Waldauer feiern Patrozinium
Liebe weder Kitsch noch harmlos

Vermischtes
Vohenstrauß
15.05.2018
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Dekan Alexander Hösl zieht mit den Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine in das festlich geschmückte Gotteshaus ein. Bild: dob

Wer von der Bibel nichts anderes kennt als den Satz "Gott ist die Liebe", der kennt eigentlich den Hauptteil der Botschaft Jesu, meint Dekan Alexander Hösl. Was diese Liebe bedeutet, lebt der heilige Johannes Nepomuk radikal vor.

Waldau. In der Benefiziumskirche wird der Heilige als Kirchenpatron verehrt, und deshalb haben die Waldauer mit Gästen aus der Region am Sonntag sein Patronat gefeiert. "Wenn wir am nächsten Sonntag Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, feiern, dann geht es darum, wie die Liebe Gottes nicht nur vor zweitausend Jahren in einem Menschen gegenwärtig war, sondern in den an Christus Glaubenden gegenwärtig bleibt", sagte der Geistliche.

Die Umkehr und die Liebe Gottes sei das Programm des Kirchenpatrons Johannes Nepomuk gewesen. Im 14. Jahrhundert ist er als Generalvikar der Erzdiözese Prag in Rechtsstreitigkeiten mit dem böhmischen König Wenzel geraten. Er wurde gefoltert und in der Moldau ertränkt. Als begnadeter Beichtvater musste Nepomuk für die Liebe, die er den Menschen entgegenbrachte, sterben. "Heute traut man sich das Wort 'Liebe' gar nicht mehr in den Mund zu nehmen, weil es zwischen Rosamunde Pilcher und Traumhochzeit im Kitsch zu versinken droht", sagte der Geistliche. "Beide Vorwürfe, der Kitsch und die Harmlosigkeit, treffen nicht zu. Man muss Liebe nur radikal genug denken", forderte Hösl.

"Der beste Vergleich dafür ist die Liebe der Eltern zu den Kindern. Wenn man als Eltern erleben muss, dass die Kinder auf krumme Wege geraten, wenn man mit Ohnmacht erlebt, nichts tun zu können, dann erlebt man, dass man an seiner Liebe leiden kann. Manche Menschen kommen dann wirklich an ein Ende. Dann zerbrechen Ehen, Eltern wenden sich von Kindern ab oder umgekehrt. Wer dürfte sich erlauben, diese Menschen zu verurteilen?", fragte Hösl. Andere geben ihre Hoffnung nicht auf, dass sich Beziehungen wieder herstellen lassen und sich Verhältnisse zum Guten wenden. In Jesus Christus hat sich Gott auf die Menschen eingelassen, ohne romantische Verklärung. Er zahlte mit seinem Tod einen Preis dafür. "Der Tod Jesu am Kreuz ist der Schmerz Gottes angesichts seiner Liebe, die von Menschen zurückgewiesen wurde."

Mit einer besonderen Messe wartete der Kirchenchor unter Leitung von Hans-Josef Völkl auf. Er wählte die "Missa Festiva" von Hubert Zaindl, die Markus Mathy an der Orgel begleitete. Melanie Salvas, Johanna Wittmann und Shanti Lindner vereinten sich im Streich-Ensemble. Nicht fehlen durfte das Papst-Benedikt-Lied "Wer glaubt, ist nie allein", das im "Großer Gott wir loben dich" mündete, das der Chor mit Überstimmen verschönte.

Im Pfarrheimgarten war im Anschluss die weltliche Feier: Heiner Ertl zauberte einen Festtagsschmaus aus dem Backofen. Schon vor 4 Uhr am frühen Morgen werkelte er und brachte ihn mit großen Holzscheiten auf Temperatur. Danach schob er die großen Rainen mit dem delikat gewürzten Schweinefleisch ein. Rund 150 Portionen bereitete der Chefkoch für die Gäste vor, die sich im sonnigen Garten niederließen.

Für die süßen Leckermäuler hatte der kreative Macher mit der weißen Kochmütze als Nachspeise Vanilleeis mit frischen Erdbeeren im Angebot. Vor allem die älteren Bürger genossen den Tag zu einem Treffen.

Man muss Liebe nur radikal genug denken.Dekan Alexander Hösl
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