02.04.2020 - 15:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Triathletin Gomez-Islinger träumt weiter von Olympia

Keine Rennen, abgespecktes Training und nun ist auch noch der Traum von Olympia geplatzt. Zumindest vorerst. Denn so schnell lässt sich Marlene Gomez-Islinger nicht unterkriegen.

Triathletin Marlene Gomez-Islinger (hier beim Amberger Silvesterlauf) hatte an der Absage der Olympischen Spiele 2020 schwer zu knabbern. Nun will sich die Weidenerin 2021 für die Großveranstaltung in Japan qualifizieren.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Die Entscheidung kam nicht unerwartet, dennoch war es für Marlene Gomez-Islinger wie ein Schlag in die Magengrube. "Ich hatte einen richtigen Durchhänger", beschreibt die Triathletin aus Weiden ihre Gefühle, als vor gut einer Woche die Absage der Olympischen Spiele 2020 bekannt wurde. Die 26-Jährige fiel in ein tiefes Loch und geriet ins Grübeln. "Ich habe mich echt gefragt, für was ich überhaupt noch trainiere."

Zwei Tage lang hielten Niedergeschlagenheit und Trübsal an, dann gewann die Kämpfernatur bei der in Ulm lebenden Oberpfälzerin die Oberhand. "Es geht weiter. Die Verlegung der Spiele auf Sommer 2021 ist definitiv die richtige Entscheidung. Es kann sich aufgrund der vielen Einschränkungen ja kaum ein Sportler vernünftig vorbereiten." Da wegen der Coronakrise aktuell Dopingkontrollen weltweit hinten runterfallen, hätte sich Gomez-Islinger zudem "echte Sorgen" um faire Bedingungen gemacht: "Das Thema Doping hätte mir schon Bauchschmerzen bereitet."

Wie andere Sportarten auch hat der Triathlon unter vielen Absagen zu leiden. Deshalb war Gomez-Islinger Mitte März zum Saisoneinstieg extra nach Florida angereist. Dort wollte sie einen Weltcup und einen Kontinentalcup zur ersten Vorbereitung auf das ursprünglich für Mai angesetzte nationale Olympia-Ausscheidungsrennen nutzen. "Beide Termine in Florida wurden aber kurzfristig gestrichen."

Stattdessen absolvierte die Weidenerin vor Ort zehn intensive Trainingstage. Und sie erlebte dabei mit, wie das Coronavirus in den USA in den Brennpunkt rückte. "Wir wussten ja, dass bei uns zu Hause die Hütte schon richtig am Brennen war. Aber hier hatten die Studenten Spring Break und da war richtig was los an den Stränden." Kurz vor ihrer Abreise folgte die Kehrtwende mit dem behördlichen Verbot der ausschweifenden Partys. "Auch mit den Flugverbindungen wurde es schwierig. Wir waren am Ende froh, als wir heimfliegen konnten."

Seit eineinhalb Wochen ist Gomez-Islinger wieder zurück in Ulm. Hier muss sie sich mit dem arrangieren, was ihr die Ausgehbeschränkungen an Trainingsbetrieb ermöglichen. "Die Bäder sind gesperrt, Schwimmen kann ich aktuell überhaupt nicht. Das ist schon ein riesiges Handicap", berichtet die Profisportlerin. Da Fitnessstudios geschlossen sind, müssen zudem Alternativen für das Krafttraining her. "Ich benutze jetzt Zugbänder, um die Muskulatur zu kräftigen." Zum Glück sind das Rad- und Lauftraining nicht von den Auflagen betroffen. "Da haben wir es noch gut getroffen", sagt Gomez-Islinger. "In Spanien können sie ja nicht einmal aus dem Haus raus." Ein bisschen ärgert sie sich aber über den Wettbewerbsvorteil so mancher Konkurrenten: "Einige haben eine Ausnahmegenehmigung bekommen und dürfen in Schwimmhallen trainieren. Die Chance habe ich nicht. Das ist etwas unfair."

Wann sich die Triathleten wieder im Wettkampf messen können, steht in den Sternen. "Mindestens bis Juni kann man sich das abschminken", glaubt Gomez-Islinger. Sie hofft auf ein Ende der Leidenszeit im Hochsommer und auf "ein paar Bundesliga-Starts und internationale Rennen. Aber aktuell kann man nicht einschätzen, ob und wann es heuer noch klappt."

So richtig angreifen will die Weidenerin dann wieder im nächsten Jahr. "Mein Ziel bleiben auf jeden Fall die Olympischen Spiele." Allerdings rücken die sportlichen Ambitionen derzeit in den Hintergrund: "Es gibt Wichtigeres als den Sport", weiß Gomez-Islinger. "Der hat jetzt gesamtgesellschaftlich keine hohe Priorität."

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