11.07.2019 - 11:20 Uhr
OTon

Musikerinnen, wo seid ihr?

Wieso stehen bei Festivals eigentlich so wenig Frauen auf der Bühne? Das fragt sich Maria Oberleitner im neuen OTon. Und sucht auch in ihrer eigenen Kindheit nach Antworten.

Die schweizer Sängerin Sophie Hunger auf der Bühne des Greenville Festivals.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Endlich Sommer. Endlich wieder Wassermelonen-Essen am Badesee, Grillen am Balkon und spätabends noch kurzärmlig durch die Stadt laufen. Vor allem aber: Endlich Festival-Zeit. Für wenige Tage gelten andere Regeln – und im Mittelpunkt steht die Musik. Erst vor wenigen Wochen war ich auf einem wundervollen Festival in Österreich: 220 000 Besucher, vier Tage, drei Bühnen, 84 Bands. Unter vielen großartigen Musikern allerdings nur wenige weiblich: 344 Männer, 17 Frauen.

Schade. Das wäre mit Sicherheit auch anders machbar gewesen. Trotzdem ist es auffällig, wie wenige Frauen – zumindest in der Rockmusik – auf Bühnen stehen. Ich befürchte aber, für Indie, Pop und Hip-Hop-Bands sieht die Bilanz nicht bedeutend besser aus.

Verschwinden weibliche Bands einfach in der Fülle der Jungsbands? Werden die Musikerinnen einfach übergangen, weil Männer für das Booking zuständig sind? Weil sie auf altbewährtes – in diesem Fall also auf Männerbands – zurückgreifen und zu bequem sind, Neues auszuprobieren? Oder ist die Gesellschaft noch viel zu sehr auf Stereotypen eingestellt?

Denke ich da zum Beispiel an meine eigene Kindheit zurück, ist zumindest ein kleines Aha-Erlebnis nicht weit. Nach der musikalischen Früherziehung (Xylophon) folgte Blockflöte und schließlich die Entscheidung: Querflöte oder Klavier. Gitarre, Bass oder Schlagzeug kamen nicht infrage. Wieso, das weiß ich selbst nicht genau. An meinen Eltern jedenfalls kann es nicht gelegen haben – wohl eher an meinen Freundinnen. Schließlich bedeutete ein gemeinsames Instrument gemeinsame Zeit in der Musikschule, beim Üben, bei den Konzerten – und so weiter. Und so spielte ich jahrelang Querflöte – fast ausschließlich gemeinsam mit Mädels. Nochmal: schade.

Es gibt also viel zu tun. Und es gibt grandiose Bands mit zumindest einer Frau auf der Bühne (Goat Girl, Skinny Lister, Sophie Hunger, The Interrupters, Kat Frankie, Katzenjammer). Man muss sie nur ein bisschen öfter einladen. Auch zu großen Festivals, bitte.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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