14.06.2021 - 16:55 Uhr
WeiherhammerSport

Taktik-Tipps für Jogi Löw: Rittner setzt auf enge Räume

Vor den EM-Spielen der deutschen Nationalelf lassen wir Fußballtrainer aus der Region bezüglich Taktik und Aufstellung zu Wort kommen. Das erste Gruppenspiel gegen Frankreich nimmt sich Roland Rittner (SC Luhe-Wildenau) vor.

Trainer Roland Rittner.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Selbst ein erfahrener Trainer wie Roland Rittner lernt nie aus. Der Coach des Bezirksligisten SC Luhe-Wildenau schaut sich nicht nur fast jedes EM-Spiel im Fernsehen an, er legt sich dabei auch stets Block und Kugelschreiber zurecht. "Mich interessieren die taktischen Schachzüge. Wenn mir etwas Besonderes auffällt, mache ich mir dazu Notizen", sagt Rittner.

Viel niederzuschreiben gab es allerdings noch nicht anlässlich der Auftaktspiele. "Vom Niveau bin ich etwas enttäuscht", meint Rittner, der aber um die Anfangsschwierigkeiten bei einem solchen Turnier weiß: "Die Qualität wird besser, je länger das Ganze läuft." Auf einem seiner Zettel hat er seinen großen Turnierfavoriten notiert. "Natürlich kann es Überraschungen geben. England traue ich zum Beispiel viel zu. Aber mein Titelanwärter Nummer eins ist Frankreich."

Gegner Frankreich

Rittner gerät ins Schwärmen, wenn er über den Weltmeister und EM-Auftaktgegner der Deutschen spricht. "Mbappé, Kanté, Benzema, Coman. Das sind alles hervorragende Fußballer. Da hat jeder außergewöhnliche Qualitäten." Woher die besondere Klasse der Équipe Tricolore kommt, kann der Mann aus Weiherhammer auch erklären: "Die Franzosen haben im Nachwuchsbereich vieles richtig gemacht. Das wirkt sich seit Jahren brutal positiv auf deren Nationalelf aus." Wenn er eine Schwäche im französischen Spiel erkennt, dann ist es die Rückwärtsbewegung bei Ballverlust. "Da entstehen manchmal Lücken."

Deutscher Kader

Und was ist mit der DFB-Auswahl? Da ist Rittner unschlüssig. "Die Klatsche gegen Spanien oder die die Niederlage gegen Nordmazedonien kommen nicht von ungefähr", meint er. Das Können wäre zwar da, aber es fehle die Konstanz bei Spielern wie Timo Werner oder Leroy Sané. "Es reicht halt nicht, einmal gut zu spielen, um beim nächsten Mal abzutauchen." Dem Bundestrainer wirft er vor, "zu lange eine falsche Richtung eingeschlagen zu haben." Dass er bei Thomas Müller und Mats Hummel über seinen Schatten gesprungen sei, "war seine beste Entscheidung."

Taktik

"Gegen Frankreich darfst du dich nicht hinten reinstellen. Da spielen sie dich an die Wand", betont Rittner. Um dem spielstarken Kontrahenten beizukommen, seien alte Fußballtugenden gefragt. "Räume eng machen, Druck aufbauen, den Gegenspieler unablässig bearbeiten, kompakt nach hinten arbeiten", beschreibt er die Notwendigkeiten. Spielertypen wie Thomas Müller oder Joshua Kimmich seien ideal, um die Franzosen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Mir gefällt auch, wie ein Robin Gosens marschiert und beißt", sagt Rittner. Im Sturm könnte er sich Kevin Volland an der Seite von Serge Gnabry vorstellen: "Der macht überraschende Sachen." Wenig hält Rittner von Toni Kroos. "Nur Bälle verteilen ist zu wenig. Da fehlt die Geschwindigkeit, der Weg in den Strafraum."

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Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Roland Rittner

  • Trainer beim SC Luhe-Wildenau seit 2015. Die Rot-Schwarzen hatte er bereits in den Neunziger Jahren trainiert und zweimal in die Landesliga geführt.
  • Weitere Trainerstationen war unter anderem SV Sorghof, FC Schwandorf und TSV Pressath.

 

 

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