06.02.2020 - 12:46 Uhr
OTon

Liebe geht durch den Magen

Mit roten Rosen zum Valentinstag kann Kathrin Moch nicht viel anfangen - dafür umso mehr mit einer Pizza als Geschenk. Doch bei einer Tour durch den Supermarkt wird sie von der Valentinstags-Invasion überrollt.

Der 14. Februar, Valentinstag. OTon-Kolumnistin Kathrin findet: Liebe geht vor allem durch den Magen.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Es ist Samstag, 17 Uhr. Mein Bauch knurrt, als ich auf der Suche nach etwas Essbarem durch einen Supermarkt schlendere. Die Ruhe ist trügerisch, irgendetwas ist anders heute. Im Hintergrund dröhnt Whitney Houston mit „I will always love you“ aus den Lautsprechern. Es dauert einen Moment, bis ich aus meinem Wochenend-Modus erwache und es bemerke. Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Sie hat begonnen. Die Valentinstags-Invasion. Herzchen. Rosen. Rot. Schleifen. Schokolade. Sie. Sind. Überall.

Mir wird schwindelig, ich laufe schneller und stehe plötzlich vor dem Drogerieregal. Ich entdecke eine Zahnpasta. Nein, genauer gesagt, sind es zwei Zahnpastas in einer Packung. Mit kleinen roten Herzchen darin. Interessant, denke ich, so ein Hinweis zu mehr gemeinsamer Zahnpflege ist doch sicher das ideale Valentinsgeschenk. Ich habe die Befürchtung, dass das nur die Spitze des Eisberges ist. Ich behalte Recht. Ein paar Schritte weiter sehe ich Klopapier mit Herzchen und „liebevollem Duft“. Wie zum Henker riecht „liebevoll“? Trotz meiner Neugier das herauszufinden, lasse ich das Klopapier liegen und schweife mit meinen Gedanken ab. Muss wohl am Unterzucker liegen.

Der 14. Februar: Für manche der Gipfel der Romantik, empfinden ihn andere als unnötige Qual, die dem Kapitalismus entspringt. Ich würde mich wohl der goldenen Mitte zuordnen. Überteuerte Rosen müssen es für mich an diesem Tag nicht sein – kann man die 7,50 Euro doch so viel sinnvoller in eine Pizza Prosciutto investieren – aber die Idee eines „Feiertags für die Liebe“ finde ich schön. Zumindest kann ich mich damit mehr identifizieren, als mit dem Rest, was der Jahreskalender an Feiertagen so hergibt: Jesus stirbt, Jesus hängt am Kreuz. Zu viel Tod und Verderben. Die Liebe zu feiern erscheint mir um einiges sinnvoller.

Und damit meine ich nicht unbedingt nur die romantische Liebe zu einem Partner, sondern vor allem auch die Liebe zu sich selbst. Zu Geschwistern, Eltern, Haustieren und Freunden, die sich wie Familie anfühlen. Zu Hobbys und Leidenschaften. Zu Nachbarn, die meine Pakete annehmen. Die Liebe zu Gummibärchen und Schokolade, Pizza und Pommes, die Genussmomente in einen grauen Regentag zaubern. Zielstrebig gehe ich deshalb zur Kühltruhe. Pizza, du Liebe meines Lebens. Als ich dort ankomme, traue ich meinen Augen nicht. Auch dort war die Valentinstags-Invasion am Werk: Pizza in Herzform. Ich gebe mich geschlagen. Zwei Pizzaschachteln landen im Einkaufswagen. Auf dem Rückweg komme ich an der Zahnpasta vorbei. Wie passend zur Herz-Pizza, denke ich und greife zu.

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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