04.10.2019 - 09:15 Uhr
OTon

Ein klarer Schnitt

Manchmal ist es besser, eine Freundschaft zu beenden. Im neuen OTon geht es um einen solchen Fall.

von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

„Soll ich die Freundschaft zu Sabine aufrecht erhalten, obwohl sie mir nicht gut tut?“ Das ist die Frage, die sich eine Freundin von mir – nennen wir sie Laura – stellt. Diese Freundschaft ist geprägt von Eifersucht und Vorwürfen. Sabine – auch sie heißt im echten Leben anders – fühlt sich schlecht behandelt und ist eifersüchtig auf das, was Laura hat. Dass Laura sich das alles hart erarbeitet hat, bei ihr auch nicht immer alles super ist, sieht Sabine nicht. Laura kann es ihr nicht recht machen. Egal, was sie tut, es ist falsch.

Laura hat mehrmals versucht mit Sabine zu reden, versucht ihr zu helfen. Aber die Situation wird nur schlimmer. Laura will Sabine nicht im Stich lassen. Sie weiß aber auch, dass es so nicht weitergehen kann. Sie leidet unter der Situation. Hat ein schlechtes Gewissen, wenn sie Spaß hat, sich mit Freunden trifft. Aber soll Laura den Kontakt wirklich abbrechen? Keine Rücksicht mehr nehmen?

Ich sage ja – aus Erfahrung. Ich hatte so eine Freundin. Sie selbst hat sich nie gemeldet und mich regelmäßig versetzt. Gleichzeitig war sie immer die erste, die erfahren hat, wenn ich in meiner Heimatstadt war. Vor einigen Jahren hat sie dann angefangen, vor sehr engen Freunden von mir zu lästern: Ich würde mich nie melden, würde nur noch was mit meinen neuen Freunden machen. Während einem dieser Gespräche lag ich krank daheim auf der Couch. Vermutlich niemand wäre an diesem Abend lieber Feiern gegangen als ich. Sie wusste das auch.

Diese Aktion hat für mich das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich habe beschlossen, mich nicht mehr zu melden – mir aber auch vorgenommen, zu reagieren, falls von ihr etwas kommt. Tja. Seitdem haben wir keinen Kontakt mehr.

Am Anfang war es komisch. Natürlich gab es Momente, in denen mir diese Freundin gefehlt hat. Aber grundsätzlich ging es mir mit dieser Entscheidung besser. Also warum seine Zeit mit Menschen verbringen, die einem nicht gut tun. Die selbst kein bisschen in die Freundschaft investieren? Natürlich klingt das erstmal hart. Und natürlich sollte man eine Freundschaft nicht sofort aufgeben. Aber am Ende geht es doch auch darum, wie es einem selbst geht.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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