17.01.2019 - 16:24 Uhr
OTon

Dating für Doofe

Die meisten Erwachsenen hatten oder haben Dates. Sonst gäbe es nicht so viele Paare. Schaut man sich die Dating-Sendungen im TV an, fragt man sich allerdings: Was zur Hölle läuft bei euch eigentlich schief?

Die Dating-Show "Naked Attraction" läuft auf RTL II.
von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

So schwer ist das nicht. Zwei Menschen treffen sich, verstehen sich, reden, lachen. Zum Abschied gibt's vielleicht ein Küsschen. Sie machen ein nächstes Date aus. Irgendwann sind sie ein Paar. Zack - gebongt. Nicht so im TV.

Da sind die Dating-Regeln andere. Und sie variieren von Show zu Show. Da gibt es vier Arten von Dates. Eine Analyse von "Take me out", "First Dates", "Naked Attraction" und "Love Island".

Das Peinliche

Ein Kerl lässt sich von 30 Single-Frauen bewerten. Gefällt er nicht, drückt die Dame den Buzzer. Welche Kriterien da an den Tag gelegt werden, ist zum Haareraufen. Alles begleitet von dümmlichem Gekicher und notgeilen Sprüchen. Das Niveau ist unterirdisch. Die Männer machen sich zum Horst. Idiotische Sprüche, Machogehabe und peinliche Hobbys sind harmlos. Schlimm wird es, wenn die Männer etwas "von sich zeigen" sollen – und sich einfach ausziehen. Wo bleibt da die Spannung fürs Date hinterher? Der Moderator hüpft rum wie das Rumpelstilzchen. Eigentlich ein Vorteil für die Typen. Die meisten versauen es trotzdem.

Das Knallharte

Eine normale Date-Situation: Zwei Menschen gehen zusammen essen. Im Restaurant eines Sternekochs. Beste Voraussetzungen. Die Blind Dates laufen meistens gut. Es entwickeln sich normale Gespräche, es wird gescherzt. Und dann kommt der Knaller. Hinterher müssen die Kandidaten der Kamera offenbaren: Wollen sie ein zweites Date oder nicht? Bei jedem zweiten Date denkt der Zuschauer: Jawoll, das lief gut. Die treffen sich nochmal. Und dann: Fehlanzeige. Ein Part sagt immer: Das Date war sehr angenehm, aber ich will kein zweites. Was? Wieso habt ihr dann geflirtet wie die Weltmeister? Versteht kein Mensch.

Das Verzweifelte

Date kann man das nicht nennen. Fleischbeschau trifft es eher. Sechs nackte Menschen stehen in einer blickdichten Röhre. Der Zuschauer und der Single (der angezogen ist) in der Mitte des Raums sehen zunächst nichts. Nach und nach hebt sich die Röhre – und entblößt alles. Ohne schwarzen Balken. In Großaufnahme. Zappt man beim Durchschalten zufällig auf den Kanal, bietet sich möglicherweise ein verstörendes Bild. Möchte man nicht sehen. Dabei weiß man als Zuschauer nicht, wen es in dieser Show härter trifft: Die Nackten, die sich bewerten lassen, oder den armen Angezogenen, der bewerten muss – und kein falsches Wort sagen darf. Puh.

Das Dramatische

Singles ziehen in eine luxuriöse Villa auf einer sonnigen Insel. Sie hüpfen den ganzen Tag leichtbekleidet voreinander rum. Mit Körperkontakt wird nicht gespart. Es gibt Tränen, Zickenkrieg und Eifersucht. Dabei muss der Zuschauer unbedingt jede Folge sehen, denn: Einmal verpasst, blickt man nie wieder durch. Pärchen-wechsel-dich im Schnelldurchgang. Wahre Liebe hat dabei noch keiner gefunden. Aber wenigstens wird ordentlich geflirtet. Drama, Baby!

Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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