11.06.2020 - 13:00 Uhr
OTon

Bergluft vs. Inselgrün

Maria Oberleitner hat in der Coronakrise ihre Liebe zum Bayerischen Wald wiederentdeckt. Die Bergwanderungen sollten als Entschädigung für einen ausgefallenen Irland-Urlaub dienen - waren dann aber wesentlich mehr als "nur" Ersatz.

Wanderer stehen auf dem Gipfel des 1266 Meter hohen Kleinen Ossers nahe dem oberpfälzischen Lam (Landkreis Cham).
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Seit gut einer Woche wäre der Urlaub jetzt vorbei. Keine endlos weiten grünen Hügellandschaften, kein Guinness zum „Seafood Showder“ im urigen Pub, kein die-Nase-in-den-Wind-halten, kein Spaziergang entlang der Steilklippen und keine Schafe, die die Straßen blockieren. Und vor allem leider kein aufs-Meer-starren, keine salzige Brise und keinen Sand zwischen den Zehen.

Fernweh hin oder her: Dass eine ausgefallene Irland-Reise gerade mein größtes Problem ist, ist purer Luxus. Vor allem, weil sich recht guter Ersatz finden ließ. Sie heißen Osser, Kaitersberg, Enzian, Rachel, Heugstatt und Falkenstein – und sind eigentlich keine Ersatzspieler. Der Blick ins Tal: umwerfend. Das Gefühl von Freiheit: unbezahlbar.

Nun ist es zugegebenermaßen nicht ganz fair, die Berge gegen das Meer auszuspielen – denn wer kann sich da schon für eine der beiden Seiten entscheiden – doch sind die Wanderungen durch den Bayerwald mehr als ein Trostpflaster für den ausgefallenen Urlaub.

Schon als kleines Mädchen war ich regelrecht vernarrt in die Berge. Es gibt Fotos, auf denen ich als Zweijährige tapfer auf den Osser marschiere. Auch wenn ich wohl den Großteil des Weges doch in der Kraxe gesessen haben werde – vielleicht kann der Berg ja unter „erste große Liebe“ verbucht werden. Denn der kleine Osser mit seiner weitläufigen Wiese ist immer noch einer meiner Lieblingsplätze.

Dass ich mit meiner „Wiederentdeckung der Heimat“ nicht alleine bin, zeigt sich auch im Gipfelbuch: Ich schließe mich also an – in Dankbarkeit, eine solche Schönheit wiederentdecken zu dürfen und im Versprechen, sie in den kommenden Urlaubsplänen nicht wieder zu vernachlässigen.

Guinness im Pub und Inselgrün sind deshalb nicht abgesagt – aber im kommenden Jahr riecht die Brise vom Meer sicher noch einen kleinen Tick salziger.

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet - was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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