Weiden in der Oberpfalz
24.07.2019 - 16:45 Uhr

Ein Typ wie Uli Hoeneß wird dem Fußball fehlen

Der streitbare Macher des FC Bayern München polarisiert wie kaum ein Zweiter im Fußballgeschäft. Seine oft gezielt provozierenden Auftritte waren und sind ein Gewinn für die gesamte Branche, kommentiert Sportredakteur Fabian Leeb.

Kommentar von Fabian Leeb
Uli Hoeneß (links) und sein designierter Nachfolger Herbert Hainer. Bild: agentur_dpa
Uli Hoeneß (links) und sein designierter Nachfolger Herbert Hainer.

Der FC Bayern ohne Uli Hoeneß: bislang völlig unvorstellbar. Stimmen die Informationen des Boulevards - und davon ist auszugehen - stehen die Münchener vor einer Zäsur historischen Ausmaßes. Statt der Platzhirsche Hoeneß/Rummenigge heißt das Führungsduo künftig Herbert Hainer und Oliver Kahn. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Eines aber ist sicher: Uli Hoeneß wird der Bundesliga und dem Fußball fehlen. Er polarisiert wie kein zweiter: Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Während die „Ulianer“ sein Lebenswerk würdigen, den FC Bayern in 40 Jahren zum deutschen Branchenprimus und einem europäischen Schwergewicht entwickelt zu haben, prangern die Gegner den arroganten, nervig provozierenden Steuersünder an. Hoeneß ist zweifelsfrei der Architekt des Bayern-Erfolgs, der Vater unzähliger Titel. Er hat mit der Steuerhinterziehung aber auch einen schweren Fehler begangen, für den er zurecht bestraft wurde, für den er gebüßt hat. Bei Uli Hoeneß gibt es keine gemäßigte Mitte, nur schwarz oder weiß. Seine „Abteilung Attacke“, sei es zu sportlichen, politischen oder gesellschaftlichen Themen, wird dem deutschen Fußball eine Menge an Attraktivität nehmen.

In Zeiten zumeist weichgespülter und beliebig austauschbarer Floskelsätze unmündiger Spieler oder Möchtegern-Manager waren Hoeneß-Interviews stets aus der Kategorie „klare Kante“. Quacksalberei, Rumgeeiere, Reden um den heißen Brei - all das überließ Hoeneß der jungen Garde des Fußballgeschäfts. Loderte auch nur ein klitzekleines Störfeuer im Umfeld der Mannschaft, das „seinen“ FC Bayern hätte stören können, zündete Hoeneß gezielt ein provokantes Ablenkungsmanöver in Richtung seiner Erzfeinde Willi Lemke, Christoph Daum oder die Münchener "Löwen" und erhielt prompt die ganze Aufmerksamkeit, all den Zorn der Gegner, all den Zuspruch der Anhänger. Mannschaft und Trainer konnten sich so gezielt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, während der Manager oder Präsident im Fokus der Berichterstattung stand. Für den Erfolg seines Vereins machte sich Hoeneß immer wieder zum nationalen Buhmann. So viel Leidenschaft, Leidensfähigkeit und Loyalität sind im heutigen Geschäft rar geworden. Uli Hoeneß wird sich auch künftig äußern, wenn es die Themenlage seiner Ansicht nach erfordert. Zu schwer wiegen seine Worte - dafür benötigt er kein Amt. Alles andere ist wirklich unvorstellbar.

 
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