31.10.2019 - 14:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOTon

„Braxxton“ - Ein Label für Rap in der Region

Michael Kandler aus Kulmbach will für Rapper und Sänger aus der Region eine neue Plattform schaffen. Dafür gründet er das Musiklabel „Braxxton“.

Für sein neues Musiklabel "Braxxton" holte sich Michael Kandler knapp zwei Hände voll Rapper und Sänger mit ins Boot.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Deutsch-Rap erobert gerade die deutschen Charts. Capital Bra, Apache 207 oder Sido kämpfen dort um die Spitze. Ganz in diesem Zeitgeist gründet der 35-jährige Michael Kandler aus dem Landkreis Kulmbach ein eigenes Musiklabel unter dem Namen "Braxxton".

Hip-Hop sei nach Kandler salonfähig geworden: "Mittlerweile arbeitet sogar Dieter Bohlen mit Rappern zusammen. Musik ändert sich ständig. Das Genredenken ist weg, viele Musikstile überschneiden sich oder werden miteinander vermischt. Die Leute, die bei 'Braxxton' mitmachen bringen frischen Wind mit."

Wie eine Therapie

Das Label soll eine Basis für regionale Künstler sein. "Wir müssen zeigen, dass es uns gibt." Kandler ist seit rund 20 Jahren im Deutsch-Rap unterwegs. Bislang hat er sich im Hobbybereich durchgekämpft. Mit 15 Jahren schrieb er schon eigene Texte. "Das war für mich wie eine Therapie", erzählt er im Gespräch. Doch als er jung war, wusste er nicht, wie er seine Musik an die Öffentlichkeit bringen sollte. "Ich hatte niemanden, der mir half."

Über die Jahre baute sich Kandler ein komplexes Netzwerk an Kontakten auf. Vor drei Jahren übernahm er auch die Organisationsarbeit bei dem Verein "Nexis". "Das war ein Verein, in dem eine Vielzahl an Rapper und Sänger aus dem kompletten bayerischen Raum involviert waren." Aufgrund von internen Problemen musste sich der Verein jedoch wieder auflösen.

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Viel Organisationsarbeit

Kandler war weiter voller Tatendrang: "Ich unterstützte als Einzelkämpfer einige Künstler mit Hilfe meiner Kontakte und versuchte ihnen den Weg zu professionellen Produzenten zu ebenen." Mit "Braxxton" möchte Kandler jungen Musikern eine Plattform geben, die Möglichkeit ihre Kunst nach außen zu tragen.

Inspiriert dazu hat ihn seine 16-jährige Nichte Yve. "Sie macht Musik und singt. Als ich das mitbekommen habe, fand ich das geil." Zusammen erstellten die beiden verschiedene Coversongs, die Kandler dem Rapper B-Tight zeigte. Nach der Veröffentlichung der ersten Lieder, stellte sich die Frage: "Wie kann man das finanzieren und rechtlich abklären?"

Mit seiner Nichte Yve nahm Michael Kandler verschiedene Songs auf. Mit ihr begann die Frage: Wie lässt sich Musik am besten finanzieren und rechtlich absichern?

Kandler beschloss ein eigenes Label zu gründen. Es folgte viel Organisationsarbeit. "Das ist mehr Aufwand, als ich mir vorgestellt habe. Ich musste mich lange einlesen und viel recherchieren. Ich möchte rechtlich alles in die korrekte Bahn lenken."

Kandler, der hauptberuflich in der Metallbau-Branche arbeitet, nutzt in seiner Freizeit jede Minute für sein Projekt. An seinem Ohr trägt er ständig ein Headset, um jederzeit erreichbar zu sein. Schließlich begann auch die Suche nach weiteren Musikern. "Nach vielen gefahrenen Kilometern, lauten Nächten und unzähligen Telefonaten habe ich es geschafft, knapp zwei Hände voll Rapper und Sänger an Land zu ziehen."

Musik weltweit anbieten

Gleichzeitig erfolgte vor kurzem die Gewerbeanmeldung und die Beantragung eines Labelcodes. "Das ist ein eigener Code für Tracks. Im Grunde ist das wie eine ISBN-Nummer bei Büchern. Darin ist alles enthalten, was zum Song gehört." Das sei auch wichtig, um international Musik verbreiten zu können. "Gut ist, dass inzwischen viel digital funktioniert. Über Streamingdienste kann man Musik weltweit anbieten."

Die Rapper, die sich dem Label "Braxxton" anschließen wollen, kommen aus dem Raum Weiden sowie den Landkreisen Tirschenreuth und Bayreuth. "Jeder, der mitmacht hat seinen eigenen Style und eine eigene Musik." Im Label soll jeder Künstler für sich autark stehen. "Da soll auch jeder sein Stück vom Kuchen abbekommen." Kandler ist sich sicher: „Wir haben es hier mit einer Meute tatkräftiger Gigantomanen zu tun. Mit einer solch explosiven Mischung lässt sich etwas reißen.“

Vincenzo Margaglio aus Mering (Oberbayern) unterstützt "Braxxton" als Musikproduzent.

Für die Musiker erstellte Kandler bereits Künstlerverträge. "Da wird jeder mal mit Paragraphen konfrontiert." Darin werden unter anderem die Lizenzen, die Verteilung der Tantiemen, Merchandising, Management und Promotion definiert und geregelt. Die Webseite des Labels befindet sich derzeit noch im Aufbau: „Darauf wird es einen Online-Shop für Tonträger geben, Informationen über das Label und die Musiker.“

Kandler will, dass sich sein Label wie ein Lauffeuer verbreitet. „Wir erstellen einen Wikipedia-Eintrag, verwenden die Sozialen Medien um uns zu pushen.“ Zur Zeit verhandelt Kandler auch mit der Plattenfirma „MK Discpress“. Es geht darum, wie hoch die Auflage bei einem Album sein wird.

Bei der Produktion und dem Mastering (Tonbearbeitung) der Alben und Songs wird das Label von der Firma Enzo-Music aus Mering (Oberbayern) unterstützt. Auch an die Videoproduktion hat Kandler gedacht. „Hier unterstützt uns unter anderem Mediagraph Christopher Orndorff aus Weiden mit ‚The Box Visuals‘.“

Christopher Orndorff will "Braxxton" mit professionellen Musikvideos beliefern.
Der Name "Braxxton":

Einen guten Namen für sein Label zu finden, war für Michael Kandler gar nicht so einfach. "Wichtig war mir ein Anfangsbuchstabe, der weit oben im Alphabet kommt. Dann tauchen wir in der Listung früher auf." Zudem sollte der Name fürs Internet, die Firma und als Marke funktionieren. Kandler tüftelte rund drei Wochen bis der Name Wiedererkennungswert hatte.

"Braxxton" ist ein Begriff, der anderen zeitgenössischen Namen ähnelt, wie etwa "Brexit" oder Tony Braxton. Die Abkürzung "Bra" steht für Brother (Bruder). "Das 'xx' wiederum haben wir extra für unser Logo ausgekoppelt."

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