13.02.2020 - 17:18 Uhr
OTon

Einfach weniger Katzenvideos

Facebook hat mich als aktiven Nutzer verloren, sagt Matthias Schecklmann. Dennoch zögert er seinen Account einfach zu löschen. Warum das so ist und was Tiervideos damit zu tun haben, erklärt er im OTon.

Auch Facebook ist überschwemmt von Katzenvideos.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Facebook - die Online-Müllhalde unserer Generation. Vollgestopft mit Werbung, Katzenbildern und vermeintlich lustigen Videos. Persönlich nutze ich die Plattform seit 2016 nicht mehr aktiv und spiele immer wieder mit dem Gedanken meinen Account zu löschen. Einziges sinnvolles Feature sind für mich inzwischen die Erinnerungen an Geburtstage von Freunden. Die könnte ich mir aber auch in mein Smartphone speichern oder sogar ganz altmodisch in den Kalender an der Wand eintragen. Habe ich aber bisher nicht getan.

Es wirkt ein wenig so, als würde ich unterbewusst einen Grund suchen, meinen Account nicht zu löschen. Wenn ich meine letzten Posts anschaue, wird deutlich, dass ich kein aktiver Nutzer mehr bin: Juli, September, Oktober, Januar - jeweils ein Post. Ab und zu verlinke ich jemanden, Likes verteile ich kaum mehr. Kein Wunder, schließlich werden mir zu 80 Prozent nur noch Werbung und Tiervideos angezeigt.

Zudem ist mir der Umgangston in den Kommentarspalten zu roh geworden. Vernünftige Diskussionen sind die Ausnahme. Alles schlägt sofort ins Extreme aus. Als politisch Interessierter habe ich oft dementsprechende Posts oder verlinkte Artikel und auch die Kommentare dazu gelesen. Facebook war mein Newsfeed. Mache ich inzwischen nicht mehr, da mir zu viele unreflektierte Kommentare verfasst werden, die durch ihre extreme Ausdrucksweise nur versuchen eine genauso extreme Antwort zu erzwingen. Jetzt lese ich lieber wieder Zeitungen, online und analog. Zwischen all den Videos, in denen sich Katzen vor Gurken erschrecken oder Kleinkinder auf eine Zitrone beißen, hat mich Facebook verloren.

Dann lösch' doch deinen Account, du Schlaumeier! - Stimmt, das könnte ich machen, aber ich zögere. Vielleicht, weil ich das ursprüngliche Konzept von Facebook gut fand, und hoffe, dass es irgendwann wieder so werden könnte. Früher war es fast eine Sucht täglich den Facebook-Feed zu checken. Heute nutze ich andere Netzwerke, bei denen ich die Informationen besser filtern kann. Das bedeutet nicht, sich in eine Blase zu begeben, in der nur Personen sind, die meine Meinung teilen, sondern einfach dahin, wo es weniger Katzenvideos gibt.

Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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