27.09.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kevin-Coyne-Ausstellung im Kunsthaus Talentierter Außenseiter

Auf der Bühne ist Kevin Coyne eine charismatische Persönlichkeit gewesen. Aber der 2004 in Nürnberg verstorbene Künstler konnte noch viel mehr. Davon können sich die Fans ab Samstag, 30. September, ihr eigenes Bild im Kunsthaus Waldsassen (Kuwa) machen.

Kevin Coyne war ein Mann der Bühne. Sein musikalisches Schaffen war enorm. Er war ständig auf Tournee und galt immer als Geheimtipp. Ein Rockmusiker, der nicht das große Geld, aber große Musik gemacht hat. Das trifft auch auf seine Malerei und sein poetisches Schaffen zu. Bild: Schweinar
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Kevin Coyne war ein ebenso guter Maler und Autor wie Musiker und Komponist. Über 50 Alben sind seit 1969 veröffentlicht worden. Er war fast immer auf Tour, vornehmlich in Europa, einmal in den Staaten. Dass er Bücher schrieb und malte, wussten und wissen die Wenigsten. Einer, der es ziemlich gut weiß, ist Stefan Voit, der Kulturchef der Tageszeitung "Der neue Tag" unter dem Dach der Oberpfalz-Medien. Er ist sozusagen der künstlerische Nachlassverwalter des Ausnahmetalents Kevin Coyne.

Ausstellung in Weiden

Voit kannte Coyne vor allem als Musiker, hatte ihn mehrmals live erlebt. Von dessen malerischem Schaffen wusste er anfangs nur, dass Coyne mehrere seiner Plattencover selbst gezeichnet hat. Im Rahmen der Weidener Literaturtage, die Voit mit organisierte, setzte er sich mit dem Thema erstmals näher auseinander. Er kontaktierte in Nürnberg die Ehefrau des Musikers, Helmi Coyne, mit dem Hintergedanken, eine Ausstellung in Weiden zu organisieren. "Helmi war gleich begeistert", erzählt Voit. Mit Sabine Guhl, der Leiterin der Weidener Regionalbibliothek, reiste er in Nürnberg an. "Was ich dort sah, hat mich voll begeistert", erklärt Voit. Über 1000 Zeichnungen und Malereien sind aus dem Nachlass von Kevin Coyne vorhanden. Nach Sichtung des umfangreichen Materials hat Voit angefangen, die Werke zu sichten und zu katalogisieren, um ein Werkverzeichnis zu erstellen. Am Samstag wird im Kuwa, in Anwesenheit von Helmi Coyne, die mittlerweile 10. Ausstellung mit mehr als 50 Arbeiten eröffnet. Die sind übrigens verkäuflich und kosten zwischen 250 und 800 Euro.

Schaffensquerschnitt

Thematisch stellen sie einen Querschnitt durch das gesamte Schaffen von Kevin Coyne dar und sind in den 1990er Jahren bis 2004 entstanden. Neben den vielen Malereien gebe es auch noch zahlreiche illustrierte Tagebücher, erklärt Voit. Einige daraus sind auf Postkarten veröffentlicht. Die beiden Söhne Coynes, Eugene und Robert, leben in London und sind ebenfalls Musiker. Robert beendet im Kuwa am Samstag, 14. Oktober, um 19.30 Uhr seine "NineDaysAWeek"-Tour. Begleitet wird er von Werner Steinhauser, dem ehemaligen Schlagzeuger seines Vaters, und vom Waldsassener Bluesmusiker Wolfgang Bernreuther.

Kevin Coyne wurde 1944 in Derby in England geboren und starb 60 Jahre später in Nürnberg, wo er seit den 1980er Jahren lebte. Die Geschichte von ihm und seiner Ehefrau sei anfangs überhaupt nicht romantisch gewesen, weiß Voit. Coyne kam 1985 nach Deutschland, zuerst nach München. Der Musiker war mittellos, besaß nur das, was er am Leib trug. Seine Frau lernte er dort in einer WG kennen. "Liebe auf den ersten Blick war das nicht", sagt Voit. "Aber Helmi hatte schon immer eine soziale Ader und hat ihn damals praktisch aufgenommen." Kevin Coyne war Alkoholiker, versuchte mehrmals davon loszukommen. Als er die Sucht endgültig überwunden hatte, wurde er krank und starb wenig später. "Er stand aber bis zum Schluss auf der Bühne. Es gibt Bilder, die zeigen ihn dort mit Sauerstoffgerät", so Voit. Ursprünglich hat Coyne Kunst studiert und arbeitete mehrere Jahre als Sozialarbeiter. Dabei befasste er sich oft mit psychisch Kranken.

Herz für Außenseiter

Er habe diese Menschen genau studiert und immer ein großes Herz für Außenseiter gehabt. Eigentlich sei er selbst einer gewesen und davon überzeugt, "The world ist full of fools, but that dosn't make them bad people." Das Skurrile, das Hässliche, garniert mit einer großen Portion schwarzem englischen Humor habe er zu Papier gebracht. Seine comicartigen, karikativen Bilder produzierte er mit Farbstiften, Filzstiften oder Wasserfarben. Kevin Coyne sei ein Multitalent gewesen, das komponiert, getextet, gemalt, Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben und Teddybären gesammelt hat. Es gibt sogar ein Buch von ihm über die Kuscheltiere, das Rio Reiser übersetzt hat. In vielen Bilder habe Coyne auch persönliche Dinge verarbeitet, die eigene Sucht, Kindheitserinnerungen, Freude, Verlust und Todesängste. Diese Werke seien ein Spiegelbild seiner selbst und der Gesellschaft.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung "Psycho" mit Bildern von Kevin Coyne ist bis zum 29. Oktober zu sehen. Das Kuwa ist jeweils mittwochs von 18 bis 20 Uhr und sonntags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Am Mittwoch, 18. Oktober wird um 19 Uhr der Film, "Kevin Coyne - One Man Room" von Boris Tomschiczek gezeigt. Der Eintritt dazu ist frei.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.