Das Coronavirus ist das alles bestimmende Thema. Auch wir in der Redaktion müssen uns mit damit auseinandersetzen. Für mich bedeutet das: unzählige Anrufe. Ich frage, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter schützen, ob Behörden den Parteienverkehr einschränken und wer welche Veranstaltungen abbläst.
Weil ich keinen Peil habe, wer der richtige Ansprechpartner ist, und die Menschen am anderen Ende der Leitung auch nicht zu wissen scheinen, wer zuständig ist, versuchen sie mich zu verbinden. Was also mache ich? Genau, ich hänge in Warteschleifen rum. Und da liegt das Problem. Wenn mir "Friday I'm in love" von "The Cure" entgegenträllert, während ich warte, finde ich das ganz okay - cooler Song, noch coolere Band.
Zermürbend wird's, wenn ich gefühlt Stunden warte, dass jemand meinen Anruf annimmt und mir meiner Meinung nach viel zu laute Bierzelt-Musik die Gehörgänge vom Firnis vergangener Jahre einmal gewaltsam befreit. Warum verdammt nochmal geht denn da keiner hin? Ich bin mir mittlerweile sicher, dass das Taktik ist, dass da keiner mit mir reden will. Das hat sich jemand was von den Foltermethoden amerikanischer Sicherheitsdienste abgeguckt und probiert es an mir aus. Wer denkt sich diese Musik aus? Ich wette, es gibt Agenturen, deren einziges Geschäftsmodell darin besteht, möglichst dumme Musik für Warteschleifen an Firmen zu verkaufen, die die wiederum dafür nutzen, um den Willen unangenehmer Anrufer zu brechen. Im Grunde geht es nur darum: Entweder die geben auf und gehen hin oder ich gebe auf, weil ich es nicht mehr hören kann.
Nach manch so einem Tag im Zeichen der Warteschleife ertappe ich mich, wie ich auf dem Heimweg die Melodie summe, die mich tagsüber am Telefon fast dazu gebracht hätte, den Hörer an die Wand zu donnern. Und das ist eigentlich das schlimmste daran.
OTON
Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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