13.06.2019 - 15:46 Uhr
OTon

Panische Angst vor Vögeln

Vögel sind Tiere des Teufels - davon ist Tina Sandmann überzeugt. Mit ihrer Panik bringt sie sich und andere regelmäßig in peinliche Situationen. Im neuen OTon schreibt sie von ihrem turbulenten Leben mit Vogelphobie.

Ein Uhu-Küken - süß? Mitnichten.
von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

Wir schlendern die Gassen des Viertels Brera entlang, passieren die Scala. Unser Ziel: der Mailänder Dom. Doch wir werden es niemals dorthin schaffen. Vorher tut sich die Hölle auf. Den Domplatz bevölkern hunderttausende Tauben. Sie fliegen knapp über die Köpfe der Menschen hinweg, landen auf einem Kinderwagen - in dem ein Baby sitzt - weil die Mutter die Tiere mit Krümeln anlockt. Die Tauben fliegen auf uns zu. Ich flüchte. Für mich ist der Dom unerreichbar.

Ich stehe am Herd und brutzle Pfannkuchen, die Balkontür ist offen. Zwei Schwalben schießen herein und fliegen wild herum. Ich schreie, lasse mich auf den Boden fallen und kauere mich - meinen Kopf zwischen den Armen versteckt - hinter der Kücheninsel zusammen. Als die Vögel völlig verstört landen (mein Gekreische ist ohrenbetäubend), ergreife ich die Chance und rette mich - halb krabbelnd, halb rennend, mehrfach fallend - durch die Dielentür.

Ich fahre mit dem Auto ins Carport, öffne die Tür. Und schlage sie von innen wieder zu. Eine riesige Fledermaus flattert ums Auto herum. Hupen bringt nichts. Ich bin gefangen. Also starte ich den Motor wieder, rase rückwärts und parke außerhalb. Ich öffne die Tür, ziehe den Kopf ein und renne zum Haus. Am nächsten Tag: Ich fahre ins Carport, schaue mich vom Auto aus mit der Handy-Taschenlampe um. Da hängt sie und starrt mich an: die fette Fledermaus. Ich rufe im Haus an und warte im Auto, bis ich mit dem Regenschirm abgeholt werde.

Tauben, Schwalben, Fledermäuse - für mich ist alles was fliegt und größer ist als ein Schmetterling (ja, ich mag auch keine Schmetterlinge) die Hölle. In der Stadt laufe ich zickzack um die Tauben herum, verstecke mich nicht selten panisch hinter fremden Menschen. Zwei Kolleginnen mussten mich schon vor Hühnern retten. Meine Oma kann ich nur besuchen, wenn sie ihren Wellensittich einsperrt. Ich verbiete den Kollegen (ich versuche es zumindest), die Fenster ganz zu öffnen. Vor jeder Hochzeit hoffe ich, dass das Paar keine Tauben steigen lässt.

Woher die Panik kommt, weiß ich nicht. Nein, es liegt nicht an Hitchcocks "Die Vögel". Und ich will keine Konfrontationstherapie. Vielleicht vergeht die Angst irgendwann. Wahrscheinlich muss ich damit leben. Kreischend und zickzack-laufend. Wenigstens amüsiere ich meine Mitmenschen damit.

Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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