10.01.2018 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Evangelische Kirchengemeinde verabschiedet Organist Karl Supguth Tausend Dank für 2200 Einsätze

Erstmals nach fast einem halben Jahrhundert ist beim Sonntagsgottesdienst in der evangelischen Erlöserkirche etwas anders als sonst: An der Orgel sitzt um 9.30 Uhr ein junges Mädchen. Dabei hat 44 Jahre lang immer nur einer das Kircheninstrument bedient: Karl Supguth.

Herzlich hat Pfarrer Martin Schlenk (links) den Organisten Karl Supguth verabschiedet. Aber es lag auch ein wenig Sorge in des Pfarrers Worten, denn derart engagierte Organisten gebe es kaum noch. Bilder: ubb (2)
von Ulla Britta BaumerProfil

Der langjährige Organist hat diesmal ganz normal mit seiner Familie bei den Gläubigen in einer Kirchenbank Platz genommen. "Er ist heute unser Ehrengast", betonte Pfarrer Martin Schlenk. Kaum aber begann Lorena Franz mit dem ersten Orgelstück, wischte sich Karl Supguth doch ein wenig über die Augen. Obwohl er im Vorfeld gesagt hat, er sei nicht traurig über den freiwilligen Abschied: Ein Wunder wäre eine Wehmuts-Träne nicht.

Der ehemalige Gymnasiallehrer hat die evangelischen Gottesdienste immerhin 44 Jahre lang musikalisch begleitet. Das hinterlässt Spuren, nicht nur wegen der langen Zeitspanne. Dabei ging der Wunsch "Mach's gut, Karl, und bleib' weiterhin gesund" im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes unspektakulär über die Bühne, oder besser gesagt über den Altar. Pfarrer Martin Schlenk widmete sich erst dem Ritual. Nach der Predigt aber galt sein Augenmerk ausschließlich dem Abschiednehmen. Er sei voller Ehrfurcht vor allen, die Orgel spielen können, sagte Schlenk. "Dazu braucht es Talent, sehr viel Fleiß, Geduld und Zeit", sagte der Pfarrer und stellte mit einem Rechenbeispiel dar, wieviel Geduld Karl Supguth in den 44 Jahren aufgebracht hat: "Wenn wir pro Jahr 50 rechnen, kommen wir auf 2200 Einsätze." Wahrscheinlich seien es sogar mehr gewesen.

Schlenk stellte auch Karl Supguths Bereitschaft heraus, bei Not am Mann jederzeit einzuspringen. "Tausend Dank" gab es im Namen der Kirchengemeinde für eine derart große Treue. Die etwa 90 Gläubigen ließen sich nicht zweimal bitten, Supguths Engagement mit einem kräftigen Applaus zu belohnen, auch wenn dies in einer Kirche nicht üblich sei. Pfarrer Schlenk wünschte dem Organisten weiterhin einen Lebensweg mit guter Gesundheit sowie Gottes reichen Segen. Dem treuen Kirchendiener überreichte er eine Dankesurkunde nebst Geschenkgutschein.

Christian Münch hatte die schöne Aufgabe, einen Brief des evangelischen Dekans Michael Grünwald vorzulesen. Auch Grünwald wünschte Supguth das Beste für die Zukunft und dankte herzlich für 44 Jahre Treue, was nicht selbstverständlich sei. Wie Grünwald bedauerte auch Pfarrer Schlenk, dass Nachwuchsorganisten auf dem Land immer schwerer zu bekommen seien.

Gut, dass Tirschenreuth ein wenig mehr Glück hat: Eine, die sich als Nachfolgerin bereit erklärt hat, ist Lorena Franz. Die 19-jährige Tirschenreutherin studiert in Bamberg Pädagogik mit Fach Musik und möchte ab sofort, wann immer sie Zeit hat, in Supguths Fußstapfen treten. Am Sonntag war sozusagen ihre Premiere, welche die Musikerin bestens hingekriegt hat. Teils kräftig, teils schwungvoll, dann wieder zurückgenommen sakral bediente die junge Frau das Instrument bei diesem besonderen Abschiedsgottesdienst. Karl Supguth und Pfarrer Martin Schlenk können zufrieden sein mit solch einem neuen Talent. Und dann gibt es ja auch den Posaunenchor, den Karl Supguth lange Jahre geleitet hat. Dessen Mitglieder sagten "Auf Wiedersehen und Dankeschön", indem sie an diesem Sonntag extra schön musiziert haben

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