19.11.2019 - 17:41 Uhr
WunsiedelSport

Simon Hüttel setzt zum nächsten Sprung an

Eric Frenzel als großes Vorbild, Johannes Rydzek als Vormieter in Oberstdorf: Der Nordische Kombinierer aus Wunsiedel begibt sich im zweitklassigen Continental-Cup auf die Spuren der ganz großen deutschen Athleten.

Simon Hüttel fühlte sich bisher auf der Schanze wohler als in der Loipe. Das soll sich in der kommenden Saison ändern.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Beginnt im Fichtelgebirge der Stern des nächsten Weltcup-Starters in der Nordischen Kombination zu leuchten? Im Schatten von Olympiasieger und Weltmeister Eric Frenzel sowie dem im Weltcup-Team arrivierten Terence Weber, die beide in Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN) heimisch geworden sind, reift mit Simon Hüttel ein vielversprechendes Talent heran. Der 20-jährige Wunsiedler, der für den WSV Weißenstadt startet und nach dem Abitur am Sportgymnasium in Berchtesgaden nun in Oberstdorf wohnt, ist in der kommenden Saison fixes Mitglied im Perspektivkader des Deutschen Skiverbands (DSV). Darüber gibt es nur noch den A-Kader mit Frenzel, Fabian Rießle, Johannes Rydzek und Co.. "Meine Ziele sind viele Top-Ten-Plätze im Continental-Cup sowie bei einigen Weltcups reinschnuppern zu dürfen", sagt der Sohn von DSV-Teammanager Horst Hüttel in Weißenstadt, wo der Youngster bei der Firma Pema seinen ersten persönlichen Sponsoringvertrag unterzeichnet hat. Es wird Hüttels Premieren-Saison bei den Senioren, doch bereits als Junior machte er auf sich aufmerksam.

So lief er in der letzten Saison im Continental-Cup im russischen Nischni Tagil auf Platz neun, feierte in Schonach sein Weltcup-Debüt und landete beim Sommer-Grand-Prix in Klingenthal im Massenstart auf Rang 29, was die ersten beiden Punkte im Konzert der ganz Großen bedeutete. Seinen bislang größten Erfolg bejubelte der Zoll-Beamte aber im Januar, als er in Lahti (Finnland) mit dem deutschen Team Junioren-Weltmeister wurde. "Ich bin zuversichtlich, ab Dezember ein ganzes Stück näher an die Besten heranrücken zu können. Bislang war das Springen meine Stärke, doch im Sommer habe ich hart dafür gearbeitet, mich auch im Langlaufen zu verbessern. Das schaut bislang gut aus", blickt der Oberfranke dem Auftakt-Wettkampf in Park City (USA) vom 10. bis 17. Dezember optimistisch entgegen. Und wenn er im Continental-Cup (20 Stationen in 10 Ländern) konstant in den Punkterängen landet, sind Nominierungen für den Weltcup-Kader die fast schon logische Folge. "Wir haben in dieser Saison zwei Heim-Weltcups in Oberstdorf im Januar und das Finale im März in Schonach. Da dürfen wir über die nationale Gruppe sowieso mehr Starter melden", macht auch Vater Horst Hüttel seinem Sprössling Hoffnungen. Dann dürfte Simon Hüttel mit seinem großen Vorbild gemeinsam um Weltcup-Punkte kämpfen. "Eric Frenzel ist ein Vorzeigeathlet, an dem ich mich als junger Kombinierer perfekt orientieren kann." Vor allem das Zeitmanagement des Wahl-Oberpfälzers beeindruckt Hüttel immer wieder aufs Neue. "Wenn ich mir manchmal schon denke, wie stressig das ständige Reisen und die Wettkämpfe sind, brauche ich nur auf Eric zu blicken. Er ist jung Vater geworden und hat inzwischen drei Kinder. Wie er das alles unter einen Hut bringt, und dazu ein absoluter Weltklasse-Athlet ist, da können wir junge Sportler uns schon gewaltig was abschauen."

In Oberstdorf hat Hüttel gerade erst die ehemalige Wohnung von Johannes Rydzek bezogen ("Das war großes Glück für mich, dass er sich mit seiner Frau was Größeres gesucht hat"), doch vor allem im Sommertraining möchte er die Vorzüge des Fichtelgebirges nicht missen. "Mit den Skirollern kann ich hier in alle Richtungen auf flachen Strecken super trainieren." Für sein langfristiges Ziel, ein etabliertes Mitglied im A-Kader zu werden, hat sich Hüttel zwar kein fixes Datum als Ziel gesetzt, doch insgeheim spekuliert der Blondschopf auf das "herausragende Wintersportereignis" (O-Ton Horst Hüttel) in Deutschland. "Natürlich wäre es ein Traum, sich für die WM 2021 in Oberstdorf zu qualifizieren. Aber ich glaube, die Tür zum A-Kader ist aktuell noch relativ zu." Dem stimmt Vater Horst Hüttel zu, der erst nach Olympia 2022 in Peking mit einem größeren Umbruch bei den Kombinieren rechnet. "Dann sind etwa Frenzel und Rydzek Mitte beziehungsweise Anfang 30 und normalerweise wird von Olympischen Spielen zu Olympischen Spielen in Vier-Jahres-Etappen geplant." Doch ohnehin müsse Hüttel junior sich "noch ein bissl in Geduld" üben, denn "Ausdauerathleten brauchen Kilometer. Und die kann ein 20-Jähriger noch gar nicht haben. Dafür kann er – anders als Schnellkraft-Athleten und Sprinter – dann bis Mitte 30 Höchstleistungen bringen", rechnet Hüttel senior vor.

Und wie fühlt sich das für den Athleten eigentlich an, wenn der Vater als Teammanager zu den Vorgesetzten gehört? "Das ist natürlich eine besondere Situation. Doch wir pflegen einen professionellen Umgang und das Thema wird intern ohnehin nur so groß, wie man das selber zulässt. Und mein Vater kann mir jetzt auch nicht alle Türen einfach öffnen. Springen und Langlaufen muss ich schon noch selbst", sagt Simon Hüttel. Vielmehr stehe für ihn die Arbeit mit Konstantin Kreiselmeyer als Chef- sowie Ex-Profi Björn Kircheisen als Co-Trainer des B-Kaders im Vordergrund. Damit auch in der Post-Frenzel-Ära wieder ein regionaler Stern am Kombinierer-Himmel leuchtet.

Simon Hüttel.
Hintergrund:

Eigenanteil von 3000 bis 5000 Euro nötig

Im Juniorenbereich werden die Athleten vom Hauptsponsor des Deutschen Ski-Verbands unterstützt. Mit dem Eintritt in den Seniorenbereich steht ihnen dann eine Fläche von 50 Quadratzentimetern auf Helm, Mütze und Stirnband zur freien Vermarktung zur Verfügung. "Das ist eine finanzielle Entlastung in Bezug auf Material, Trainingsgeräte oder Spritkosten bei Heimatbesuchen", erläutert Simon Hüttel. Zwar stelle der Verband ein gewisses Material-Kontingent zur Verfügung (etwa vier Sprunganzüge pro Sportler pro Jahr), das aber nicht ausreicht, um über eine gesamte Saison konkurrenzfähig zu bleiben. "Jeder weitere Anzug kostet zwischen 400 und 500 Euro, jedes weitere Paar Ski 500 bis 600 Euro. Da ist ein Eigeninvest von – vorsichtig geschätzt – 3000 bis 5000 Euro pro Jahr nötig, der nicht vom Verband gedeckt ist. Daher bin ich über die Unterstützung eines regionalen Unternehmens aus meiner Heimat dankbar."

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