11.01.2019 - 11:26 Uhr
WinklarnSport

Stegers neues Zuhause

Den richtigen Kick für seine weitere Karriere holt er sich in der unterfränkischen Provinz. Die neue Umgebung soll Tischtennisprofi Bastian Steger bis in die Millionenmetropole Tokio führen - zu Olympia 2020.

Immer total konzentriert und fokussiert: Auch mit 37 Jahren hat Bastian Steger immer noch große Ziele. Deswegen wechselt er bald den Verein.
von Josef Maier Kontakt Profil

In den Prospekten wird mit Ruhe und Beschaulichkeit geworben. Von Erholung pur ist die Rede. Bad Königshofen, eine Kleinstadt zwischen den Naturparks Rhön und Thüringer Wald, am Fuße der Haßberge. Idylle pur. Doch es kann auch laut werden, richtig laut. Und es kann heiß werden, richtig heiß. "Die Atmosphäre hier war sehr gut, die hat mich richtig fasziniert", sagt Bastian Steger. Der Tischtennisprofi kennt die Sporthalle schon von Bundesligaspielen. "In der Jugend war ich auch irgendwann schon mal hier", erinnert er sich. Zu seiner Zeit beim TSV Kareth war das. Ab der kommenden Saison wird Steger regelmäßig hier spielen, für den Erstligisten TSV Bad Königshofen.

Laut Statistik zählt der Ort etwa 40 Kilometer nördlich von Schweinfurt knapp 7000 Einwohner. Was die Statistik nicht erzählt: Fast alle hier sind tischtennisverrückt im kleinsten Erstliga-Ort Deutschlands. Vor knapp zwei Jahren ist der Klub in die Bundesliga aufgestiegen, mit viel japanisch-ungarisch-kroatischer Hilfe wurde die Klasse gehalten. Auch in dieser Spielzeit läuft es gut. Bald gibt es ordentlich Verstärkung aus der Oberpfalz. "Ich habe erst einmal gedacht, dass es schwierig wird mit einem Wechsel", erinnert sich Steger daran, dass er zunächst nicht an die Möglichkeit glaubte, nach Unterfranken zu gehen. Aber die Bad Königshofener ließen nicht locker.

Seit knapp vier Jahren spielt der Tischtennisprofi aus Winklarn (Kreis Schwandorf) für Werder Bremen. Steger trainiert aber schon lange am TT-Bundesleistungszentrum in Düsseldorf. "Ich habe einfach eine neue Herausforderung gesucht", erklärt er seinen Vereinswechsel. Mit 37 Jahren orientiert sich der Oberpfälzer neu, auch um noch einmal das große Ziel - Olympia 2020 in Tokio - ins Visier zu nehmen. "Ich will nochmals alles probieren, um dabei zu sein." Es wäre Stegers dritte Olympia-Teilnahme nach 2012 in London und 2016 in Rio, wo er jeweils Bronze mit der deutschen Mannschaft holte. Drei Männer fahren nach Asien. Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov dürften gesetzt sein. Mit Patrick Franziska und Ruwen Filus hat Steger harte Konkurrenz. Jetzt freut er sich ab nächster Saison aber erst einmal auf Unterstützung aus Winklarn. "Nun können meine Eltern sicher öfter bei Bundesligaspielen vorbeischauen." Über Weihnachten war er ein paar Tage zu Hause. Tischtennis war auch da ein Thema. "Natürlich frage ich meinen Vater um Rat", erzählt Steger. Sein Vater Hans, erster Trainer und Förderer, dürfte ihn bei seiner neuen Ortswahl sicher unterstützt haben. Wie gut Steger, aktuell die Nummer 55 der Weltrangliste, immer noch ist, zeigte er erst vor einigen Tagen beim deutschen Pokal-Finalturnier in Neu-Ulm. Nach dem Halbfinalsieg gegen Grünwettersbach besiegte er im Finale sensationell den für Ochsenhausen spielenden Weltranglisten-Elften Jang Woojin aus Südkorea mit 3:2. Es war aber der einzige Punkt für die Bremer bei der 1:3-Finalniederlage.

Derzeit ist Steger bei einem Nationalmannschaftslehrgang in Düsseldorf. Dort will er sich schon mal für eine Nominierung für die WM Ende April in Budapest empfehlen. Mit dabei im Trainingslager ist auch sein künftiger Teamkollege in Bad Königshofen Kilian Ort. Der 22-jährige Unterfranke gilt als eines der größten deutschen Talente. Für Steger gibt es somit auch nach 20 Jahren Profitum noch Überraschendes. "Zwei Bayern in einer Bundesliga-Mannschaft, das hatte ich noch nie." Ort freut sich auf jeden Fall auf seinen neuen, erfahrenen Teamkollegen, wie er in der "Rhön- und Saalepost" verriet: "Ich denke, Bastian ist der beste Bayer, der je einen Tischtennisschläger in die Hand genommen hat."

Ich denke, Bastian ist der beste Bayer, der je einen Tischtennisschläger in die Hand genommen hat.

Kilian Ort, künftiger Teamkollege von Bastian Steger

Stegers neuer Verein: TSV Bad Königshofen:

„König Fußball“ hat in diesem Klub eine Nebenrolle. Die Kicker des TSV Bad Königshofen spielen in der Kreisliga Rhön. Strahlkraft bekommt der Verein durch seine Tischtennisspieler: Seit der Saison 2017/18 gehört der TSV der Bundesliga an.

Trainiert wird die Mannschaft von Koji Itagaki. Der zählt zu den renommiertesten Trainern im tischtennisverrückten Japan. Hauptsponsor des Bundesligisten ist ebenfalls ein Japaner: Akihiko Kotani. Der Geschäftsmann und Start-up-Unternehmer aus Tokio hat unter anderem eine App für Tischtennis-Begeisterte entwickelt, die er auch in Europa bekanntmachen will. Die Bad Königshofener waren ihm nach einer ersten Kontaktaufnahme vor einigen Jahren so sympathisch, dass er ihnen neben der finanziellen Unterstützung auch Trainer Itagaki schickte.

Seine Premieren-Saison in der ersten Liga schloss der TSV als Neunter ab. Derzeit belegt Bad Königshofen mit 20:16 Punkten Platz 8 in der Bundesligatabelle. Bastian Stegers aktueller Klub Werder Bremen liegt auf Platz 10.

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