31.10.2019 - 11:48 Uhr
OTon

Ehrenamt: Geht's mich was an?

Leben wir in einer egoistischen Gesellschaft? Ist es einfach schwieriger geworden, Zeit für Ehrenämter aufzubringen? Im OTon macht sich Miriam Wittich Gedanken, warum sich immer weniger Menschen in Vereinen oder Organisationen engagieren.

Kein Zeit, vor allem nicht regelmäßig: Unbezahltes Engagement in Sport- und Sozialvereinen, Parteien, Gewerkschaften oder bei der Feuerwehr gehört für immer weniger Menschen zum Alltag. Aber wie sähe unser Leben ohne engagierte Ehrenamtliche aus?
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Wer hat es als Kind nicht getan? Im Sportverein Fußball gespielt? Bei der Blasmusik ein Instrument gelernt? Von der Wasserwacht das Schwimmen beigebracht bekommen? Das Ferienprogramm einer Partei besucht? Bei der Jugendfeuerwehr Abzeichen abgelegt? Mit der Landjugend Ausflüge unternommen?

Und dann werden wir erwachsen. Arbeit, Familie, Freunde, Freizeit und Sport unter einen Hut bringen? Puh ...

Wir hetzen von Termin zu Termin. Zeit ist Mangelware. Die wohlüberlegt verwendet – oder eben auch gespart – wird.

Wer engagiert sich da nebenbei noch ehrenamtlich? Unentgeltlich? Ist überhaupt Mitglied in einem Verein – und sieht sich selbst dort nicht nur als „Kunden“, sondern macht auch wirklich mit? Bringt sich ein?

Sportvereine suchen verzweifelt nach Betreuern und Trainern. Keiner will sich mehr in den Vorstand des Schützenvereins wählen lassen. Und wenn es nachts um 3 Uhr im Nachbarort brennt? Was geht mich das an?!

Bis es die eigene Bude ist, die in Flammen steht. Bis das Kind jede Woche mehrmals 20 Kilometer zum Handballtraining gefahren werden will, weil‘s im eigenen Ort keine Mannschaft mehr gibt. Bis es in den Ferien keine kostenlosen – oder günstigen – Betreuungsangebote mehr gibt. Bis ich selbst alt und allein im Heim sitze.

Aber sind wir wirklich alle Egoisten? Bestimmt nicht. Sehen sich immer weniger Menschen in der Verantwortung, sich für die Gesellschaft einzubringen? Womöglich ja. Vielleicht liegt das größere Problem aber auch an anderer Stelle. Die Art zu arbeiten, leben und wirtschaften hat sich verändert. Jeder steht unter Druck, soll immer flexibel, verfügbar sein. Dann auch noch ehrenamtlich Aufgaben übernehmen, die Kontinuität erfordern? Regelmäßig und zuverlässig da sein müssen? Die knappe Freizeit opfern? Es gehört schon was dazu, sich an ein Amt zu binden. Völlig klar. Wer sich dem nicht gewachsen sieht, muss das natürlich nicht tun.

Aber vielleicht doch ab und zu „Ja“ sagen. Sich nicht lange bitten und betteln lassen. Nicht genervt sein, wenn die vom Verein mal wieder Leute suchen, die Kuchen backen. Sie nicht ignorieren.

Oder einfach den blöden Spruch verkneifen, wenn der Eintritt zum Eishockeyspiel einen Euro teurer geworden ist. Nicht genervt die Augen verdrehen, wenn es in der Schlange am Getränkestand nicht schnell genug voran geht. Die Feuerwehrleute, die nach einem Unfall die Straße sperren, nicht verteufeln, sondern dankbar für ihren Einsatz sein. Ein nettes Wort für den übrig haben, der jedes Wochenende wieder am Spielfeldrand steht und die Bratwürste grillt.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.