Tirschenreuth/La Ville du Bois. Diese Städtepartnerschaft gibt es seit 2001, damals war Franz Fink Bürgermeister. Heute ist es Franz Stahl, der sich Zeit nimmt für diesen Pfingsttreffen, das beiden Städten so wichtig ist: 100 Jahre Kriegsende mit einer grausamen wie sinnlosen letzten Schlacht in Verdun ist Anlass genug, im Zeichen des Friedens die Freundschaft zu erneuern. Dieser Idee folgen 19 Tirschenreuther vom Verein „Amitie“ und 27 Franzosen. Treffpunkt ist das Fort de Vaux, einer der grausamen Kriegsschauplätze. Vier Küsschen müssen zur Begrüßung sein, das ist Pariser Charme. Dieser Sitte wird bei der Ankunft ausgiebig gefrönt, manche schwenken Länderfahnen. Sogleich macht sich ein Zustand von Entschleunigung breit. Das ist gut so, dient als Gegenpol. Denn in diesen Tagen des Erinnerns wird es ernst. Das vom französischen Vereinsvorsitzenden Christian Peureux erstellte Programm lässt keine Lücke offen. Die einstigen Kriegsschauplätze dienen heute als Mahnmale für den Frieden. Im ländlich geprägten Hotel „La Sirene“ in Etain erzählt Vereinsvorsitzender Peter Gold als Frankreichkenner und „wandelndes Geschichtsbuch“, dass der deutsche Kronprinz Wilhelm von Preußen, Oberbefehlshaber der 5. Deutschen Armee, in diesem Hotel (damals eine Festung) sein Quartier hatte. So beginnt das Treffen im Zeichen von „Krieg und Frieden“ also am richtigen Ort. Nach einer Besichtigung des Memorials von Verdun und dem Fort de Vaux sowie eines „Boyu de Londres“ (Schützengrabens) am Samstag folgen Bürgermeister Franz Stahl und Bürgermeister Jean-Pierre Meur den Spuren großer Staatsmänner wie Charles de Gaulle, Francois Mitterrand und Helmut Kohl. Die Fahrt geht zum Douaumont. Ein Film zeigt den Krieg, immer wieder mit Originalaufnahmen. Im Beinhaus sind die Gebeine von 130 000 gefallener Soldaten, 15 000 Kreuze zeugen in der ausgenommen schön gestalteten Gedenkanlage vom gegenseitigen Massenmorden. Dies Schauspiel erfordert immer wieder neues Erwachen gegen den weltweiten Krieg: Die Partnerstädte wollen auf der Terrasse des Denkmals Douaumont ihre Freundschaft erneuern.
Zu einem eingeplanten, kleinen Festakt ist Tom Brankovic mitgekommen. Peter Gold hat den Künstler aus Schönkirch beauftragt, ein Bild zu malen.
Großartige Malkunst
Brankovic schenkt den beiden Städten ein beeindruckendes Kunstwerk. Dafür ist der Ikonenmaler und Schöngeist über seinen Schatten gesprungen. Diesmal und wohl erstmals hat Brankovic seiner Malerei ein kritisches Gesicht gegeben. Das Gemälde stellt die Gräuel des 1. Weltkrieges als Teufel dar. Den Frieden bringen zwei Tauben. Sie halten das Böse mit weißen Rosen in Schach. Aber Rosen haben Dornen, für die Soldaten im 1. Weltkrieg gibt es aus dem Todeskessel kein Entrinnen. Auch das ist Inhalt der Malerei. Die Franzosen sind sichtlich gerührt, als Bürgermeister Franz Stahl seinem Kollegen dieses wertvolle Gemälde überreicht. „Auf ewige Freundschaft“ nennt es der Künstler.
Der Serbe, der den Frieden malt
Der Zufall steht an diesem für die Städtepartnerschaft wichtigen Tag gleich daneben. Brankovic ist Serbe. Hat nicht ein Serbe den 1. Weltkrieg ausgelöst, als er beim Attentat von Sarajewo den Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin erschoss? 100 Jahre später gestalten ein Serbe, einige Deutsche und einige Franzosen für das Gute im Menschen einen kleinen, privaten Festakt. „Nur Freundschaft wie zwischen unseren Städten kann den Frieden sichern“, sagt Stahl. Sein Kollege aus La Ville du Bois, Jean-Pierre Meur, bestätigt dies. Es sei Aufgabe aller Nationen, dies bis in die nächsten Generationen zu tragen. Meur bedankt sich. In La Ville du Bois wird er das Gemälde ins Rathaus hängen.
Das Reiseprogramm wird immer spannender: Erstaunt erlebt die Gruppe am Sonntag in Bombenkratern sowie auf den Soldatenfriedhöfen sonderbar-einfühlsame Orte der Stille als jene Schauplätzen, die vor hundert Jahren von Hass, Tod, Leid und Gewalt getränkt waren. Die Natur hat sich die Schlachtfelder von Verdun und „Les Eparges“ zurückerobert, in den Gräben wachsen Bäume. Auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Viéville-sous-les-côtes legen Franz Stahl und Jean-Pierre Meur Blumen nieder. Peter Gold hat die Gitarre dabei, alle singen das Friedensliedes „Sag‘ mir, wo die Blumen sind“. Die Bürgermeister fallen sich in die Arme, hier hat Freundschaft eine besondere Bedeutung. „Das geht ziemlich ans Gemüt, was in Verdun geschehen ist“. So und ähnlich lauten die Kommentare der Reiseteilnehmer zu diesem Abstecher in die Geschichte des 1. Weltkrieges.
Faszinierende Geschichtsorte
Am Montag stehen die Franzosen und die Stiftländer auf dem deutschen Friedhof „Consenvoye“. Hier zeugt eine Inschrift von der Begegnung zwischen Kanzler Helmut Kohl und Regierungschef Francois Mitterrand. Eine Mahnung von Jean-Claude Juncker (Präsident der europäischen Kommission) erinnert an die Bedeutung Europas für den Frieden. Auch hier hat man den gefallenen Soldaten ein friedvolle Ruhestätte eingerichtet. Die Stiftländer sind beeindruckt von den Kultstätten Verduns, die gleichermaßen erschrecken wie faszinieren. Nach der Besichtigung des Memorial „Montfaucon“, dem amerikanischen Soldatenfriedhof, muss leider der Abschied folgen. Vier Küsschen beanspruchen auch diesmal Muse. Keiner hat es eilig heute. Die Gruppen trennen sich erst nach einem ausgiebigen, herzlichen „Au revoir“, gefolgt vom Versprechen auf ein baldiges Wiedersehen.








































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