Alexander Zverev greift bei den French Open nach dem größten Erfolg seiner Karriere. Der deutsche Tennisprofi steht nach einer starken Vorstellung im Viertelfinale gegen den Spanier Rafael Jodar im Halbfinale von Paris – bereits zum fünften Mal in seiner Karriere. Doch diesmal scheint der Traum vom ersten Grand-Slam-Titel für den 29-Jährigen greifbarer denn je.
Der Weltranglistendritte präsentierte sich im bisherigen Turnierverlauf souverän. Zudem sind zahlreiche Mitfavoriten bereits ausgeschieden. Novak Djokovic, Jannik Sinner und Taylor Fritz mussten früh die Segel streichen, andere Topspieler wie Carlos Alcaraz gingen verletzungsbedingt gar nicht erst an den Start. Im Halbfinale wartet am Freitagnachmittag nun der 20-jährige Tscheche Jakub Mensik.
Zverev als Favorit
Auch in der Oberpfälzer Tennisszene rechnen viele damit, dass Zverev diesmal den großen Coup landen kann. „Ich traue ihm den Titel zu, weil er eigentlich der Stärkste momentan ist von den Teilnehmern, die noch drin sind. Und er hat es jetzt auch einfach mal verdient“, sagt Thomas Kick, Vorsitzender des TC Kümmersbruck.
Ähnlich sieht es Alexander Grau, Mannschaftsführer beim TC Amberg am Schanzl. Wieso? „Weil er schon über die ganze Saison sehr gutes Tennis gezeigt hat. Er wirkt auch sehr ruhig und ein bisschen entspannter als in der Vergangenheit bei so einem Grand Slam“, sagt Grau.
Lehren aus der Vergangenheit
Dass Zverev bislang trotz dreier Grand-Slam-Finals noch keinen Major-Titel gewinnen konnte, hatte laut Grau vor allem mentale Gründe. „Sicher ist es eine Kopfsache bei ihm gewesen. Er hat sich früher immer ein bisschen selber Druck gemacht mit Aussagen vor Turnieren, dass für ihn nur der Titel zählt. Das hat er diesmal gar nicht gemacht.“
Auch Kick sieht einen entscheidenden Faktor im Mentalen. Gleichzeitig erkennt er aber auch eine spielerische Entwicklung beim Deutschen: „Seit ein paar Monaten spielt er aggressiver, steht mehr an der Linie, spielt variabler und aggressiver. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum er jetzt erfolgreicher ist als in der Vergangenheit.“
Fit und selbstbewusst
Der Weidener Ex-Profi Sebastian Jäger und Leiter der gleichnamigen Tennisschule sieht Zverev ebenfalls aktuell als Favoriten auf den Titel. Entscheidend sei dabei vor allem der bisherige Turnierverlauf. „In den letzten Grand Slams hat Zverev in der ersten Woche immer zu viele Körner gelassen. Diesmal ist es so, dass er mit Abstand am kürzesten auf dem Platz stand, topfit ist und unglaubliches Selbstvertrauen hat.“
Auch Tennislehrer Marcelo Matteucci aus Weiden weiß um die Stärke von Zverev. Er verfolgt die deutsche Nummer 1 bereits seit dessen Jugendjahren und steht regelmäßig mit Leuten aus seinem Team in Kontakt. „Ich freue mich natürlich und ich traue ihm alles zu, weil ich weiß, wie hart er schon seit so vielen Jahren arbeitet“, sagt Matteucci. „Er ist einer, der Tennis richtig lebt.“
Für Matteucci liegen die Gründe für Zverevs starke Form klar auf der Hand. „Seine Reife, seine Professionalität, vor allem seine Fitness und dass er seiner Linie sehr treu ist, machen ihn zum Favoriten“, erklärt der Tennislehrer. „Im Moment ist er in der Lage, alles zu geben und alles umzusetzen, was er draufhat.“
Neuer Tennis-Boom?
Für den deutschen Tennissport hätte ein Triumph von Zverev nach Ansicht der Experten auf jeden Fall eine weitreichende Bedeutung. „Deutschland wartet schon sehr lange wieder auf einen Grand-Slam-Titel im Herrenbereich. Es wäre für die ganze Tennis-Nation in Deutschland eine sehr coole Sache“, sagt Grau vom TC Amberg. Ein solcher Erfolg könne zudem wieder mehr Menschen für den Tennissport begeistern.
Ähnlich sieht es auch Ex-Profi Jäger. „Ich bin der Meinung, dass wir einen Grand-Slam-Sieger brauchen. Das ist genau das, was fehlt in Deutschland“, sagt Jäger. Ein Titelgewinn in Paris könne durchaus der Start eines neuen Tennis-Booms im Lande sein. „Aber nicht nur mit einem Sieg, da müsste er schon zwei oder drei gewinnen. Aber ich kann es mir nur positiv vorstellen für den deutschen Tennissport.“























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