12.09.2019 - 09:23 Uhr
OTon

Das Beste am Feste

Abtanzen, den Schwarm beobachten und bloß nichts verpassen: Feste und Feiern waren bis vor einigen Jahren noch ein Highlight, über das man wochenlang gesprochen hat. Jetzt muss ich sagen: Das Beste an den Feiern ist das Warm-up.

Ein Glas mit den Mädels trinken und dabei über Gott und die Welt plaudern. Die wenige Zeit, die ich mittlerweile mit meinen Freundinnen habe, genieße ich lieber im Stillen.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Bis noch vor einigen Jahren war das Weggehen am Wochenende - vor allem am Samstag - ein gesellschaftliches Ereignis, über das sich trefflich von Sonntag bis Mittwoch in der Mädelsrunde debattieren und analysieren ließ. Wer mit wem? Warum mit dem? Warum dort? Schon ab der Wochenmitte gab es dann Telefonrunden, in denen diskutiert wurde, welches Outfit wohl das passende für die nächste Feier wäre - und wer dort wohl auch zu erwarten wäre. So ging das Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Seit einiger Zeit sind die - sagen wir einmal gesellschaftlich relevanten - Feiern, Volksfeste und Partys immer weniger im Kalender geworden. Plötzlich kommt die Mädelsrunde nur noch einmal im Monat zusammen, manchmal dauert es sogar noch länger.

In meiner Heimat gibt es ein Fest, das stets am dritten Juliwochenende stattfindet. Das ganze Dorf kommt zusammen, man sieht Menschen, die man wirklich nur noch einmal im Jahr trifft. Tradition ist es für meine Mädels und mich, dass wir uns am Samstagabend bei meinen Eltern zu einem Glas verabreden. Das ist gefühlt schon immer so und änderte sich auch nach meinem Auszug nicht.

Vor zehn Jahren war es wirklich auch immer nur ein Glas. Es konnte gar nicht schnell genug auf die Piste gehen.

Seit vier Jahren werden es zwei, drei, vier Gläser. Jüngst saßen wir um Mitternacht immer noch auf der Terrasse. Dass wir danach wirklich noch (kurz) auf das Fest gegangen sind, war als Alibi zu verstehen. Schließlich hatten wir das ja zu Hause so angekündigt. Worauf wir uns früher wochenlang gefreut haben, ist zur Nebensache geworden. Denn was jetzt zählt, ist die Zeit mit lieben Menschen um sich. Völlig egal, welches Outfit sie tragen. Und völlig egal, was man irgendwo irgendwie vermeintlich verpassen könnte.

Oton:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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