28.03.2019 - 13:56 Uhr
OTon

Gefangen im Farbkreis

Ein neues Auto soll her. Das Unwichtigste: die Farbe. Meint zumindest unsere Autorin. Im neuen OTon beschreibt Mona-Isabelle Aurand, wie sie beim Autokauf in einen Teufelskreis gerät.

Die meisten neuen Autos in Deutschland sind grau, schwarz oder weiß. Sehr zum Leidwesen unserer Autorin.
von Mona-Isabelle Peter Kontakt Profil

Die Autofarbe ist so ziemlich die unwichtigste Sache der Welt. Dennoch: Wer sich ein neues Auto kaufen möchte, muss sich zwangsläufig auch für eine Farbe entscheiden. Im ersten Moment scheint das eine sehr einfache Aufgabe zu sein. Der Blick auf die Straßen verrät: Mehr als jedes zweite Auto ist grau, silbern, weiß oder schwarz. Nur vereinzelt begegnen einem rote, blaue, grüne, orange, gelbe Lackierungen in unterschiedlichen Schattierungen. Der typische deutsche Autofahrer fristet sein Leben in dezenter Tarnung.

Wenn es nach meinem Mann gehen würde, würde auch er bei einem neuen Auto am liebsten in einem tristen Stahlgrau durch die Gegend fahren. Für mich eine furchtbare Vorstellung. Ich möchte viel mehr Farbtupfer auf deutschen Straßen sehen. Also legte ich mein Veto ein. Schließlich wollte ich, wenn ich schon bei der Ausstattung nicht mitreden durfte, wenigstens die Farbe des neuen Wagens mitbestimmen.

Leider gar nicht so einfach. Dem gewillten Autokäufer stehen gefühlt unzählige Farbvarianten zur Wahl, denen die Hersteller noch dazu sehr phantasievolle Namen verpasst haben: Black-Magic, Candy-White, Iridium-Silber, Sonoma-Grün, Dragonskin-Gold, Race-Blau und wie sie alle heißen. Natürlich gibt es nicht jede Farbe bei jeder Marke – geschweige denn für jedes Modell. Wer sich also auf einen bestimmten Autotyp eingeschossen hat, muss bei der Farbe Kompromisse eingehen.

Für den gewünschten Skoda meines Mannes schränkte sich die Auswahl auf zehn Farben ein. Die monotonen Tarnfarben hatte ich kategorisch ausgeschlossen. Blau lehnte mein Mann ab. Da waren‘s nur noch drei. Zunächst sah es so aus, als würden wir uns schnell einigen: ein kräftiges Metallic-Rot. Schnittig. Sportlich. Ferrari-like. Dachte ich – bis ich es zum ersten Mal an einem Fahrzeug gesehen hatte.

Mit Rallye-Grün meinte ich, die perfekte Farbe für unser Auto gefunden zu haben. Ich wollte mal etwas wagen und mich nicht spießig dem gesellschaftlichen Gruppenzwang ergeben. Meinen Mann musste ich mühevoll von dieser Idee überzeugen. Als mir das gelungen war, hatte ich mich allerdings an dem stechenden, ätzenden Apfelgrün bereits sattgesehen. Also doch das sportliche Ferrari-Metallic-Rot? Gemeinsam mit „Moon-Weiß“ ist es wieder im Rennen. Seit wir mit der Autokonfigurierung angefangen haben, sind zwei Monate vergangen …

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.