11.10.2019 - 13:44 Uhr
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Der Bezirk Oberpfalz und die Popkultur: Die Pop-erpfalz

Popkultur und die Oberpfalz, das klingt nur nach Widerspruch, findet Stefan Christoph. Der Bezirk soll künftig dafür sorgen, dass die kulturellen Pop-Perlen besser zur Geltung kommen - zum Beispiel mit einem eigenen Festival.

Bis zu ihrer Auflösung waren sie das popkulturelle Aushängeschild der Region. Wiliams Orbits Erben soll es künftig einfacher haben.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

"Oberpfälzer Popkultur" als Marke? Die Pressemitteilung des Bezirks dürfte Anfang der Woche für Lacher gesorgt haben. Stefan Christoph hat nicht gelacht, er hat sich gefreut. Der 31-Jährige aus Regensburg sitzt für die Grünen im Bezirkstag und hat im Kulturausschuss eine Ganztagsstelle für einen Popmusikbeauftragten vorgeschlagen: "Die Oberpfalz hat Potenzial, das es zu fördern lohnt."

Christoph hat selbst Konzerte organisiert und dabei manche Band aus der Region gehört, die auch in den Metropolen bestehen könnte. Aktuell fallen ihm "Filistine" aus Neumarkt oder die "Miesen Mutanten" aus der Region Cham ein. Dass er spontan keine Band aus Weiden oder Tirschenreuth nennen kann, spricht nicht gegen den Norden der Oberpfalz - eher für schwaches Marketing und fehlende Kommunikation.

Hier soll die neue Stelle ansetzen. "Bands beraten, Förderung vermitteln, Kontakte herstellen." So sieht Christophs Spontan-Stellenbeschreibung aus. Die tatsächliche Ausschreibung werde derzeit ausgearbeitet. Der oder die Neue soll den Posten im April antreten - und muss dann aber nicht bei null anfangen. Strenggenommen hat der Bezirk nämlich schon seit 2008 einen Beauftragten für Popularmusik, wie die Stelle in Behördensprache heißt. Damals begann Sam Wagner seine Arbeit, allerdings nur für vier Stunden die Woche. Der in Pressath aufgewachsene Journalist hat die Zeit genutzt, um an einem Netzwerk zu arbeiten. "Bands vermitteln, Bands beraten, Bands unterstützen", beschreibt der 45-Jährige seine Arbeit. Der Bezirk fördert nun Studioaufnahmen mit bis zu 500 Euro, für Kurse an der Bayerischen Musikakademie in Alteglofsheim bei Regensburg gibt es Zuschüsse. Bei nur vier Wochenstunden arbeitet Wagner aber beinahe ehrenamtlich. Er sagt, dass er das gerne gemacht hat, weil er dabei sein durfte, als Bands wie die Further "Atomic" groß und erfolgreich wurden.

Der künftige Oberpfälzer "Chef-Popper" könnte die zusätzliche Arbeitszeit nutzen, um ein eigenes Popkulturfestival ins Leben zu rufen, bei dem Musiker aus der Region Kontakte knüpfen und den Gästen gute Musik bieten können. "Kultur ist in Zeiten des Arbeitskräftemangels ein Standortfaktor", sagt Stefan Christoph. Das Argument habe auch den Kollegen im Kulturausschuss eingeleuchtet. Trotz seines wenig poppigen Altersdurchschnitts hat das Gremium Christophs Antrag einstimmig beschlossen. Dass die Verantwortlichen im Bezirk moderner Kultur gegenüber aufgeschlossen sind, hat auch Sam Wagner erlebt, "auch wenn mein Büro direkt neben der Trachtensammlung des Bezirks liegt". Dass der Popularmusikbeaufragte formell dem Bereich "Heimatpflege, Kultur und Bildung" zugeordnet ist, klingt ebenfalls nicht sehr hip. Aber die Verantwortlichen sind sich bewusst, dass es neben der Volksmusik auch andere Kultur in der Oberpfalz gibt, sagt Wagner.

Und diese Kultur wird nicht nur in Regensburg gemacht, das betont Christoph ausdrücklich. Er will sich kommenden März zwar für die Grünen zum Oberbürgermeister von Regensburg wählen lassen, seine Initiative für den Popbeauftragten sei aber sicher kein Wahlkampf bei Regensburger Studenten. Das scheint nahe zu liegen, weil die Stadt in Sachen Popkultur wohl am meisten zu bieten und fördern hat. Wer so denkt, denke aber falsch, sagt Christoph. "In Regensburg läuft das mit der Popkultur ja schon ganz gut." Außerdem leistet sich die Stadt einen eigenen Popbeauftragten.

Der des Bezirks soll deshalb vor allem in der Fläche arbeiten. Dafür sei wichtig, dass die Stelle mit einem Praktiker besetzt wird. Ein abgeschlossenes Studium der Kulturwissenschaften schade vermutlich nicht, Christoph wünscht sich dennoch vor allem jemanden, "der Erfahrung in einer Band oder als Veranstalter" gesammelt hat und diese nun weitergeben will. So, dass keiner mehr lacht, wenn von Oberpfälzer Popkultur die Rede ist.

Die Musik in der Oberpfalz:

Im Norden ist Metal

Musikalisch trennt die Oberpfalz trennt eine unsichtbare Grenze. Das hat Sam Wagner in den gut zehn Jahren als Popularmusikbeauftragter festgestellt. Der Süden sei eher „Indie“ und Alternativ, der Norden fest in der der Hand Metaler. Gute und erfolgreiche Musik gibt es überall, oft bekommt das die Region nur nicht mit. Ein Beispiel: Die Black-Metal-Band „Atlantean Kodex“ aus Vilseck. Die hat es in der vergangenen Woche in die Top 50 der Albumcharts geschafft „direkt vor Semino Rossi“, sagt Wagner. Gemerkt hat das in der Region kaum jemand.

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