11.01.2019 - 14:28 Uhr
RegensburgOTon

Historiker mit Thriller im Gepäck

Geschichte ist langweilig. „Ist sie gar nicht“, sagen die Studenten Johannes Haider und Daniel Reichenberger. Ihr Youtube-Kanal „Flossen-TV“ soll das beweisen. Dafür bedienen sie sich sogar eines mysteriösen Mordfalls in Regensburg.

Die "Flossen-TV"-Mitglieder schlüpfen in ihren Filmen in verschiedene Rollen. In diesem Fall verkörpert Johannes Haider Kaiser Joseph II.

„Flossen-TV“ ist ein Youtube-Kanal, den fünf Geschichtsstudenten der Uni Regensburg betreiben. „Der Grundgedanke ist, dass wir Jung und Alt für Geschichte begeistern wollen. Es gibt ziemlich viele Videos auf Youtube, in denen Geschichte im Vortragsstil vermittelt wird“, sagt Ideengeber Johannes Haider. „Wir wollen da spielerischer rangehen.“ So seien seit der Gründung des „Flossen-TV"-Kanals vor knapp einem Jahr um die 50 Filme online gegangen.

Das Hauptanliegen der Studierenden ist es, Geschichte von ihrem „verstaubten Image“ zu befreien. Sie jugendlicher und leichter zugänglich zu machen. „Wir haben eine Doku über Österreichs gemacht. Österreich ist gleich hier bei Regensburg, in Barbing, entstanden“, sagt „Flossen-TV“-Mitglied Daniel Reichenberger.

Reichenberger: „Eigentlich machen wir das, worauf wir Lust haben. Wir sind in unseren Themen ziemlich vielfältig. Wir suchen uns etwas, das wir spannend erzählen können. Sachen eben, von denen wir meinen, sie cool rüberbringen zu können. Johannes Haider sagt: "Jeder von uns hat eine gewisse Ausrichtung. Der eine interessiert sich mehr für das Mittelalter, den anderen beschäftigt eher die neueste Geschichte." Auf diese Weise entstehe ein bunter Themenmix. „Kannten die Römer eine Art von Ketchup?“, „Was ist der Sparsarg?“, sind Fragen, die die Junghistoriker zu beantworten versuchen. „Wir haben einen Film darüber gemacht, woher der Begriff Gentleman stammt“, sagt Reichenberger. Johannes Haider: „Der kommt auch wirklich richtig gut an. Da erreichen wir eine ganz andere Zielgruppe als mit klassischen Dokus.“

„ Die Leute sollen nicht auf uns stoßen und sich sofort ,bäh’ denken, wenn sie das Wort Geschichte lesen. Wir wollen jeden erreichen und ihn zur Geschichte hinführen“, sagt Reichenberger. Gleichzeitig legt das Team großen Wert auf Nachprüfbarkeit und gibt immer alle Quellen an.

Rund zehn Stunden pro Woche verbringen Daniel Reichenberger und Johannes Haider damit, Videos zu schneiden. Jede Woche donnerstags soll ein neuer Clip erscheinen.

Was sie über das Filmen, Schneiden und die Videoproduktion wissen, haben sich die beiden selbst beigebracht. „Wir interessieren uns einfach dafür. Es macht auch wirklich Spaß“, sagt Haider. Auch das gesamte Equipment haben sie sich privat angeschafft. Daniel Reichenberger: „Wenn man so eine Leidenschaft hat, dann leidet man halt manchmal. Der Geldbeutel ebenso.“

Johannes Haider und Daniel Reichenberger haben beide ihr Staatsexamen im vergangenen Jahr abgelegt, ab Februar geht es für sie ins Referendariat. Was die Zukunft ihres Youtube-Kanals angeht, sind sie zuversichtlich. „Wir haben vor, das weiterzuführen“, sind sie sich einig.

Das größte Projekt der „Flossen-TV"-Gruppe war ein Regensburg-Thriller. Er trägt den Titel „Ruf der Ahnen“. „Wir haben einen mysteriösen Mordfall. Unser Hauptcharakter wird da zufällig mit reingezogen“, sagt Johannes Haider. „Das Mordopfer wird mit einem Zettel in der Hand gefunden, auf dem der Name der Hauptfigur steht“, sagt Daniel Reichenberger. Zusätzlich trägt das Opfer den Namen Ägidius bei sich. Im Laufe des Films stellt sich heraus, dass dieser Name auf die Auflösung der Deutschordenskommende in Regensburg hinweist. „Hauptgegenstand ist ein mittelalterlicher Kelch“, sagt Johannes Haider.

Ein Katz-und-Maus-Spiel in den Gässchen Regensburgs beginnt. Innerhalb von drei Wochen sei der Film entstanden. Drehort für den Höhepunkt des Thrillers war die Burgruine Donaustauf. „Da wird sogar ein bisschen geschossen“, sagt Johannes Haider.

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