Das Konzert ist aus. Anstatt ihren Pfandbecher am Getränkestand abzugeben, werfen viele Besucher ihn in eine große Tonne – und tun damit Gutes. Die Tonne mit der hellleuchtenden Lichterkette gehört zum Stand von Viva con Agua. Das Ziel des Vereins: „Jeder Mensch weltweit soll Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen haben“, sagt Lisa Bregler. Die 24-jährige Erbendorferin (Kreis Tirschenreuth) ist Gründungsmitglied der Bayreuther Untergruppe des Hauptvereins „Viva con Agua St. Pauli“.
Die Becher aus der Tonne sollen zur Erfüllung dieser Vision beitragen. Mit dem Pfandgeld, das Bregler und ihr Team für die Becher erhalten, unterstützt Viva con Agua den Bau von Brunnen und andere Projekte in Ländern der Dritten Welt. Dabei kooperiert der Verein mit der Welthungerhilfe. Deren Mitarbeiter bauen unter anderem in Äthiopien oder Nepal Brunnen, zeigen den Leuten dort, wie sie diese erhalten können, und führen Hygieneschulungen durch.
Kein Personal vor Ort
Viva con Agua selbst hat durch die Kooperation kein Personal in diesen Ländern. „Das hat den Vorteil, dass wir keine eigenen Leute bezahlen müssen“, sagt Bregler. Beim Bayreuther Team gibt es aber Überlegungen, sich die Projekte vor Ort anzusehen. „Aber das ist natürlich auch immer eine finanzielle Sache“, sagt Bregler.
Zwölf Mitglieder umfasst die Bayreuther Gruppe mittlerweile, einen Großteil hat Bregler aus ihrem Freundeskreis rekrutiert. Gemeinsam fahren die jungen Menschen auf Konzerte und Festivals, um dort auf die Trinkwasserproblematik aufmerksam zu machen. Die Gruppe hat sich 2018 gegründet und will die Region rund um Weiden, Amberg und Bayreuth abdecken. Die nächsten Ortsgruppen von Viva con Agua gibt es in Regensburg und Bamberg.
Positive Reaktionen
Grundsätzlich versucht Viva con Agua Bayreuth auf möglichst vielen Events vertreten zu sein. „Eigentlich sind alle Veranstaltungen, die mit Musik, Kunst oder Sport zu tun haben, etwas für uns“, sagt Bregler. Auch habe die Gruppe bisher nur gute Erfahrungen mit Veranstaltern gemacht. Sie reagieren meist positiv auf Anfragen. „Am Anfang mussten wir viel erklären, mittlerweile wissen aber immer mehr Leute Bescheid, was Viva con Agua ist“, sagt Jana Häckl – die 22-Jährige stammt ebenfalls aus Erbendorf.
Besonders freut es Lisa Bregler, Jana Häckl und das restliche Team, wenn Veranstalter von sich aus auf die Viva-con-Agua-Crew zugehen. Ende August zum Beispiel findet „VivaConTechno“ in Reuth bei Erbendorf statt. Der Erlös der Veranstaltung kommt Viva con Agua zu gute. „Die Initiative ging vom gastgebenden DJ aus“, berichtet Bregler. „Er wollte uns unterstützen.“ Im Gegenzug hilft die Crew zum Beispiel an der Bar mit.
Bewusstsein schärfen
Ein großes Anliegen ist es den Mitgliedern von Viva con Agua auch, dass in der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür entsteht, wie viel Wasser eigentlich wirklich verbraucht wird. Allein für die Herstellung einer Jeans werden mehrere tausend Liter Wasser benötigt. Gleiches gilt für die Produktion eines Kilos Rindfleisch. Man spricht hier vom virtuellen Wasserverbrauch: Der Menge Wasser, die zur Herstellung eines Produkts gebraucht wird. Durch den Konsum dieser Produkte verbraucht der Mensch also viel mehr Wasser, als ihm vielleicht bewusst ist. Breglers Tipp, um den eigenen virtuellen Wasserverbrauch zu senken: „Kleidung auf dem Flohmarkt oder im Second-Hand-Laden kaufen oder verkaufen.“
Die Leute, die mit dem Team von Viva con Agua ins Gespräch kommen, sind für solche Hinweise und Tipps aber meist offen, erzählen Bregler und Häckl. Probleme gibt es selten, sagt Bregler. Ab und an komme der Kommentar „Das Geld wäre auch hier gut investiert“, aber „wir versuchen dann eben, den Leuten die Situation zu erklären“. Häckl berichtet von Kritik aus dem privaten Umfeld. „Ihr sammelt Pfand. Das ist asozial“, sei ein Satz, der oftmals fällt. Auch sie versucht dann, mit diesen Leuten zu reden, um ihnen die Ziele von Viva con Agua zu erläutern.
Was passiert mit den Spenden?
Besonders häufig muss das Viva-con-Agua-Team die Frage beantworten, was mit dem gespendeten Geld passiert. „80 Prozent gehen direkt in die Projekte, 20 Prozent in Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit“, erklärt Bregler. Bei den Projekten handelt es sich sowohl um solche im Ausland – wie eben Brunnenbau und Hygieneschulungen – als auch im Inland. „Wir besuchen zum Beispiel Schulen oder Kindergärten und halten dort Workshops ab“, erläutert Häckl. Bregler sagt aber auch: „Uns geht es primär nicht ums Geld, sondern darum, ein Bewusstsein zu schaffen, dass Wasser nicht selbstverständlich ist.“
Viva con Agua Bayreuth besteht aktuell aus zwölf aktiven Mitgliedern. Neben den verschiedenen Aktionen auf Veranstaltungen, trifft sich das Team einmal im Monat entweder in Bayreuth oder Erbendorf. „Wer will, kann vorbeikommen, man muss sich nicht einschreiben oder so“, sagt Lisa Bregler. Jeder könne so viel Zeit investieren, wie er will und kann.
Der Verein Viva con Agua de Sankt Pauli ist seit 2006 ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Er setzt sich dafür ein, dass Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.
Durch verschiedene Aktionen generieren die Mitglieder des Vereins und seiner Untergruppen Spenden, die dann in sogenannte WASH-Projekte fließen. WASH steht dabei für Wasser, Sanitär und Hygiene. Damit sollen die Lebensumstände von Menschen auf der ganzen Welt – zum Beispiel in Äthiopien, Uganda, Tansania oder Mosambik – langfristig verbessert werden.
Mittlerweile besteht das Netzwerk von Viva con Agua aus mehr als 10 000 ehrenamtlichen Helfern sowie eingetragenen Vereinen in der Schweiz, Österreich und den Niederlanden. Zudem gibt es in zahlreichen deutschen Städten eigene ehrenamtliche Gruppen.













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