28.11.2019 - 16:37 Uhr
OTon

Witz- und Spitznamen

Mittlerweile hat jeder und alles einen Spitznamen. Unser Autor hat gleich zwei. Im neuen OTon sinniert Julian Trager über lustige und verletzende Zweitnamen und erzählt, wie er zu seinen kam.

Ob Redakteur, Zeichentrickfigur oder Musiker - fast jeder hat einen Spitznamen. Der aktuelle US-Präsident hat sogar hunderte.
von Julian Trager Kontakt Profil

Neulich bin ich im Netz bei „Adolf Twitler“ hängen geblieben. Auf einer Seite, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Spitznamen für Donald Trump aufzulisten. Ich habe ich mir alle Namen angeschaut – von 1 bis 409. Die meisten beziehen sich auf seine Haare oder seine orangefarbene Gesichtsfarbe. Ziemlich fies, oder? Aber hey, es ist Donald Trump, der US-Präsident, der gerade die Welt niedertrampelt. Als „Godzilla“, bezeichnete ihn mal ein Komiker, so die Liste. „Godzilla, mit weniger Erfahrung in Außenpolitik.“

Aber Schluss mit Trump, den seine Frau übrigens „The Donald“ nennt. Wenden wir uns seriöseren Zeitgenossen zu. Wie lautete nochmal der Spitzname von Arnold aus der Zeichentrickserie „Hey Arnold“? Stimmt: „Footballschädel.“ Auch gemein. „Spitznamen heißen nicht umsonst so, sie enthalten immer eine Spitze“, sagte einmal eine Psychologin der „FAZ“. Der Begriff Spitzname kommt aus dem 17. Jahrhundert. „Spitz“ bedeutete damals „verletzend“. Es geht aber auch anders.

Franz Beckenbauer, „der Kaiser“, wird sich wohl nie über seinen Zweitnamen beschwert haben. Genauso wenig wie der ewig aus dem Hintergrund schießen müssende Helmut Rahn. „Der Boss“ muss sich den Titel allerdings mit Bruce Springsteen teilen. Mittlerweile braucht ja jeder und alles einen Spitznamen. Auch Autos haben einen („Ente“, „Knutschkugel“). Oder Städte: New York ist der „Big Apple“, Las Vegas ist „Sin City“ – und Weiden die „Eisenbahnerstadt“.

Spitznamen haben sich in letzter Zeit sehr verändert. Früher hieß der Josef halt Sepp oder Seppi oder Sepperl oder Jupp oder … Passt natürlich nicht zu einem Siemens-Chef. Josef Käser heißt deswegen Joe Kaeser. Alles muss heutzutage besser klingen, moderner. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es unter anderem einen „Johnny Keyboard“, „El Ranzo“, „DJ Bordello“, „Sleepy“ oder den guten alten „Godlike“.

Ich selbst werde von denen „Juli“ gerufen. Muss meinen Spitznamen mit anderen Julians, Julias, Juliens, einer Pop-Rock-Band und einem Monat teilen. Nichts Besonderes also, passt zu mir. Auf jeden Fall besser als der dumme August.

Für meine Kumpels aus der Schulzeit bin ich aber der „Tracer“. Seitdem auf der Abifahrt in Malta mein Nachname falsch geschrieben wurde, mit „c“ statt „g“. Ich höre meinen zweiten Spitznamen gerne. Erinnert mich an eine lustige Zeit. Eine Zeit, in der „Adolf Twitler“ einfach nur „The Donald“ war.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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