07.02.2019 - 15:20 Uhr
OTon

Valentinstag ohne Zugzwang

Denkt Lucia Seebauer an den Valentinstag, hat sie Stress, den sie nicht will. In der Kolumne OTon schreibt sie über ihre Gedanken zu diesem speziellen Tag, der Liebe allgemein und dem Wunsch, ihren freien Willen nicht zu verlieren.

Rund um den 14. Februar sind sie überall: Hinweise auf den Valentinstag.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Jedes Jahr bereitet mir der 14. Februar aufs Neue Kopfzerbrechen. Denke ich an den Valentinstag, entsteht ein Stress, den ich gar nicht haben will. Ich möchte mir nicht vorschreiben lassen, was ich mit meinem Partner an diesem speziellen Tag mache. Im Gegenteil: Ich möchte meinen freien Willen behalten.

Natürlich ist der Valentinstag kein festgeschriebener Feiertag. Doch die Konsumgesellschaft sorgt dafür, dass ich diesen Tag nicht vergesse und ich mich dazu gezwungen fühle ihn zu zelebrieren. In der Stadt gehe ich an Schaufenstern vorbei: Sie sind geschmückt mit Rosen und eventuellen Valentinsgeschenken. Im Internet stoße ich ständig auf Webseiten, die mich fragen: „Haben Sie schon an ihren Liebsten gedacht?“ Selbst wenn ich es nicht möchte, komme ich in Zugzwang. Egal, ob ich alleinstehend oder in einer Beziehung bin. Plötzlich komme ich mir komisch vor, wenn ich noch kein passendes Geschenk für meinen Liebsten habe, oder der Supergau, wenn ich gar single bin. Soll ich schnell noch einen Blumenstrauß oder Pralinen kaufen? Soll ich eine Verabredung organisieren?

Und was hat das eigentlich alles mit Liebe zu tun? Einerseits ist sie eine der intensivsten Emotionen, die wir Menschen empfinden können. Die Liebe kann mich aber auch überwältigen und genauso zu Fall bringen. Gehe ich in der Geschichte zurück, sehe ich, dass die Begriffe Romantik und Liebe das 19. Jahrhundert prägten. Eine Zeit, in der der Wunsch der freien Partnerwahl stärker wurde. In dieser Zeit verbindet sich die Fantasie von einer unkontrollierbaren Verliebtheit zu einem anderen Menschen mit starker sexueller Anziehung und späterer Familiengründung. Diese Reihenfolge sein Privatleben zu gestalten, war zu Zeiten von Zwangsehen fast revolutionär.

Heute ist es ein Ideal, dem ich nicht mehr gerecht werden will. Die Gesellschaft wird individueller, bunter und offener. Heute ist es nicht mehr notwendig, zu heiraten oder Kinder zu bekommen. Wir tun es aber, wenn wir es wollen. Und so sollten wir auch am Valentinstag denken. Bevor ich also handle, nehme ich mir Zeit und atme durch. Mir wird bewusst: Ich brauche mir nicht vorschreiben lassen, was ich an diesem Tag tue. Ich muss kein Date haben. Wenn ich jemandem etwas schenken oder einen schönen Abend verbringen will, kann ich genauso an meine Familie, Freunde oder Arbeitskollegen denken. Ihnen geht es vielleicht ähnlich wie mir.

Und ich denke an meinen Partner, rede mit ihm und versuche herauszufinden, welche Erwartungen er hat. Wollen wir einen romantischen Abend? Dann gestalten wir uns diesen, wie wir es wollen. Egal ob wir in einem Restaurant sind oder einfach nur auf der Couch liegen und Netflix gucken. Machen wir unsere Liebe nicht am Datum fest. Es kommt darauf an, was wir selbst aus dem Valentinstag machen. Dann behalten wir auch unseren freien Willen.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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