19.02.2018 - 20:00 Uhr
Waldsassen

Fraunhorfer Saitenmusik spielt beim Kammermusikkreis Waldsassen Unaufgeregte Spannungsbögen

Vor sechs Jahren waren sie das letzte Mal Gast in Waldsassen. Diesmal lädt der Kammermusikkreis Waldsassen die "Fraunhofer Saitenmusik" im Jahr ein, in dem die vier ihr 40-jähriges Musikmachen feiern. Es ist die Beständigkeit, die den Erfolg dieses außergewöhnlichen Quartetts ausmacht. Diese Musik ist nicht nur uralt, sondern immer noch "in". Sie ist unaufgeregt melodisch.

Unaufgeregt und entspannt tritt die Fraunhofer Saitenmusik in der Kloster-aula auf - das Publikum lässt sich gern entschleunigen. Bild: Baumer
von Ulla Britta BaumerProfil

Großes Repertoire

Das und die hohe Qualität der Fraunhofer Saitenmusik, die sich längst über Landesgrenzen hinaus herumgesprochen hat, überzeugt das Waldsassener Publikum. 160 Zuhörer lauschen in der Aula des Klosters Waldsassen Richard Kurländer am Hackbrett und an der Harfe, Gerhard Zink am Bass, Michael Klein (Gitarre) und Michaela Schmid am Cello und Blockflöte, die zum Flötenspielen aufsteht und dieses Instrument bestens beherrscht. Wunderschön schaut sie aus mit ihren lockigen, dunkelgrauen Haaren.

Alle vier Musiker umgibt eine besondere Aura. Drei Männer und eine Frau machen Musik um der Musik willen. Nichts ist aufgesetzt oder erscheint spektakulär. Alle jene, die bisher noch nichts von dem Quartett gehört haben, kommen in den Genuss, wohl das erste Mal uralte Musik aus dem hohen Norden genießen und erleben zu dürfen.

Nach "de Makurka St. Gallen" und der "Trüll Mazurka" zum Einstieg bekommt das Publikum mit "Kwirhöken" auch schon das erste Stück aus dem Norden präsentiert. "Kwirhöken" heiße "Mäusebussard, erklärt Kurländer. Dass hier die Flöte mit schrillem Trillern den Vogelflug darbietet, ist keine Frage. "Der Fraunhofer" erzählt von der Gründung des Quartetts. Kurländer erklärt dazu das "Appenzeller Hackbrett", bevor die Gäste eine Kostprobe dieses Instruments hören.

Still genießen

Schweden, Finnland, Irland, Dänemark: Das sind die dominanten Länder, dieser Musik gehört das Herz der Fraunhofer. Ein Liebeslied mit völlig dafür ungeeignetem Titel - "Am Tag bei meiner Arbeit" gehört dazu wie der Astrid Walzer, der nichts mit einer Frau namens Astrid zu tun hat. "Dann sagten uns die Leute, ob wir auch was aus dem Süden spielen können", sagt Kurländer. Also wurde ein "Tyroler Hopsa" ausgesucht. "Als wir unsere Auswahl getroffen hatten, sahen wir, dass ihn ein Däne geschrieben hat." Das Stück "Beim Stirzer" ist einer Gaststätte gewidmet.

Längst ist es an der Zeit, mit den Füßen mit zu wippen, gar zu Tanzen. Aber die Oberpfälzer sind wie die Nordländer: Sie genießen still, wie am Sonntag in der Klosteraula. "Wohnzimmerkonzert" wäre der richtige Begriff für diesen lockeren Abend, an dem vor allem Kurländer nahezu nie in ein Notenblatt schaut. An der Harfe zeigt er seine hervorragende Nonchalance ebenso wie an den Hackbrettern oder der Ungarischen Harfe.

Nach der Pause kommt Schwung ins Geschehen, was auch den Zwischenapplaus kräftiger werden lässt. Die Musiker zeigen in zwei Konzertstunden ein großes Repertoire. Neben mittelalterlichem aus Skandinavien kamen die Zuhörer in den Genuss, einmal wieder Eigengewächse der Fraunhofer zu erleben wie Erstlingswerke aus den Anfängen. Das eine oder andere Mal gibt es ein "Bravo" aus den Zuhörerreihen, langen Applaus am Schluss. Schön entspannt, angenehm unaufgeregt erleben die Zuhörer die hohe Kunst der Musik zum Ausklang eines ruhigen Februar-Sonntags.

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