internetrecherche und Lehrgangsbesuche verständlich ist.

ONETZ: Trotz der sportlichen Rückschläge scheint die Bayernliga-Rückkehr nur über die eigene Nachwuchsarbeit zu gehen. Ist die Beförderung von A-Junioren-Trainer Andreas Scheler zum Chefcoach diesbezüglich einzuordnen?

Philipp Kaufmann: Ich habe ja schon bei der Bekanntgabe von Andreas als neuem Trainer von seiner positiven Art geschwärmt. Dieser Mensch ist ein positiv Verrückter, der immer 100 Prozent gibt. Zusammen mit Michael Kurz und Rainer Fachtan gibt das ein tolles neues Gespann. Andreas kennt die jungen und älteren Spieler, hat einige gute Kontakte zu anderen Vereinen und wird eine ehrgeizige und erfolgshungrige Mannschaft zusammenstellen, die am Anfang sicher noch Zeit braucht. Aber die werden alle bekommen, damit das Unternehmen erfolgreich werden kann. Die jungen Spieler müssen schnell lernen, aber auch mal akzeptieren, wenn sie vier, fünf Spiele nicht spielen.

ONETZ: Was spricht dafür, dass mit Scheler wieder mehr Kontinuität an der Seitenlinie einkehrt? In Ihrer Amtszeit drehte sich mit Florian Schrepel, Stefan Fink, Franz Koller und Tomas Galasek das Trainerkarussell in hohem Tempo?

Philipp Kaufmann: Sie haben den Interimstrainer Fachtan noch vergessen (lacht). Ich habe zu den drei Letztgenannten einen sauberen Kontakt. Wenn Sie sich erinnern, sind alle drei von sich aus gegangen. Das schlimmste für mich war, wie mit Tomas Galasek vonseiten mancher Spieler umgegangen wurde. Einen ehrlicheren und engagierteren Menschen habe ich selten erlebt. Er war zu nett zu den Spielern und manche sind ihm dann in den Rücken gefallen. Vielleicht hätten wir als Vorstand auch mal härter mit den Spielern umgehen müssen und an Galasek festhalten können, aber im Sport gibt es leider keinen Konjunktiv.

ONETZ: In den vergangenen 36 Monaten haben Sie immer wieder versucht, frischen Wind in den Verein reinzubringen, sind dabei aber auch mit einer forschen Art angeeckt. Die Folge waren Zerwürfnisse mit unter anderem Christian Stadler, Thomas Binner und zuletzt auch Florian Schrepel. War so manche personelle Querele unnötig?

Philipp Kaufmann: Die Frage suggeriert, dass ich daran alleine die Schuld trage – da gibt es unterschiedliche Auffassungen. Das mit Christian Stadler war insofern schade, weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir gegeneinander ausgespielt worden sind. Da sind Dinge passiert, die völlig überflüssig waren. Vielleicht kann man das irgendwann mal aus der Welt räumen. Wir haben sehr viele Dinge angestoßen, die mit vielen Menschen bewältigt wurden – der Oberpfalz-Medien-Cup oder das Trainingslager plus Spiel des 1. FC Nürnberg bei uns. Organisationen wie die Bananenflanker haben mit uns beziehungsweise mit mir problemlos zusammengearbeitet. Ich sehe das als ehrliches Arbeiten und respektvollen Umgang mit Menschen. Wer macht – macht Fehler.

ONETZ: Am 28. Juni treten nicht nur Sie ab, sondern auch Kurt Haas gibt den Stab als Vereinsvorsitzender an Michael Kurz weiter. Was trauen Sie dem neuen Vorsitzenden zu?

Philipp Kaufmann: Michael ist mit seiner positiven Art und Power genau der Mann, der Kurt Haas beerben kann. Er ist ein Macher und Antreiber, kann die von Kurt Haas geschaffene solide Basis ausbauen und erweitern. Er braucht aber auch Leute um sich, die Lust haben mit ihm den Weg zu gehen. Schade ist wirklich, dass er ein paar Wochen zu spät zum Verein gekommen ist und wir uns nicht früher kennenlernen durften. Das zwischen uns passt sehr gut. Ich wünsche ihm, dass er seine Power und Euphorie lange halten kann und den Verein wieder in die Erfolgsspur bringt.

ONETZ: Wie geht es mit Ihnen und der SpVgg SV weiter? Bleiben Sie auch ohne Amt dem Verein verbunden?

Philipp Kaufmann: Jetzt galt es erstmal, klare Verhältnisse zu schaffen. Und das bedeutet, dass ich keine Funktion mehr im Verein haben werde. Aber natürlich geht es in erster Linie immer auch um die Menschen, die man mag und mit denen man sich austauscht. Mein Sohn spielt im Verein und ich werde sicher bei dem einen oder anderen Turnier oder Event am Grill stehen.

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