31.01.2020 - 22:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Der unbekümmerte "Giovanni" - Weidener Wasserballtalent greift an

Mit 16 Jahren schon Stammspieler in der Bundesliga. Zudem schon mit Länderspielen dekoriert. Und doch setzt der junge Weidener Wasserballer Andreas Widiker ganz klare Prioritäten.

Andreas Widiker, genannt "Giovanni", ist eines der großen Talente bei den Weidener Wasserballern.
von Josef Maier Kontakt Profil

Ein paar Erinnerungsstücke gibt es noch: "Ein T-Shirt, eine Sporthose", zählt Andreas Widiker auf. "Und eine Badehose, die mir mittlerweile zu klein ist." Klar, die Badehose kommt nicht mehr zum Einsatz, "aber T-Shirt und Sporthose trage ich noch ab und an." Aber nie außer Haus: "Ich stolziere jetzt damit nicht rum", erzählt er grinsend.

Keine genaue Statistik

Stolz sein kann der 16-Jährige aber durchaus, denn das sind Klamotten, die er vom Deutschen Schwimmverband bekommen hat. Widiker ist der bisher letzte Nationalspieler der Weidener Wasserballer. Im Sommer 2018 war er für die deutsche U-15-Nationalmannschaft bei Turnieren in Montenegro und Serbien im Einsatz. Ein tolles Erlebnis, wobei ihm aber genaue Statistiken nicht so viel bedeuten: "Ich glaube, ich habe so acht oder neun Länderspiele gemacht." Der Weg des Weideners zu weiteren Auswahlteams war vorgezeichnet: "Aber vor gut einem Jahr wurde mir alles zu viel." Schulstress, kaum Kontakt mehr zu den Kumpels, eigentlich jeden Tag Training. Widiker bat den Verband, vorerst auf weitere Nominierungen zu verzichten. "Mittlerweile habe ich das ein bisschen bereut", sagt er jetzt. Vom Verband hat er seitdem nichts mehr gehört.

Regelmäßig treffsicher

Aber vielleicht werden Nationalteams bald wieder ein Thema. "Er ist bei uns mittlerweile Stammspieler", sagt SV-Trainer Thomas Aigner. Widiker, den sie alle nur "Giovanni" ("Den Spitznamen hat mir mal mein Jugendtrainer Gerhard Wodarz verpasst") rufen, steht meist in der Anfangs-Sieben. In der Bundesliga. Mit 16 Jahren. "Er hat zuletzt auch regelmäßig getroffen. Bei der Niederlage gegen den Spitzenreiter der Hauptrundengruppe B, die SGW Rhenania Köln, gar vier Mal. "Er ist sehr selbstbewusst", beschreibt Aigner eine Widiker-Tugend. Zudem sei er sehr wissbegierig: "Er verinnerlicht alles schnell."

Eventuell zu einem anderen Klub

Mit acht Jahren hat "Giovanni" mit dem Wasserball begonnen. "Ein paar Freunde haben mich mitgenommen." Die Freunde haben mittlerweile aufgehört, "Giovanni" hat weiter Riesenehrgeiz. "Ja", sagt er ganz bestimmt, "ich bin schon einer der Trainingsfleißigsten." Und Bundesliga zu spielen, sei für ihn eine "coole Erfahrung". Der Schüler der 10. Klasse an der Weidener FOS setzt aber auch klare Prioritäten. "Schule und später auch der Beruf gehen vor." Falls er mal studieren sollte, sei nicht ausgeschlossen, dass er Weiden verlasse und für einen anderen Bundesligaklub spiele.

"Mit dieser Gefahr, dass Spieler gehen, leben wir in Weiden immer", erklärt Trainer Aigner dazu. Noch ist es aber nicht soweit, noch ist Widiker beim SV im linken Rückraum gesetzt. Mit dem bisherigen Saisonverlauf ist er vor dem nächsten Heimspiel am Samstag (18 Uhr) gegen Poseidon Hamburg nur bedingt zufrieden: "Irgendetwas fehlt", sagt er. Die Weidener lassen vor allem zu viele Möglichkeiten aus.

Daran müssen sie alle im Team arbeiten. Die Jungen und die Älteren. Widiker mit seinen 16 Jahren und Andreas Jahn, der bald 38 Jahre alt wird. "Giovanni ist unbekümmert, macht sich keinen Kopf und hat einen scharfen Schuss", sagt der bundesligaerfahrene Oldie über den Jungen. "Aber manchmal will er mit dem Kopf durch die Wand und ist zu ballverliebt." Das große Talent wird die Anregungen annehmen. Bei einem werden die beiden aber wohl nie zusammenkommen. Wenn die Youngster bei Auswärtsfahrten im Kleinbus Hip-Hop oder Deutsch-Rap als Musik fordern, dann haben sie es bei Jahn, der meist am Steuer sitzt, eher schwer, wie der grinsend verrät: "Bei mir läuft Bayern 1."

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