05.06.2019 - 20:50 Uhr
Deutschland und die WeltSport

Wiederwahl von Infantino: Der Fußball hat kapituliert

"Es kommt nichts besseres nach." Dieses Sprichwort bewahrheitet sich beim Fußball-Weltverband Fifa. Der wiedergewählte Boss Gianni Infantino ist noch gerissener als Sepp Blatter, meint unser Sportredakteur Josef Maier.

Gianni Infantino in seiner Lieblingspose.
von Josef Maier Kontakt Profil
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Humor hat Gianni Infantino, das muss man ihm lassen. "In den vergangenen drei Jahren und vier Monaten ist aus dieser vergifteten, fast kriminellen Organisation das geworden, was sie sein soll. Eine Organisation, die sich um Fußball kümmert." Diesen Satz muss man auf sich wirken lassen.

Jahrelang hofften die Fußballfans verzweifelt, dass Sepp Blatter endlich abdanken würde. Denn: Schlimmer geht's nimmer, dachten viele.

Doch, doch: Schlimmer geht immer. Ein kleiner Schweizer hat seit 2016 das Kommando in der Verbandszentrale in Zürich übernommen. Und dieser Gianni Infantino hat in den letzten Jahren seine Hausmacht so gesichert, dass ihm keine Gefahr mehr droht. Die Europäer, die Letzten, die sich gegen seine Verbandspolitik nach Gutsherrenart auflehnten, haben jetzt auch kapituliert. Deutsche, Briten und andere haben gegen die Übermacht der gefügig gemachten Verbände von Ozeanien bis Panama keine Chance. Zur Wahl braucht es mittlerweile nicht mal mehr Urnen. Per Applaus wird der Alleinherrscher gebeten weiterzumachen.

Transparenz gibt es ohnehin keine. Demokratische Züge sind in diesem Verband nicht einmal mehr in Spurenelementen vorhanden. Die Fifa ist ein komplett autokratisches Gebilde, es geht nur darum das so pralle Konto aufzufüllen: Katar ist das Mega-Beispiel. Sinnlose Wettbewerbe werden aufgebläht. Eine WM mit 64 Teams? Infantino könnte man das zutrauen. Der einzige Unterschied zwischen Blatter und seinem Nachfolger ist: Blatter war aufbrausend, polternd. Infantino ist da viel gerissener.

"Ich liebe dieses Spiel", lässt sich Infantino oft zitieren. Er liebt diesen Fußball ganz gewiss nicht - er benutzt ihn nur.

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