Neulich wollte ich mich mal wieder mit einem guten Freund treffen. Eigentlich nichts Besonderes. Also schrieb ich ihm eine kurze Nachricht: „Hast du diese Woche Zeit?“ Die Antwort kam schnell: Montag geht nicht, Dienstag Training, Mittwoch Geburtstag, Donnerstag Spätschicht und am Wochenende ist er unterwegs. Also schauten wir in die Woche darauf. Dann in die nächste. Am Ende stand ein Termin in drei Wochen. Und irgendwie fanden wir beide das völlig normal.
Dabei musste ich daran denken, wie unkompliziert das früher war. Nach der Schule hat oft eine einzige Nachricht gereicht oder man klingelte einfach an der Haustür. Meistens dauerte es keine Stunde, bis man sich irgendwo traf. Ob auf dem Sportplatz, in der Stadt oder einfach nur auf einer Parkbank – Hauptsache zusammen. Niemand musste erst den Kalender öffnen oder überlegen, ob noch irgendwo eine freie Lücke zwischen Arbeit, Sport und anderen Verpflichtungen zu finden ist.
Heute sieht das anders aus. Jeder hat seinen eigenen Alltag, arbeitet zu unterschiedlichen Zeiten oder wohnt vielleicht sogar in einer anderen Stadt. Dazu kommen Hobbys, Familienfeiern oder andere Termine. Plötzlich braucht selbst ein spontaner Kaffee eine gewisse Vorlaufzeit. Manchmal fühlt es sich fast so an, als müsste man seine besten Freunde genauso früh buchen wie einen Friseurtermin.
Das bedeutet aber nicht, dass Freundschaften weniger wert geworden sind. Im Gegenteil. Vielleicht merkt man gerade daran, wie wichtig sie sind. Denn obwohl der Alltag oft voll ist, nimmt man sich trotzdem die Zeit. Man plant eben ein bisschen mehr, verschiebt auch mal andere Dinge oder fährt ein paar Kilometer weiter als früher. Das Treffen ist vielleicht seltener geworden, aber oft auch bewusster.
Trotzdem vermisse ich diese Spontanität manchmal. Einfach jemanden anrufen und eine halbe Stunde später zusammensitzen, ohne groß darüber nachzudenken. Vielleicht gehört das Erwachsenwerden einfach dazu. Aber wenn ich eines gelernt habe, dann dieses: Freundschaften halten sich nicht von allein. Sie brauchen keine täglichen Nachrichten und auch keine ständigen Treffen. Aber sie brauchen Zeit. Und die sollte man sich zwischen all den Terminen im Kalender hin und wieder ganz bewusst freihalten.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.













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