19.07.2019 - 14:12 Uhr
OTon

Von Heim- und Fernweh

Als Kind plagte unsere Kollegin fürchterliches Heimweh. Im neuen OTon schreibt Miriam Wittich, warum damit nicht nur sie selbst zu kämpfen hatte.

Wandern in den Bergen, Städtereisen oder Strandurlaub - unsere Autorin ist gerne unterwegs. Doch das war nicht immer so.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Oh, wie hat sie mich als Kind gequält. Diese Sehnsucht. Die Sehnsucht nach dem eigenen Bett, nach meiner vertrauten Umgebung. Die Sehnsucht nach meinen Eltern – und wenn die dabei waren, auf Reisen zum Beispiel, dann eben nach meiner Oma, meinem Kater. Oder nach meinem großen Bruder, der schon zu cool war für Urlaub mit der Familie. Die Sehnsucht nach Zuhause. Ich hatte so so fürchterliches Heimweh. Immer.

Egal, ob ich bei meiner Cousine in Regensburg übernachtete oder bei einer Freundin, die sogar in der gleichen Straße wohnte. Nur fünf Häuser weiter.

Vierte Klasse, zwei Wochen Schullandheim. „Wer denkt sich so etwas Grausames aus“, fragte ich mich. Meinen Eltern verkündete ich schon Tage vorher unter Tränen: „Da fahr ich nicht mit!“ – „Musst du nicht“, hieß es zur Beruhigung. Musste ich aber natürlich trotzdem. Zum Glück! Nach zweimal in den Schlaf weinen und einmal daheim anrufen und sagen, dass ich ganz krank bin (so fühlte es sich ja wirklich an), war es dann nämlich doch sehr lustig.

Grausamkeit warf ich auch meinen Eltern vor. Im Urlaub in Kanada. „Wenn ich mal groß bin“, schimpfte ich damals, „dann bin ich nicht so gemein und zwinge meine Kinder dazu, in den Urlaub zu fahren.“ Nun ja, jetzt bin ich groß. Und ich fahre sehr gerne weg. Gerade plane ich mit einer Freundin die nächste Reise – nach Kanada. Dieses Lachen konnte mein Papa sich nicht verkneifen.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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