23.08.2018 - 08:45 Uhr
OTon

Von roten Ampeln und Luxusproblemen

Manchmal hat man es nicht leicht. Hier stört etwas, dort nervt etwas und überhaupt läuft nichts so, wie es sollte. Aber auch solche Situationen haben etwas Gutes.

Meistens ist in Supermarkt-Kassen genügend Wechselgeld. Manchmal geht es aber auch aus - und zwar gerade dann, wenn man selber endlich dran ist.
von Marion Espach Kontakt Profil

Es ist zu früh, zu heiß, der Kaffee zu kalt und zu viele Ampeln rot. Und warum fährt der Lastwagen ausgerechnet vor mir auf die Straße?Warum geht der Kassiererin ausgerechnet bei mir das Kleingeld aus? Dass ausgerechnet mein Lieblingsjoghurt nicht mehr im Kühlregal steht, war sowieso klar. Was ist das Leben ungerecht …

Das beste Mittel gegen Ungerechtigkeit: jammern. Es geht schnell, immer und überall. Außerdem verbindet jammern - geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. Und manchmal - ganz selten - hilft es auch: Für ein paar Minuten fühlt man sich besser. Meistes aber, wenn ich kurz davor bin, mich beim Straßenverkehrsamt, bei Verkehrsüberwachung oder -ministerium wegen der Ampeln zu beschweren oder die Frau an der Kasse anzuschreien, schäme ich mich. Schäme mich für meine Luxusprobleme, meine Undanbkarkeit und für das Selbstverständnis, mit der ich mein sorgenfreies Leben hinnehme.

Statt mich über Kleinigkeiten zu ärgern, sollte ich dankbar für die großen Dinge sein, die ich habe. Dankbar für meine Familie und Freunde, dass ich gesund bin und mir überhaupt ein Auto leisten kann, mit dem ich an roten Ampeln stehen bleiben muss. Und ist es nicht ein Luxusproblem, überhaupt einen Lieblingsjoghurt haben zu können? Von daher: Manchmal ist Jammern doch nicht so schlecht - um mich daran zu erinnern, wie gut ich es habe. Rote Ampeln und nicht vorhandener Joghurt hin oder her.

Info:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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