29.06.2018 - 13:24 Uhr
OTon

Wenn ich verschwinde, wird's für die anderen super

Ist es bloß Pech oder schon Dummheit? Unser Autor verpasst ständig das Beste - weil er lernt, Bier holt oder Semmeln kauft. Hier erzählt er, was ihm im Fußballstadion, bei der WM 2014 oder auf dem Filmfest München geschehen ist.

Der Original-"Blitz" aus der TV-Serie "How I Met Your Mother". In vielen Situationen habe ich ähnliches Glück wie der fiktive Super-Pechvogel.
von Julian Trager Kontakt Profil

Dank der TV-Serie „How I Met Your Mother“ haben Menschen wie ich endlich einen Namen: „Blitz“. Immer wenn der in der Sendung ein Zimmer verlässt, geschehen die spektakulärsten und lustigsten Dinge – in dem Zimmer. Auch ich bin der „Blitz“: Wenn ich verschwinde, wird‘s für die anderen super.

Dortmund, Westfalenstadion. Ein schönes Fußballspiel will ich dort anschauen. Die Partie ist dann aber vor allem: grausam. Doch in jedem Spiel gibt‘s einen lichten Moment, für den sich der ganze Aufwand lohnt. Sei es ein Flitzer, der umgegrätscht wird, oder eben das einzige Tor in einem gähnend langweiligen Bundesligaspiel in Dortmund. Bloß blöd, wenn das genau dann fällt, wenn du in der Bierschlange vorm Kiosk stehst.

Die blöde Wienersemmel

Sowas ist mir davor auch schon mal passiert, bei meinem Heimatverein. Fünf Minuten war ich weg, eine Wiener-Semmel kaufen – ein Kumpel schoss derweil vier Tore. Ist bei uns im Team heute noch legendär.

München, Filmfest. Aufregung auf dem roten Teppich. Eine gewisse Spannung liegt in der Luft, es wird jemand erwartet. Vielleicht ein berühmter Hollywoodstar? Ich warte, bin ja neugierig. Zwanzig Minuten später reicht es mir. Ich gehe weiter zum nächsten Film. Und überhaupt: Wer soll da schon kommen? Bestimmt nur Til Schweiger. Der Tag darauf, die Kollegen schwärmen. „War voll geil. Der war so locker drauf.“ Sie schwärmen von James Franco. Nicht Til Schweiger, sondern der verdammte James Franco! Einer der lässigsten Typen Hollywoods. Mist. Ich habe stattdessen eine Dokumentation über mongolische Goldgräber angeschaut. Keine Pointe.

Das ärgert mich noch heute

Was mich aber am meisten wurmt, ist jetzt fast genau vier Jahre her. Die Fußball-WM 2014 ging in die heiße Phase, mein Studium leider auch. Am Tag nach einem sehr wichtigen Spiel der deutschen Nationalmannschaft – ja, damals kamen wir noch in die K.-o.-Runde – hatte ich eine sehr wichtige Prüfung. Drittversuch. Und natürlich war ich noch nicht sattelfest, brauchte jede Minute zum Lernen. Ich musste aufs Spiel verzichten. Statt auf den TV-Bildschirm zu glotzen, starrte ich also in meine Unterlagen – um bald darauf in die Röhre zu schauen.

Mit Ohropax in den Ohren saß ich am Schreibtisch, vertieft ins Skript. Als mein Handy dann zum wiederholten Mal vibrierte, schaute ich doch mal drauf. Zehn Nachrichten, zusammengefasst: „Was geht denn hier ab?!“ Also Fernseher an, ich bin schockiert. Deutschland führt 5:0! Nach 29 Minuten! Es war der Abend des 8. Juli 2014, das WM-Halbfinale gegen Brasilien. Mittlerweile mehr Mythos als Spiel. Jeder, der sich für Fußball interessiert, weiß noch genau, wo er war, als er das Spiel anschaute. Ich weiß noch ganz genau, wo ich war, als ich das Spiel nicht anschaute.

Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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