29.04.2018 - 18:22 Uhr
ThansteinOberpfalz

Thansteiner Bürger sorgen sich um ihre Heimat Windprojekt mit Zündstoff

Windenergie verspricht Wertschöpfung. Verkaufen aber wollen die Bürger ihre Heimat nicht. Viele befürchten Beeinträchtigungen, und schon die Debatte birgt ein Risiko.

Gespannt verfolgen die Bürger die Ausführungen eines Juwi-Mitarbeiters über ein mögliches Windprojekt in der Gemeinde Thanstein. Bild: mnt
von Redaktion OnetzProfil

Rund 100 Interessierte hatten sich im Gasthaus Träxler eingefunden, um aus erster Hand von den Plänen für einen Windpark zu erfahren. Bürgermeister Walter Schauer erklärte, dass die Gemeinde seit über 15 Jahren versucht, Vorrangflächen für Windenergieanlagen auszuweisen. Im August entschied der Gemeinderat einstimmig, die Firma Juwi mit der Projektierung zu beauftragen. Jetzt wolle man auch die Bürger einbeziehen.

Die Moderation übernahm Gerhard Seidl von der Koiné GmbH, einer Agentur für Bürgerdialog, die spezialisiert ist auf Veranstaltungen mit Konfliktpotenzial. Dann hatte der Neunburger Bürgermeister Martin Birner das Wort. Er informierte über den Bau der Bürgerwindanlage in Penting, berichtete von aufgeschlossenen Bürgern, aber auch von Ausschüttungen, die hinter den Erwartungen zurückblieben.

Alexander Bromberger von der Firma Juwi präsentierte den aktuellen Planungsstand für Thanstein. Lediglich das Gebiet Thanstein-Süd sei geeignet sei. Man befinde sich in einem frühen Anfangsstadium und prüfe nun Artenschutz, Schall, Schatten, Landschaftsbild und Windaufkommen. Er zeigte ein Gebiet, wo zwei Windenergieanlagen umgesetzt werden könnten, die Nabenhöhe eines Windrades läge bei rund 160 Metern, die Höhe bei 250 Metern und die Leistung bei 5,5 Megawatt. Bromberger ging auch auf die Abstände ein: Berg und Hebersdorf wären 1100 Meter vom Standort entfernt, bei Thanstein wären es 1280 Meter. Der Schall liege unter den vorgeschriebenen Grenzwerten, beim Schattenwurf gebe es lediglich in Berg und Hebersdorf kritische Werte. Ein Abschaltmodul könne dem abhelfen. Zum Thema Infraschall (Schall unterhalb des normalen Hörbereichs des Menschen) verwies er auf den offiziellen Forschungsstand. Laut Gesetzgeber gebe es keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Bromberger erwähnte auch die Vorteile für die Gemeinde: Gewerbesteuer- und Pachteinnahmen, aber auch private Wertschöpfung über ein Bürgerprojekt. Sollte die Anlage realisiert werden, so sei nicht mit einem Start vor Mitte 2021 zu rechnen. Hans-Gerhard Pfänder von der Firma Juwi stellte ein mögliches "Bürgerwindmodell" vor, bei dem Bürger Miteigentümer an den Windrädern werden. Über eine Kommanditgesellschaft könne man dann "Aktionär" werden, Anteile gebe es in der Regel ab 5000 Euro.

Dann hatten die Bürger das Wort. Eine Bürgerin aus der Nähe von Oberviechtach hatte gesundheitliche Bedenken und warnte vor Schwindel, oder Druck auf den Ohren sowie baulichen Schäden durch Vibrationen. Bezüglich Finanzierung kam gleich mehrfach Kritik, die Leistung sei zu hoch angesetzt. Stellvertretend für den Schwarzwihrberg-Verein kritisierte ein Mitglied den Eingriff in ein Schutz- und Naherholungsgebiet, welches für Radfahrer oder Wanderer (Goldsteig) wichtig ist. "Wir dürfen nicht für Geld unsere Heimat verkaufen", so der Tenor.

Auf Nachfragen erklärten die Verantwortlichen, dass ein Rückbau bereits in der Projektsumme berücksichtigt sei. Kritik gab es auch an den Rodungen beim Erweitern der Forstwege auf 4,5 Meter. Ein ganz anderes Risiko führte ein Bürger ins Feld, der in einer benachbarten Gemeinde wohnt: So ein Vorhaben könne eine Dorfgemeinschaft regelrecht zu "zerstören". Bei Juwi gibt es aber auch positive Erfahrungen: "Wir erleben durchaus, dass ein gemeinsames Windprojekt in einer Gemeinde auch das Wir-Gefühl stärken kann, wenn möglichst viele Anwohner am Projekt beteiligt sind." Bürgermeister Schauer plädierte dafür, das weitere Vorgehen innerhalb des Gemeinderates reiflich zu überlegen: "Es soll keine Spaltungen der Dorfgemeinschaft geben." Gut kam der Vorschlag aus dem Publikum bei ihm an, eine Windkraftanlage in der Umgebung vor Ort zu begutachten.

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