Weiden in der Oberpfalz
13.01.2026 - 18:34 Uhr
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Tickets für Blue Devils werden teurer: Wirtschaftlich nachvollziehbar, aber strategisch unglücklich

Die Blue Devils Weiden und ihre amerikanische Investorengruppe "The Birch Group" schlagen Alarm: zu hohe Kosten, zu wenige Einnahmen. Die Erhöhung der Eintrittspreise wirft Fragen auf. Eine kommentierende Analyse von Fabian Leeb.

Der Besuch von Heimspielen der Blue Devils Weiden in der DEL2 wird ab Februar noch kostspieliger. Bild: Tobias Neubert
Der Besuch von Heimspielen der Blue Devils Weiden in der DEL2 wird ab Februar noch kostspieliger.

7 Euro mehr für einen Sitzplatz, 5 Euro mehr für einen „Steher“: Besucher von Heimspielen der Blue Devils Weiden müssen ab 1. Februar tiefer in die Tasche greifen. Der Eishockey-Zweitligist gab am Dienstag die Erhöhung der Ticketpreise bekannt: Ein Sitzplatz kostet bald 34 Euro (statt bisher 27), an der Abendkasse 35 Euro; für einen Stehplatz werden künftig 21 (Abendkasse 22) statt bislang 16 Euro fällig. Bisher hatten die Weidener die günstigsten Tickets der Liga, nun machen sie einen Sprung ins obere Drittel der Preis-Tabelle. Dauerkartenbesitzer sind von dieser Erhöhung ausgenommen, fällig wird der neue Preis in den noch ausstehenden 6 Heimspielen der Hauptrunde im Februar sowie in den anstehenden Play-offs oder Play-downs.

„Zur Kompensation der Preiserhöhung erhalten alle Käufer eines Tagestickets – sowohl im Vorverkauf als auch an der Abendkasse – einen Getränke-Voucher: Ein 0,5-Liter-Getränk kann kostenfrei auf 1 Liter aufgewertet werden“, hieß es in der Mitteilung weiter. So weit, so nett der kleine Bonus für Vieltrinker – hinter der Erhöhung steckt ein durchaus ernster Gedanke, der aber zugleich Fragen aufwirft.

„Ohne diese Maßnahme gibt es – sofern lokale Sponsoren und Unterstützer ihre Engagements nicht deutlich ausweiten – keine realistische Alternative, um den Fortbestand des professionellen Eishockeys langfristig in Weiden zu sichern.“ Rumms! Als Gründe für die Preiserhöhung führen die Blue Devils „massive Kostensteigerungen“ in den Bereichen Miete und Pacht, Betrieb sowie Personal und Investitionen in eine DEL2-konforme Infrastruktur (Flex-Bande, LED-Beleuchtung) an. Sehr vage kommen die weiteren Kostenfaktoren „behördliche und strukturelle Auflagen“ daher.

Seeger ist nicht Ziegler

Diese Argumente lassen zwei Schlüsse zu: Wer im Januar von „Kostenexplosionen“ überrascht wird und mit Preiserhöhungen gegensteuern muss, hat in der Kalkulation vor Saisonbeginn Fehler gemacht. Zumal sich der Zuschauerzuspruch und die Einnahmen aus dem Catering „sehr erfreulich“ entwickelten – zwei Wackel-Variablen jeder Kalkulation. Und zweitens verdeutlicht die Investorengruppe „The Birch Group“, dass es sich bei ihr nicht um einen Investor im klassischen Sinne handelt. Oder anders formuliert: Stephan Seeger ist nicht Stefan Ziegler.

Während Ziegler am Monatsende gerne mal einen Strich zog und das darunter aufgeführte Minus unbürokratisch ausglich, nimmt der neue Besitzer alle Sponsoren, Gönner und sonstigen Unterstützer in die Pflicht – und da gehören eben auch die Fans dazu. Das Birch-Credo lautet: Wir geben eine Summe X (die kein Ziegler-X ist), der Rest muss aus der Region kommen. Etwas ketzerisch übersetzt, steckt darin die Forderung: „Ihr wollt DEL-2-Eishockey in Weiden? Dann tut etwas dafür.“ Klar, bei einer Spielbetriebs-GmbH handelt es sich um ein Wirtschaftsunternehmen, das knallhart kalkulieren und auch wenig populäre Entscheidungen treffen muss. Dennoch befeuert diese Maßnahme etliche kritische Fragen.

Etwa diese nach dem unmittelbaren Effekt. Legt man den bisherigen Zuschauerschnitt von 2318 Besuchern zugrunde, zieht knapp 1250 Dauerkartenbesitzer und weitere Sponsorentickets ab, beläuft sich der Brutto-Mehrerlös in den 6 Hauptrundenspielen auf – grob geschätzt – knapp 34.000 Euro. Lösen alle Stadiongänger ihren Getränke-Gutschein ein, schrumpft diese Summe auf – wieder grob geschätzt – etwas mehr als 7500 Euro zusammen. Das ist bei einem Etat von kolportierten 3,5 bis 4 Millionen Euro nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Für die künftige Ausrichtung mag sich ein Effekt bemerkbar machen, kurzfristig tendiert er jedoch gegen null.

Weniger Fans, weniger Stimmung

Was zur Frage nach dem Zeitpunkt der Veröffentlichung führt: Eine Erhöhung mitten in der Saison wirkt stets mehr wie eine Notmaßnahme denn als strategische Anpassung. Dazu befinden sich die Blue Devils sportlich in einer sehr prekären Lage. In den vergangenen 13 Partien setzte es 11 Niederlagen. Die Qualifikation für die (Pre-)Play-offs ist zwar nach wie vor machbar und auch realistisch, aber dennoch zumindest gefährdet. Wer den Anhängern nun eine Ticketpreiserhöhung von bis zu 31 Prozent vor den Latz knallt, riskiert weniger Spontanbesucher. Vor allem für Familien wird der Stadionbesuch damit zu einem kostspieligen Ausflug, der gründlich überlegt sein will.

Weniger Zuschauer, weniger Stimmung, stattdessen unnötig heraufbeschworene Diskussionen fernab des sportlichen Geschehens – all das benötigt die Mannschaft von Trainer Sebastian Buchwieser gerade am allerwenigsten, wenn die Saisonziele erreicht werden sollen. Dabei haben die Blue Devils ohnehin schon den geringsten Zuschauerschnitt der ganzen Liga. Kein Wunder, hat die Hans-Schröpf-Arena mit 2560 Plätzen doch bekanntlich die geringste Kapazität aller deutschen Zweitliga-Stadien – dennoch war das Weidener Eisstadion bislang erst dreimal ausverkauft (gegen Regensburg, Kassel und Bietigheim). Die Preisanpassung bei den Tickets ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar, aber strategisch unglücklich. Sie löst das Grundproblem nicht: die strukturelle Begrenzung durch die kleine Arena und die dadurch limitierten Einnahmen.

Dabei ist die Ticketpreiserhöhung vielleicht sogar noch das kleinere Übel an Gegenmaßnahmen. In der Pressemitteilung versteckte sich noch dieser kleine Halbsatz: Die Mehrbelastung für die Fans war nur ein Schritt, „neben internen strukturellen Anpassungen zur Kostensenkung sowie personellen Veränderungen“. Trifft der Sparkurs also künftig auch Spieler, den Cheftrainer und sein Team oder den Sportlichen Leiter? „Wir verstehen das Interesse an der sportlichen Zukunft der Blue Devils Weiden. Dennoch bitten wir um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen zu Trainer-, Management- oder Vertragsfragen treffen“, hieß es dazu auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Die Verträge von Trainer Sebastian Buchwieser und etlichen Spielern laufen am Saisonende aus …

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