21.09.2018 - 16:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOTon

Helden des sauberen Wassers

Der Regensburger Studentenverein „Hydro Solution“ setzt sich für sauberes Trinkwasser in Kenia und Burkina Faso ein. Mit dabei ist auch der Weidener Constantin Vogel. Er erzählt von seinen Arbeitsreisen nach Afrika.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Der 26-jährige Maschinenbaustudent frischt gerade sein Französisch auf und macht einen Schweißkurs. Beides nötige Fähigkeiten, die er bei seinem zweiten Einsatz in Burkina Faso im Februar braucht. Dort kümmert er sich mit Daniel Kutscher aus Altenstadt/WN und weiteren Mitgliedern von „Hydro Solution“ darum, dass die Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen. Den Verein „Hydro Solution“ gibt es offiziell seit etwa einem Jahr, aktiv sind die Studenten der OTH Regensburg aber schon länger. Dahinter stecken knapp 20 Mitglieder, die sich für sauberes Trinkwasser in Afrika einsetzten. Das gelingt ihnen durch sogenannte Biosand-Filter, die rund 99 Prozent der krankheitserregenden Keime aus dem Wasser herausfiltern.

Die Idee stammt vom Maschinenbaustudent Maximilian Dötterl aus Waldershof und seiner Kommilitonin Nina Auer. Zusammen mit vier Studenten aus den Fachbereichen Chemie, Sensorik und Analytik sowie Regenerative Energien entwickelten sie den Filter weiter. Über Dötterl kam auch Vogel zu „Hydro Solution“. „Er hat mich gefragt, ob ich Lust drauf hab. Über die Filter hab ich dann gleich meine Bachelorarbeit geschrieben.“

Ohne Chemie

Im Langsam-Sandfilter ist speziell aufbereiteter Bruchsand. Das kontaminierte Wasser sickert durch die feinkörnige Sandschicht. Dabei bleiben Bakterien, Viren und Würmer stecken. Es entsteht ein Biofilm, in dem sich die Keime gegenseitig fressen. Sauberes Trinkwasser fließt durch den Auslass-Schlauch wieder heraus. Aus einem sicheren Container kann das Wasser jederzeit entnommen werden. Ein aushaltsfilter schafft knapp 50 Liter am Tag. Einen großen Filter, etwa bei Schulen, kann man so bauen, dass bis zu 4000 Liter Trinkwasser am Tag herauskommen. Die Einheimischen können den Filter mit lokalen Ressourcen selbst herstellen: Weder Energie noch Chemikalien sind dazu nötig. Aktuell versorgen etwa 70 Filter des Studentenvereins über 2500 Menschen in Kenia mit sauberem Trinkwasser. Dabei hat Nachhaltigkeit oberste Priorität. Die Studenten arbeiten nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Einheimischen werden mittels verschiedener Workshops ausgebildet die Filter selbst herzustellen und zu vertreiben. Neben den Wasserfilteranlagen klärt „Hydro Solution“ auch in Sachen Hygiene und Gesundheit auf.

„Es ist schockierend“

Auch Constantin Vogel war schon in Kajiado County, im Süden Kenias. Dort, wo die Massai-Hütten aus getrocknetem Kuhdung und einem Strohdach bestehen. Wo eine Familie mit fünf bis sieben Personen auf 15 Quadratmetern lebt. Wo die Bevölkerung unter starker Armut, Unterernährung, Arbeitslosigkeit, mangelnder Infrastruktur und hohen Lebensmittelpreisen leidet. Aus Mangel an Alternativen trinken die Menschen unbehandeltes Wasser aus bakteriell verseuchten Flüssen, was zu schweren Krankheiten führt. „Aufbauhilfe ist super wichtig. Das liegt mir voll am Herzen“, sagt Vogel. „Es ist schockierend, wenn man sieht, was die Leute für Wasser trinken.“ In Kajiado County – knapp 11.000 Kilometer von Deutschland entfernt und so groß wie die Oberpfalz und Niederbayern zusammen – arbeiten die Studenten mit Father Tito, dem Leiter der örtlichen Partnerorganisation „YISOG“, zusammen. Auf deren Grundstück ist die „Zentrale“ des Vereins, eine Wellblechhütte, mit Produktions- und Lagerstätte. Kürzlich kamen erst einige Überdachungen dazu, um beim Sandwaschen und -filtern etwas Schatten zu haben und den wertvollen Filtrationssand zu schützen.

Mühe lohnt sich

Mittlerweile haben die jungen Leute fünf Arbeitsreisen unternommen. Wie lange und wie viele Studenten dabei sind, ist unterschiedlich. Ein Einsatz dauert etwa vier Wochen, je nachdem wie lang die Studenten Zeit haben. Das Team ist interdisziplinär aufgestellt: Einige studieren BWL, Soziale Arbeit, Maschinenbau, Biologie oder Chemie. Von Deutschland aus koordinieren und organisieren die Studenten. Es gibt verschiedene Teams: Marketing, Finanzen, Technik, Events und Human Ressources. „Wir machen das ehrenamtlich und organisieren alles selbst“, erklärt der Weidener. Deshalb ist der Verein auch auf Unterstützer, Sponsoren und Spender angewiesen. So muss etwa die geplante Arbeitsreise nach Burkina Faso im Februar noch finanziert werden. „Es steckt wahnsinnig viel Vorbereitung und Logistik dahinter“, sagt Vogel. Aber die Mühe lohne sich, wenn nach vielen anstrengenden Arbeitsstunden bei Temperaturen über 40 Grad endlich der Wasserhahn aufgedreht wird und sauberes Trinkwasser fließt.

Den Verein unterstützten:

Der Studentenverein „Hydro Solution“ ist auf Sponsoren und Spenden angewiesen, um möglichst

vielen Menschen in Afrika den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Auch für den nächsten Einsatz im Februar in Burkina Faso ist das Team auf Spenden angewiesen. Die Verantwortlichen betonen, dass die Spenden direkt in das Projekt fließen. Kontoinhaber: Hydro Solution e.V., IBAN: DE 68 7505 0000 0027 0269 54, BIC: BYLADEM1RBG

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