31.08.2018 - 10:43 Uhr
OTon

Die fabelhafte Welt der Fantasie

Mal wieder so richtig entspannen. Mal wieder ein gutes Buch lesen. Mal wieder der Fantasie freien Lauf lassen. Unserer Autorin fehlt dazu oft die Zeit.

Manchmal ist es wichtig, sich zu einer Auszeit zu zwingen - und ein Buch zu lesen.
von Mona-Isabelle Peter Kontakt Profil

Ich wäre gerne mal wieder so richtig losgelöst und faul. In letzter Zeit habe ich oft das Gefühl, ich lebe nur noch vor mich hin, funktioniere. Wie eine Maschine. Morgens zur Arbeit, abends nach Haus: Abendessen mit Brot, Wurst und Käse, Nachrichten, eine seichte Komödie im Fernsehen – nur den Kopf nicht mehr zu sehr anstrengen. Und dann ab ins Bett. Denn um halb sechs klingelt der Wecker. An den Wochenenden erwarten mich die Wäsche, die gewaschen und die Wohnung, die geputzt werden will. Dazwischen stehen Theaterproben oder Tanzstunden an. Familie und Freunde wollen auch nicht zu kurz kommen. Selbst gemachter Freizeitstress. Zum Abschalten bleibt keine Zeit. Nicht einmal für ein gutes Buch.

Ich habe früher gerne gelesen. Abitur, Studium und Beruf raubten mir nach und nach immer mehr meiner Zeit. Doch meine Regale sind zum Bersten gefüllt – mit dünnen Taschenbüchern und dicken Wälzern. Nicht einmal die Hälfte von ihnen habe ich wirklich gelesen. Das ärgert mich. Denn ich liebe Bücher. Wie sie sich anfühlen, wie sie riechen, was für eine Ruhe sie ausstrahlen. Selbst der Blick auf diese überladenen Fächer mit allen den beschriebenen Seiten lässt mich kurzzeitig durchatmen. Wie sie dort stehen, ziehen mich die Bücher magisch an. Als wollten sie mir zurufen: „Komm mit uns, folge uns in eine fremde Welt, an einen anderen Ort, in vergangene Zeiten. Lerne neue Menschen kennen. Träume dich weg von hier und vergiss für einen Augenblick all die Probleme um dich herum.“

Wie wäre es, wenn ich wirklich hineingezogen würde in eine Geschichte? So wie Bastian Baltasar Bux in „Die unendliche Geschichte“. Dann könnte ich auch auf Fuchur, dem Glücksdrachen, durch die Wolken fliegen, mit Atréju durch die Steppen von Phantásien reiten, der Kindlichen Kaiserin einen neuen Namen geben. Als Kind war das irgendwie einfacher. Aber meine Muse hat mich scheinbar verlassen. Wer weiß, ob sie jemals wieder zu mir zurückkehrt. Oder ist sie bereits vollständig vom Nichts zerstört wie Phantásien? Brauche auch ich einen Bastian Baltasar Bux, der mich aus dem Alltagstrott herauszieht. Der mich dazu zwingt, mich zu entspannen und mich wieder auf diese magischen Momente einzulassen.

Oder genügt es, wenn ich mich einmal zu einer Auszeit zwinge, mir den Luxus der Ruhe gönne? Dass ich nicht abends auf der Couch das Handy zücke, um „Candy Crush Saga“ zu spielen, oder mir zum 100. Mal „Titanic“ ansehe. Stattdessen sollte ich lieber wieder den Rufen aus dem Regal nachgehen – und ein Buch lesen.

Info:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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