09.02.2018 - 17:06 Uhr
Tirschenreuth

Künstlerportrait Dimitrova Desislava "Malen ist genauso wichtig wie Essen"

Sie kommt da her, "wo die Donau wirklich groß ist. Nicht so winzig wie in Regensburg", sagt Dimitrova Desislava. Die Künstlerin aus Bulgarien betreibt in Tirschenreuth ein Atelier. Freunde und Bekannte nennen sie kurz Desi.

Am wohlsten fühlt sich Desislava Dimitrova in ihrem Tirschenreuther Atelier. Bilder: Grüner (6)
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Mit einem roten Kleinbus kam sie mit der Familie vor gut zwei Jahren nach Deutschland. "Das sah ein wenig aus, wie die Kelly Family", erinnert sich die Künstlerin. Eine spontane Idee sei das gewesen, gar nicht von langer Hand vorbereitet. Geboren ist Desi in Lom an der Grenze zu Rumänien. Die 20 000-Einwohner-Stadt ist etwa 200 Kilometer von der Hauptstadt Sofia entfernt. Das erste Jahr in Deutschland verbrachte sie in München, wo sie auch schon ein kleines Atelier hatte. Davor lebte sie zehn Jahre in Sofia und betrieb dort zwei Geschäfte. Seit 15 Jahren bemalt sie T-Shirts, von denen sie manche selbst näht, malt auf Autos und Motorräder und überall sonst, wo Farbe hält. Die 32-Jährige hat ein Faible für Fantasy und Märchen und genau das drücken ihre Bilder aus.

Im Kunstverein

In ihrer Heimat hat sie an der Akademie für Zeichentrickfilm studiert. Sie war jedes Jahr beim Künstlerfestival in Bulgarien dabei, wo immer so um die 5000 Leute unterwegs sind. In ihrer neuen Heimat ist sie im Kunstverein Tirschenreuth (KVT) aktiv. Desi malt in der Hauptsache klassisch mit Öl, "jeder Künstler sollte das können", sagt sie. Acryl und Airbrush sind auch Techniken, die sie beherrscht. Zusammen mit Klaus Sackstrauß, der ebenfalls Mitglied im KVT und in der Region bekannt ist, macht sie Objektbilder. Das heißt: Sie liefert die Gemälde, Sackstrauß gibt ihnen zusätzlich Raum, veredelt sie, indem er sie dreidimensional nach außen weiter baut. Das sieht dann aus wie ein Rahmen. Manchmal fügt er auch eine Collage hinzu und fertig ist das gemalte Objektbild. "Klaus und ich sind ziemlich beste Freunde, was die Kunst betrifft", sagt sie. "Er ist zwar reif an Jahren, aber was die Kreativität angeht, absolut jung und total verrückt, im positiven Sinn."

Im Kindesalter begonnen

Wie das meistens bei Künstlern, vor allem bei Malern, der Fall ist, hat auch Desi im zarten Kindesalter damit begonnen. Ihre Mutter war Grundschullehrerin und hat selber gemalt, genauso wie der Vater. Der Künstlername von Desi ist Asha. Mit Puppen konnte sie nie etwas anfangen, wollte zu Weihnachten oder zum Geburtstag immer Malstifte oder Modellautos. Seit ihrer Kindheit malt sie grundsätzlich erst ein Augenpaar und dann das dazu passende Gesicht. "Wenn ich längere Zeit kein Gesicht malen kann, bin ich krank", sagt sie. Und bei freien Arbeiten sind das immer Frauen.

Die Künstlerin arbeitet aber auch nach Auftrag. Viele Leute kommen mit bestimmten Vorlagen zu ihr, die sie dann entweder eins zu eins auf T-Shirts, Autos oder wo auch immer hinmalt. Manchmal peppt sie das Motiv noch mit der eigenen Fantasie auf. Je nachdem, was der Kunde haben will. "Das hält sich ungefähr die Waage." Auch an ihrer Wahlheimat Tirschenreuth, in der sie mit Ehemann und Sohn wohnt, hat sie sich versucht. Untypische Bilder sind das. Etwa der Klettnersturm mit kubistisch aufgebautem Hintergrund oder die drei Tirschenreuther Türme, wie man sie sieht, wenn man von der Regensburger Straße in die Stadt hineinfährt.

"Ich male, sobald ich Zeit habe, das ist für mich genauso wichtig wie Essen. Asha hat nie das fertige Werk im Kopf, wenn sie beginnt. Wie erwähnt, meist erst einen Frauenkopf. Dann arbeitet sie sich nach außen zu den Bildrändern vor. "Man weiß nie, was daraus wird, das kommt alles bei der Arbeit, das fließt praktisch aus mir heraus. Das Bild sagt mir, wie es gemalt werden will. So entstehen Seelenbilder. Ist das Werk fertig, betrachte ich es immer wieder und mache mir dann Gedanken, was es darstellt. Dann erst erkenne ich die Philosophie, die dahintersteckt."

Jugend begeistern

Desi hat einen Anspruch: Sie will junge Menschen für die Kunst sensibilisieren. "Die stehen nicht darauf, bis du ihnen erklärst, dass ein Tattoo auch ein Kunstwerk ist ..." Zusammen mit Klaus Sackstrauß will sie dies ändern. Sie verspricht, ohne konkreter zu werden, "wir werden eine ,Kunstbombe' platzen lassen."

Wir werden eine "Kunstbombe" platzen lassen.Dimitrova Desislava

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