05.12.2019 - 15:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOTon

Die Geheimsprache im Koffer

Unterwegs wird deutsch zur Geheimsprache, findet Maria Oberleitner. Im OTon beschreibt sie nicht nur, wie toll sie es findet, immer geradeheraus sagen zu können, was sie denkt - sondern auch, dass das ganz schön in die Hose gehen kann.

Auf Reisen im nicht-deutschsprachigen Ausland lässt es sich schön frei von der Seele sprechen, findet unsere Kollegin im Oton.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Auf Reisen macht man sich gern das Leben leichter. Das Ausbrechen aus dem Alltag ermöglicht auch ein Ausbrechen aus den eigenen Grenzen. Denn meine, unsere Muttersprache kann unter den richtigen Umständen zur Geheimsprache werden.

Bin ich mit deutschen Freunden im Urlaub, tendiere ich manchmal zur Unverschämtheit. Zumindest, was die Menschen angeht, die einem auf Reisen ins nicht-deutschsprachige Ausland so begegnen. Schonungslos gebe ich dann meine Meinung preis - und zwar zu allem: Zu schlechtem Essen, einem unangemessen Outfit, unfreundlichem Benehmen oder überteuerten Preisen. Zu Hause bin ich selten so direkt und unverblümt ehrlich.

Noch als junges Mädchen empfand ich es absolut unpraktisch, dass Deutsch meine Muttersprache ist. Engländerin müsste man sein - dann könnte man sich, ganz ohne Aufwand, auch in den meisten anderen Ländern verständigen. Vor allem hätte es bedeutet: Weniger lästige Vokabeln lernen.

Die Vokabelhefte verstauben inzwischen in Kisten auf dem Dachboden, aus dem gefühlten Nachteil wurde, tada: eine Geheimsprache. Ich kann "Hier riecht's aber übel, lass uns in ein anderes Restaurant gehen" sagen, ohne dass es mir das Personal übelnehmen könnte. Die Vermutung, dass der Taxifahrer gerade versucht, uns übers Ohr zu ziehen, kann ich einfach aussprechen, anstatt nur auffällig-unauffällig skeptisch auf das Taxameter zu blicken.

Zugegeben: Das kann - erfahrungsgemäß - auch gewaltig in die Hose gehen. Zum Beispiel, wenn der Mann an der Kasse im Supermarkt eben doch versteht, dass ich finde, er könne ruhig mal wieder seine Haare waschen. Manchmal ist die Muttersprache eben doch nicht so ganz geheim, wie man das noch vor Sekunden erwartet hatte. Und plötzlich muss man wieder darüber nachdenken, was man sagt - und was man vielleicht besser nur denken sollte.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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