Der warme Winter bringt Skisportvereine und Schulen in arge Planungsnot
Das lange Warten auf die weiße Pracht

Schweißarbeit für die letzten Zentimeter Schnee: Vorsitzender Frank Kiener, Niklas Schell, Stephan Schnurrer, Michael Neumann, Roman Gomez-Islinger und Alexander Drechsler (von links) schaufeln einen ganzen Nachmittag lang die Löcher in der brüchigen Schneedecke wieder zu.
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Tirschenreuth
12.01.2018
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Statt ein Wintermärchen gibt's an der Schloppacher Skiliftanlage aktuell nur Nebel und einen grünen Hang. Michael Andörfer und Max Kreitmeier (von links) von der Skiabteilung des Turnvereins sind dennoch guter Dinge. Schlechte Winter, sagen sie, habe es schon immer gegeben.
 
Auf zwei Kilometer ist die letzte Loipe auf der Silberhütte zusammengeschmolzen. Bilder: ubb (3)

Blauer Himmel, Pulverschnee und mit Skiern durch die Natur wandern. Was gibt es Schöneres? Von dieser Winterromantik sind die Lifte und Loipen in der Region derzeit weit entfernt.

Schmutzige, graue Felder, Nebel und Regengüsse bestimmen derzeit das Bild. Angesichts der Plusgrade bringen nicht einmal die Schneekanonen Abhilfe. Für die Skilanglaufabteilung des Turn- und Sportvereins (TuS) Mitterteich ist das, was da von oben kommt, besonders ärgerlich, erläutert Präsident Anton Bauernfeind. An diesem Sonntag hätte der Hartwich-Cup und der Nordbayern-Cup traditionell auf den 10 Kilometer langen Mitterteicher Loipen stattfinden sollen. Der Schneemangel zwang den TuS, die gut 140 gemeldeten Teilnehmer "umzuleiten". Die Wettkämpfe wurden kurzfristig ins Gebiet am Ochsenkopf verlegt. Der Umzug ins gut 40 Kilometer entfernte Fränkische sei ein enormer Mehraufwand, stöhnt Bauernfeind.

Verbissener Kampf

Relativ sichere Schneeverhältnisse kann im Landkreis höchstens das Skilanglaufzentrum (SLZ) Silberhütte bieten. Dort gab es kurz vor Weihnachten noch eine Winteridylle wie aus dem Bilderbuch. "Ausgerechnet zwei Tage vor dem Fest taute alles weg", ärgert sich Frank Kiener. Der Vorsitzende des Fördervereins lobt die Gemeinden, Sponsoren und Helfer über alles. "Ohne deren Unterstützung ginge hier nichts", sagt er und meint die finanziellen und ideellen Überbrückungshilfen. Die Stellung wird gehalten: Wie im gallischen Dorf kämpft man auf der Silberhütte um jeden Zentimeter Schnee. Ein verbissener Kampf, der mit Schaufeln und der Loipenfräsmaschine gegen das Tauwetter geführt wird. Es gilt, die letzten zwei Kilometer Loipe zu erhalten. Es handelt sich hierbei weitgehend um eine Kunstschneedecke, gerade 25 Zentimeter dick. Aber der Aufwand lohnt. Am Dienstag herrschte erstaunlich viel Betrieb. Schulen aus den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt sowie aus der Stadt Weiden veranstalteten einen Wettkampf. 140 Kinder und Lehrer tummelten sich auf der Schneezunge.

"Wir haben mit zwölf Mann am Montag die Löcher in der Schneedecke zugeschaufelt", berichtet Kiener. Um weitere Schulen nicht "im Regen stehen zu lassen" werde regelmäßig Schnee von höher gelegenen Flächen mit der Schneeraupe heruntergekarrt. Das Team auf Silberhütte zeigt angesichts der langsam wieder fallenden Temperaturen Optimismus: Der deutsch-tschechische Volksskilanglauf werde wie geplant am 28. Januar stattfinden. "Bis dahin", sagt Kiener, "kommt Schnee".

Nur wenige Meter unterhalb der Silberhütte an der Piste bei der Altglashütte hat man die Hoffnung ebenfalls noch nicht ganz aufgegeben. "Ende Januar ist höchste Eisenbahn mit Schnee. Sonst rentiert sich nichts mehr", sagt Theodor Dittmann. Der 74-jährige Mann gehört zur dortigen Liftbetreibergesellschaft. Über 40 Jahre betreut Dittmann den Lift. Wie der Schnee, sagt er, sei mit den Jahren der Betreibertrupp geschrumpft. "Jetzt sind nur Josef Frank, Reiner Blei, Robert Gradl und ich übrig." "Aufhören" gehört dennoch nicht zum Wortschatz der Altglashüttler. "Solange wir nicht draufzahlen, geht's weiter", versichert Dittmann gelassen.

Frustrierte Blicke

Auch die Skiabteilung des Turnvereins Waldsassen schaut mit frustrierten Blicken nach oben. Am Schloppacher Skihang ist's trüb, der dichte Nebel hat den Hügel und die Liftanlage verschluckt. Technischer Leiter Michael Andörfer erzählt, er habe bis heute nicht einmal die Liftbügel eingehängt. "Die Schneekanonen warten auf ihren Einsatz", hofft er auf zumindest frostige Nächte. Ansonsten sei an eine künstliche Schneedecke nicht zu denken. Sorgen machen sich Andörfer und Skihüttenbetreiber Max Kreitmeier nicht. Beide erinnern sich an schlimmere Winter. "Mitte der 90er Jahre war der Lift drei Jahre lang nicht im Betrieb", berichten sie. "Niemand denkt hier an Aufhören", nutzt Kreitmeier die Gelegenheit, die Gerüchteküche über eine schnelle Lift-Schließung zu dementieren. "Wir warten ab", betont Abteilungsleiter Gerwig Gerl. In weiser Voraussicht plant der Turnverein im Vorfeld keine Wintersportevents mehr. Stadtmeisterschaft, Skifasching und Openair werden kurzfristig durchgezogen. "Die Hütte ist aber schon jeden Sonntag ab 14 Uhr geöffnet", betont Kreitmeier. Gemütlich ist's in der Schloppacher Skihütte immer, auch ohne Schnee. Und wer will, kann sich zum Jägertee die weiße Pracht draußen dazudenken.

Auch im Steinwald ist die Loipe längst weggeschmolzen. "Gegen das Wetter kann man nichts machen", bedauert der Fuchsmühler Bürgermeister Wolfgang Braun, Vorsitzender der Zweckgemeinschaft Steinwaldloipe die Wetterkapriolen. Braun ist zuversichtlich, dass die weiße Pracht zurückkehrt. "Und bei entsprechender Schneelage werden wir sofort die Loipen präparieren", verspricht er. Immerhin hat die Zweckgemeinschaft nahezu 60 Kilometer Loipe im Steinwald ausgeschildert. Vor Weihnachten waren sie schon einmal gespurt. Auch der Lift in Pfaben ist schon zehn Tage gelaufen. Aber derzeit ist nach Auskunft von Betreiber Alfons Lang nicht ans Skifahren zu denken. Beim ersten brauchbaren Schneefall werde er den Lift sofort wieder starten, verspricht er.

Infos und KontakteDas Skilanglaufzentrum Silberhütte (SLZ) ist derzeit die einzige Skianlage im Landkreis, die geöffnet ist. Auf der zwei Kilometer langen Loipe kann jederzeit gefahren werden. Der Förderverein verleiht auch Skiausrüstungen. Die Betreiber sind zuversichtlich, an diesem Wochenende mit den Schneekanonen neuen Kunstschnee aufbringen zu können, sodass eine optimal präparierte Schneedecke zur Verfügung steht.

Unter anderem kann bei Flutlicht gefahren werden, Infos können auf der Homepage oder der Silberhütten-App täglich aktuell abgerufen werden. Der traditionelle deutsch-tschechische Volksskilanglauf findet voraussichtlich am Sonntag, 28. Januar, statt. Auskünfte erteilt Förderverein-Vorsitzender Frank Kiener per Handy 0171/2070000.

Über den an diesem Wochenende am Ochsenkopf stattfindenden Hartwich-Cup und den Nordbayern-Cup des TuS Mitterteich gibt es Infos bei Anton Bauernfeind, Telefon 09633/4608, oder im Internet unter www.tus-mitterteich.de. Anmeldungen sind bis Sonntag um 11 Uhr möglich. Infos über die Steinwaldloipen gibt es im Internet unter www.fuchsmuehl.de oder www.steinwald-loipen.de sowie unter Telefon 0180/5783469.
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