23.01.2020 - 20:43 Uhr
OTon

Kompliziertes Erwachsensein

Wird es, wenn man älter wird auch schwieriger Freundschaften zu pflegen. Mit der Verantwortung für das eigene Leben geht ein Stück weit die Spontanität verloren, meint Eva-Maria Hinterberger.

Mit dem Alter wächst die Verantwortung. Wird des dadurch schwieriger, Freunde zu treffen?
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Es gibt Momente, in denen hasse ich das Erwachsensein - und das, obwohl ich es genieße, für mich selbst verantwortlich zu sein. So schön es ist, selbstständig über mein Leben bestimmen zu können, so beschissen ist es manchmal, doch nicht einfach das machen zu können, was ich eben will.

Früher hieß „Ciao“: „Bis morgen in der Schule, selbe Zeit, selber Ort. Alles easy.“ Es war klar, dass wir uns maximal in 24 Stunden wieder sehen. Heute heißt „Ciao“ oft: „Bis in einem Jahr.“ Meine Freunde sind in ganz Deutschland verstreut. Wir müssen ein Treffen Monate vorausplanen. Züge und Flüge buchen. Einfach schwänzen ist nicht drin. Der Job ist uns wichtig. Urlaubspläne müssen nicht nur untereinander, sondern auch mit Kollegen abgestimmt werden. Nur damit es dann nach ein paar Tagen Zusammmensein wieder heißt: „Ciao - bis in einem Jahr.“

Und selbst, wenn wir nur ein paar Kilometer auseinander wohnen, heißt „Ciao“ oft „bis irgendwann“. Wir brauchen einen Termin, an dem keiner arbeiten muss. Selbst an freien Tagen wird es kompliziert. Schließlich muss der Kühlschrank gefüllt und die Wäsche gemacht werden. Denn wir wollen am nächsten Tag weder hungrig noch nackt das Haus verlassen. Es gibt täglich viel zu tun. Dazu kommen Arzttermine oder Sportkurse. Aus dem „irgendwann“ wird aus Pflichtbewusstsein oder Bequemlichkeit schnell auch ein Jahr.

Natürlich ist es heute einfacher, Freundschaften auch über weite Entfernungen zu pflegen. Whatsapp und Facetime sei Dank. Aber das ist einfach nicht das gleiche. Es gibt Momente, in denen ich diesen einen Menschen bei mir haben möchte. Spontan. Nicht erst nachdem ich das Treffen Wochen voraus geplant habe und durch die halbe Welt getuckert bin. Es gibt Gespräche, die ich nicht am Telefon führen möchte - oder per Whatsapp zwischen zwei Terminen. Weil ich meinem Gegenüber in die Augen schauen will - oder einfach nur in den Arm genommen werden möchte. Das sind Momente, die lassen sich nicht planen. Das sind Momente, in denen ich manchmal einfach gerne ein paar Jahre jünger wäre - und ohne auf Verpflichtungen zu achten alles stehen und liegen lassen kann.

Info:

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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